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Amerikanische Unternehmen : Trump lieben oder hassen?

Kritische Stimmen aus der Branche

Nach und nach kamen auch aus anderen Branchen kritische Stimmen. Die Kaffeehauskette Starbucks kündigte an, 10.000 Flüchtlinge einstellen zu wollen, der Chef des Finanzkonzerns Citigroup schrieb an seine Mitarbeiter, es mache ihm Sorgen, welche Botschaft von dem Einreisestopp ausgeht, und selbst der Autohersteller Ford, der sich zuletzt betont freundlich mit Trump gestellt hatte, ging auf Distanz. Sogar von Goldman Sachs, gab es deutliche Kritik, obwohl gleich eine ganze Riege von ehemaligen Managern nun mit Trump zusammenarbeiten. Niemand ist freilich bisher so weit gegangen wie der Uber-Chef, dessen Rückzug aus dem Wirtschaftsgremium im Weißen Haus offenbar als Affront gewertet wird. Vertraute von Trump werden in amerikanischen Medien mit den Worten zitiert: „Wenn Du Deinen Zugang zum Weißen Haus kappen willst: Fuck you.“

Entschiedener Gegner von Trumps Einwanderungspolitik: Vorstandsvorsitzender von Starbucks Howard Schultz

Für die Wirtschaft kommt die offene Konfrontation einer Revolution gleich, doch die linksliberale Öffentlichkeit will noch mehr: Sie sieht in den Konzernen die einzigen Akteure, denen zuzutrauen ist, Trump stoppen zu können: „To CEOs of America“, flehte in der vergangenen Woche der angesehene linksliberale Kommentator Thomas L. Friedman in der „New York Times“: „Please help“. Er wandte sich direkt an die „American Business Leaders“ mit den Worten: „Ich schreibe Ihnen heute, weil bald klar sein wird, dass Sie eine Aufgabe haben werden, an die sie zuvor niemals dachten: das Land zu retten vor einem Führer, der eine wahrhaft verzerrte Sicht darauf hat, wie die Welt funktioniert und welche Rolle Amerika darin zu spielen hat.“

Appell an die Konzernchefs

Friedman appellierte an die Konzernchefs, sich nicht von einem kurzzeitigen Hochgefühl täuschen zu lassen, das Deregulierung und Steuersenkungen ihnen bringen könnten. Denn Trump und sein Chefideologe Stephen Bannon seien auf einer Mission, Amerika in eine Zeit zurückzuführen, „als die größten CEOs nicht Satya und Sundar hießen“ (wie das bei den Technologiegiganten Microsoft und Google und ihren aus Indien kommenden Vorstandschefs der Fall ist). Was sich mit Friedmans Flehen verbindet, ist die Befürchtung, auf das Kontrollsystem der Gewaltenteilung sei kein Verlass mehr. Ist es schon so weit?

Wenn der Kongress versagt, die Judikative zu lange braucht, die Medien nicht ernst genommen werden, erwächst eine fünfte Gewalt im Staate: die Konzerne. Die Logik dahinter: Wenn sich ein Staatslenker mehr als CEO der größten Wirtschaftsmacht der Erde denn als Präsident versteht, kann er auch nur von seinesgleichen gestoppt werden. Seine Kollegen sollen Trump in die Schranken weisen, obwohl sie doch vor allem ihren Eigentümern und den Mitarbeitern verpflichtet sind – und das zum Schutz des amerikanischen Volkes, das so gespalten ist, wie niemals zuvor. Denn wer sich nun gegen Trump stellt, mag damit einen Teil der Amerikaner begeistern, wird aber womöglich andere gegen sich aufbringen. Während Uber-Chef Kalanick dafür attackiert wurde, in Trumps Gremium zu sein, gab es Boykottaufrufe gegen Unternehmen wie Starbucks, die das Einreiseverbot kritisierten.

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