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Vorstandsbezüge im M-Dax : In der „zweiten Reihe“ wird ebenfalls prächtig verdient

  • -Aktualisiert am

Gerhard Weber gehört zu den Spitzenverdienern im M-Dax. Weber ist Inhaber und Vorstandsvorsitzender des Modekonzerns Gerry Weber. Bild: Stephan Finsterbusch

VW-Chef Martin Winterkorn hält mit 17 Millionen Euro den Rekord unter den Vorstandsgehältern. Aber auch im M-Dax wird prächtig verdient. Einige Manager erreichen sogar das Niveau der Dax-Konzernchefs.

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          Konzernlenker aus dem M-Dax mögen es gar nicht, wenn ihre Unternehmen als „zweite Reihe“ bezeichnet werden. Denn auch sie sind häufig global aufgestellte Marktführer in ihrer Branche und können es im Umsatz mit den kleineren Konzernen aus dem Leitindex Dax durchaus aufnehmen. Das Rampenlicht, in dem die Dax-Chefs stehen, teilen sie allerdings nicht - was so manchem Vorstandschef eines M-Dax-Konzerns auch ganz recht sein dürfte. Lästigen Fragen nach dem Gehalt müssen sie sich weitaus seltener stellen als die Herren Winterkorn, Zetsche oder Ackermann.

          Döpfner auf 10 Millionen Euro geschätzt

          Dabei gehören einige der M-Dax-Chefs durchaus zu den Großverdienern, die in der obersten deutschen Vergütungsliga mitspielen können. Das zeigt eine Auswertung der Beratungsgesellschaft Hostettler Kramarsch Partner (HKP), die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. So weist der Modekonzern Gerry Weber für seinen Inhaber und Vorstandsvorsitzenden Gerhard Weber für 2011 eine Gesamtvergütung (fixe und variable Bestandteile, ohne Nebenleistungen) von knapp 4,2 Millionen Euro aus. Dicht gefolgt wird er von EADS-Chef Louis Gallois (knapp 4,1 Millionen Euro) und Fielmann-Eigentümer Günther Fielmann (3,8 Millionen Euro).

          Stolze Summen: Die Bezüge von M-Dax-Chefs im Jahr 2011

          Alle drei übertreffen damit eine ganze Reihe von Dax-Chefs, darunter zum Beispiel den Vorstandsvorsitzenden der Munich Re, Nikolaus von Bomhard (3,4 Millionen Euro). Allerdings bleibt das Trio unter dem Mittelwert der Dax-Chefvergütungen von gut 5 Millionen Euro - wobei dieser Wert durch den Rekord von VW-Konzernchef Martin Winterkorn (knapp 17 Millionen Euro) etwas verzerrt wird. Doch auch im M-Dax gibt es einen solchen Ausreißer. Der Chef des Axel-Springer-Konzerns, Mathias Döpfner, weist seine Bezüge zwar nicht aus, die Gesamtvergütung von 17 Millionen Euro für den vierköpfigen Springer-Vorstand legt aber nahe, dass Döpfner auch für 2011 wieder rund 10 Millionen Euro bekommen hat.

          Grundvergütungen steigen um 6,7 Prozent

          Beklagen können sich die M-Dax-Chefs über ihre Einkommen jedenfalls nicht, auch wenn die Vergütungen 2011 insgesamt „nur moderat gewachsen sind, während die Unternehmensergebnisse zum Teil deutlich gesteigert wurden“, erläutert HKP-Partner Joachim Kayser, der die Untersuchung geleitet hat. So erhöhten sich die Grundvergütungen der Vorstandsvorsitzenden im M-Dax um 6,7 Prozent, die einjährige variable Tantieme legte im Durchschnitt um 25 Prozent zu, während die Konzerngewinne um 31 Prozent stiegen. Doch sind diese Zahlen nur bedingt aussagefähig, räumt Kayser ein - weil es für die Gesamtvergütung wesentlich auf die langfristigen Boni ankommt. Und hier ist der Umstellungsprozess im M-Dax noch im Gange. „Im Dax haben bereits alle Konzerne solche mehrjährigen Vergütungsbestandteile eingeführt, im M-Dax sind viele Unternehmen erst dabei“, erläutert er. Im Vergütungsmix 2011 haben die Jahresboni sogar wieder an Bedeutung gewonnen - ihr Anteil stieg im Durchschnitt von zuvor 33 auf nun 38 Prozent.

          Rang 1: Martin Winterkorn (Volkswagen) mit 16,596 Mio. Euro im Jahr 2011 (* Grundvergütung + variable Boni, ohne Sonderzahlungen, Quelle: Hostettler, Kramarsch & Partner)
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          Erschwert wird der Vergleich mit den Dax-Konzernen auch, weil im M-Dax noch immer 12 von 50 Unternehmen die Möglichkeit nutzen, auf einen Einzelausweis der Vorstandsgehälter zu verzichten. Familiengesteuerte Konzerne wie Krones oder Fuchs Petrolub gehören ebenso zu den Verweigerern wie Unternehmen mit einer Beteiligungsgesellschaft als Mehrheitseigner (Hugo Boss) oder einem anderen Konzern als Besitzer (Puma).

          Transparenz noch ungenügend

          “Die Transparenz, die im Dax gegeben ist, ist im M-Dax noch längst nicht erreicht“, sagt Kayser - was Auswirkungen hat. Im Fall VW etwa hat die öffentliche Debatte um Winterkorns Rekordgehalt inzwischen dazu geführt, dass der Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh Veränderungen angekündigt hat. „Eine Mitgliedschaft im Dax bringt mehr Druck, eine angemessene Vergütung zu bezahlen“, sagt Kayser.

          Denn vor allem große Investoren drängen auf diese Transparenz, wie nun auch eine Umfrage der Beratungsgesellschaft FTI Consulting ergeben hat. Für vier von fünf befragten internationalen Investoren sei die Managementvergütung ein wichtiger Faktor in ihren Abstimmungen, heißt es. Doch es gibt noch einen weiteren Webfehler, der für Dax und M-Dax gleichermaßen gilt: Die ausgewiesenen Vergütungen sind nicht die Summen, die am Ende auch auf den Konten der Manager landen. Publiziert werden in den mehrjährigen variablen Vergütungen die Anrechte auf künftige Zahlungen und nicht die tatsächlich erhaltenen Boni. „Die Ist-Vergütungen sind damit kaum vergleichbar“, resümiert der HKP-Fachmann Kayser.

          Dennoch lassen sich einige Besonderheiten aus der M-Dax-Liste herauslesen. So hat der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch bei seinem Wechsel zu Bilfinger Berger gut verhandelt. Für ein halbes Jahr im Chefsessel erhielt er knapp 2,1 Millionen Euro, während sein Vorgänger Herbert Bodner sich mit knapp 1,5 Millionen Euro für die erste Jahreshälfte bescheiden musste. Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan sollte seinen Wechsel vom britischen Sender B-Sky-B auch nicht bereuen müssen: Er erhielt knapp 2,9 Millionen Euro, obwohl der Fernsehkonzern 278 Millionen Euro Verlust machte. Anders dagegen Axel Heitmann, der Chef des Chemiekonzerns Lanxess: Seine Vergütung sank von 3,9 auf 3,2 Millionen Euro, obwohl der Gewinn von 381 auf 507 Millionen Euro anstieg.

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