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Vorstand bespricht Staatshilfe : Das harte Ringen um die Lufthansa-Rettung

Parkende Lufthansa-Flugzeuge in Berlin Bild: EPA

20-Prozent-Anteil, Darlehen und einige offene Fragen – der Bund hat sich auf den Rahmen für die Stützung des Konzerns verständigt. Nun ist die Lufthansa am Zug. Viel wird vom Votum der Aktionäre abhängen.

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          Das Ringen dauerte Wochen. Nun hat sich die Bundesregierung auf ein Konzept verständigt, wie der Staat die Deutsche Lufthansa in der Corona-Krise retten will. Im Kern bleibt dem Konzern erspart, den Bund als Anteilseigner mit einer Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie an Bord zu bekommen. Bei Lufthansa fürchtete man ein starkes Hineinregieren in strategische Weichenstellungen, Tariffragen und sogar in die konkrete Flugplangestaltung.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dennoch wird der Staat einen deutlichen Einfluss erhalten – über eine direkte Beteiligung von 20 Prozent. Außerdem sieht das Konzept des Bundes vor, gleich zwei Plätze im Aufsichtsrat zu besetzen. Die Aktien möchte der Staat günstig bekommen. Er würde zum „Nennbetrag, gegebenenfalls reduziert nach Kapitalschnitt“ kaufen. Der Nennbetrag, der den Anteil am Grundkapital des Konzerns angibt, beträgt 2,56 Euro. An der Börse ist das Papier trotz deutlicher Kursverluste in den vergangenen Monaten immer noch mehr als das Dreifache wert. Würde im Zuge eines Kapitalschnitts das Grundkapital des Konzerns verringert, um Fehlbeträge auszugleichen, könnte der Staat nach Berechnungen der Deutschen Bank für seinen Anteil effektiv nur rund einen Euro je Aktie zahlen.

          Noch ist das Rettungspaket im Volumen von bis zu 9 Milliarden Euro nicht endgültig festgezurrt, vor allem über den Kapitalschnitt wird dem Vernehmen nach diskutiert. Der Konzern bestätigte lediglich „fortgeschrittene Gespräche“ mit Vertretern des deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds, die mit dem Ziel fortgeführt würden, „zeitnah einen Abschluss“ zu erreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch gesagt, in den Verhandlungen zur Lufthansa sei „in Kürze“ mit einer Entscheidung zu rechnen. Die Regierung sei in „intensiven Gesprächen“ sowohl mit dem Konzern als auch mit der EU-Kommission, die die Hilfe billigen muss.

          Außerordentliche Hauptversammlung nötig

          Auch Lufthansa-Gremien müssen den Weg noch frei machen. Nach Informationen der F.A.Z. wollte der Vorstand um Chef Carsten Spohr am Donnerstag in seiner täglichen Schaltkonferenz darüber beraten. Wegen der offenen Fragen wurde in Branchenkreisen aber nicht mit einer Entscheidung gerechnet. Zwei Tage nach einem Votum des Vorstands dürfte dann auch der Aufsichtsrat, der letztlich Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen muss, entscheiden.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni 2017

          Da die Liquidität des Konzerns zunehmend abschmilzt, gilt eine Absage aus Vorstand und Aufsichtsrat an das Berliner Konzept als wenig wahrscheinlich. Unsicherer ist, wie sich die Bestandsaktionäre positionieren. Ein Staatseinstieg mit 20 Prozent über neue Aktien, die im Zuge einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden, lässt die Anteile der Altaktionäre verwässern – Berechnungen zufolge um 17 bis 22 Prozent im Fall eines Kapitalschnitts. Die Aktionären müssten dennoch mit einer Zweidrittelmehrheit auf einer Hauptversammlung zustimmen, für die mit einer Frist von vier Wochen eingeladen werden muss.

          Ein Argument für eine Zustimmung der Aktionäre ist, dass andernfalls die Insolvenz des Konzerns mit den Marken Lufthansa, Eurowings, Swiss, Austrian Airlines und Brussels droht. Aktien würde in einer Insolvenz wohl wertlos. Dagegen steht das Kalkül, dass der Staat eine Insolvenz der als strategisch wichtig angesehenen Lufthansa nicht zulassen würde – und letztlich den Konzern irgendwie auffangen würde. Ob solch ein Poker aufgehen kann, ist aber unklar.

          In der Regierungskoalition, vor allem aus der SPD, hatte es deutliche Stimmen gegeben, die staatlichen Einflussmöglichkeiten zur Bedingung für eine Hilfe machten. Nach einem Verfehlen der Hauptversammlungsmehrheit, die erst in einem Monat feststünde, bliebe zudem sehr wenig Zeit, um andere Rettungswege zu gestalten. „Es gibt im Moment keinen Plan B oder C“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

          Mehrstufiges Hilfsprozedere

          Das in Berlin erarbeitete Hilfskonzept sieht einen mehrstufigen Prozess vor. In einem ersten Schritt würden dem Konzern 3 Milliarden Euro aus einem KfW-Darlehen zufließen, um kurzfristige Finanzengpässe auf jeden Fall abzuwenden. Dazu käme eine stille Beteiligung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

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