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Vor Zinsentscheid : Früherer EZB-Chefvolkswirt warnt vor Leitzinssenkung

  • Aktualisiert am

Bankentürme in Frankfurt: Links der Mitte das Hochhaus der EZB mit leicht blau schimmerndem Dach Bild: Fabian Fiechter

Am Donnerstag entscheidet die EZB über die weitere Geldpolitik - und außergewöhnliche Maßnahmen werden erwartet. Vor der Sitzung meldet sich der ehemalige Chefvolkswirt Jürgen Stark zu Wort: Die Wirkung eines noch tieferen Zinses sei „äußerst fraglich“, schreibt er in der F.A.Z.

          Der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Europäische Zentralbank vor falschen Schritten gewarnt. Trotz der gesunkenen Inflationsraten bestehe im Euroraum insgesamt derzeit keine Deflationsgefahr, schreibt Stark in der Dienstagsausgabe der F.A.Z.

          Der Wechselkurs dürfe kein Grund für eine lockerere Geldpolitik sein. Eine Leitzinssenkung von bisherigen Rekordtief 0,25 Prozent näher an die Null sei nur noch Kosmetik. Die Wirkung negativer Einlagenzinsen sei „äußerst fraglich“.

          Jürgen Stark

          Die Europäische Zentralbank will am kommenden Donnerstag über die weitere Geldpolitik entscheiden. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die EZB auf ihrer Ratssitzung ein Bündel von Lockerungsmaßnahmen beschließen wird. Die niedrigen Inflationsraten hatten zuletzt die Furcht vor einer Deflation in Europa genährt. Am wahrscheinlichsten sind Zinssenkungen. Als erste große Notenbank könnte die EZB auch einen Negativzins für bei ihr unterhaltende Guthaben beschließen. Möglich sind zudem weitere Langfristkredite für die Banken, um insbesondere die Kreditvergabe an Unternehmen in Südeuropa zu erleichtern.

          Der frühere EZB-Chefvolkswirt Stark warnt die Zentralbank vor einer neuen großen geldpolitischen Lockerung und riskanten unkonventionellen Maßnahmen. Die EZB dürfte gegenüber den Märkten und den Regierungen nicht den Eindruck erwecken, sie habe „kostenlose Wunderinstrumente mit noch niedrigeren Zinsen, dem fortgesetzten Fluten der Finanzmärkte und weiteren Markteingriffen, um die wirtschaftlichen Probleme des Eurogebiets zu lösen“. Noch mehr als bisher würde sich die EZB auf völlig neues Gelände wagen. Letztlich könnten nur die Regierungen mit Strukturreformen die Eurokrise lösen, die EZB sei der falsche Ansprechpartner.

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