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„Wertschätzung durch Vorteile“ : Neues Gesetz soll Bundeswehr attraktiver machen

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General Wolf-Jürgen Stahl (l, halb verdeckt) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen klopfen einem Soldaten auf die Schulter. Bild: dpa

Die Bundeswehr soll wachsen. Dafür braucht sie neue Leute – genau wie viele Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels. Von der Leyen will den Dienst deshalb attraktiver machen: Mit mehr Geld und mehr Unterstützung für die Soldaten.

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          Das Verteidigungsministerium will den Dienst in der Bundeswehr attraktiver machen. Dazu werde am heutigen Mittwoch ein Gesetz in das Bundeskabinett eingebracht, das Änderungen an 30 Regelwerken vorsehe und in den nächsten vier Jahren rund 380 Millionen Euro kosten werde, teilte das Ministerium in Berlin mit. Der Dienst in der Bundeswehr müsse attraktiver sein, weil die Streitkräfte mit vielen zivilen Arbeitgebern im Wettbewerb um Fachkräfte stünden.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verwies darauf, dass Soldaten im Ernstfall alles für ihr Land gäben. „Das Mindeste, das wir diesen Männern und Frauen schulden, ist, dass sie in ihrem schwierigen Dienst gut abgesichert sind“, teilte die CDU-Politikerin mit. „Unsere Soldaten stehen für Demokratie und Freiheit ein. Dafür verdienen sie Wertschätzung, die sich nicht nur, aber auch in handfesten finanziellen Vorteilen ausdrücken darf.“

          Die Bundeswehr soll von derzeit etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2025 auf 203.000 Soldaten wachsen. Fraglich ist langfristig, wie die Bundeswehr neue Posten angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels besetzen will. Die Zahl der neu angeworbenen Bundeswehrsoldaten ist nach Angaben des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels von Ende Januar auf einen historischen Tiefstand gesunken.

          Integration ins zivile Arbeitsleben

          Das „Gesetz zur nachhaltigen Stärkung der personellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“ sieht nach Angaben des Verteidigungsministeriums einen erweiterten Schutz im Auslandseinsatz vor. Geplant ist zudem eine Verbesserung für im Einsatz geschädigte Soldaten: Die Bundeswehr soll künftig die Kosten übernehmen, wenn Familienangehörige in die Therapie einbezogen werden möchten.

          Eine verstärkte Berufsförderung soll Soldaten nach Dienstende den Schritt ins zivile Arbeitsleben erleichtern. Freiwillig Wehrdienstleistende sollen einen höheren Sold bekommen – die Bundeswehr will damit einen finanziellen Anreiz setzen, sich für einen längeren Zeitraum zu verpflichten.

          Reservistendienst soll künftig auch in Teilzeit möglich sein – so könnten Reservisten dies mit einer Teilzeit-Tätigkeit im zivilen Berufsleben kombinieren. „Damit profitieren vor allem Dienststellen, die temporär und flexibel mit Personalengpässen umgehen müssen“, so das Ministerium. Als Beispiel wird genannt, wenn Personal wegen Elternzeit oder Lehrgängen abwesend ist.

          Die Integration ins zivile Arbeitsleben treibt die Bundeswehr gemeinsam mit etwa 5000 Unternehmen voran. Bei denen hat der Berufsförderungsdienst (BFD) der Streitkräfte feste Ansprechpartner, die Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Praktika für ausscheidende Soldaten anbieten, wie die Personalverwaltung der Bundeswehr in Köln mitteilte. „Die Anzahl der Kooperationen und Ansprechpartner in der Wirtschaft steigt von Jahr zu Jahr.“ Dazu zählen große und bekannte Unternehmen wie Post, Bahn, die Einzelhandelskette Rewe und der amerikanische Konzern Amazon.

          Auf die Jobsuche für Soldaten spezialisiert hat sich die im oberbayerischen Burgheim beheimatete Internet-Plattform Dienstzeitende.de. „Manche Unternehmen wie Amazon haben sogar einen eigenen Military Recruiter, das heißt einen ehemaligen Soldaten als Personaler, der andere Soldaten anspricht“, sagt Geschäftsführer Stefan Geßner, selbst ein ehemaliger Offizier.

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