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Von der Hafencity nach Manhattan : Architekt zwischen Hamburg und New York

Der Architekt Richard Meier Bild:

Der amerikanische Architekt Richard Meier hat einen Büroturm in der Hamburger Hafencity gebaut, jetzt will er sich die Skyline in Manhattan vornehmen - und in England baut er ein umstrittenes Privathaus für „Mr. Bean“.

          Von seinem Büro in Manhattan hat Richard Meier einen direkten Blick auf das Empire State Building. Der amerikanische Stararchitekt kann knurrig und wortkarg sein, aber wenn er über dieses New Yorker Wahrzeichen spricht, gerät er ins Schwärmen. Er sagt, er habe viel Bewunderung für das Gebäude, auch wenn er selbst einen völlig anderen Stil verfolgt. Meier ist berühmt für moderne, schneeweiße Bauten, viele von ihnen mit markanten Glasfassaden. Der Blick auf das Empire State Building erinnert ihn auch an seinen Ehrgeiz, der New Yorker Skyline selbst seinen Stempel aufzudrücken.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zuvor aber steht der Abschluss eines Projekts in Deutschland auf dem Programm. Am kommenden Donnerstag wird Meiers Beitrag zur Hamburger Hafencity, die Coffee Plaza, ihre Eröffnung feiern. Es ist eine Gruppe von drei Gebäuden mit einem zwölfstöckigen ovalen Büroturm als Kernstück. Hier ist die neue Zentrale der Neumann Kaffee Gruppe untergebracht, dem nach eigenen Angaben größten Rohkaffeedienstleister der Welt. Allein der Turm, in typischer Meier-Manier mit viel Weiß und viel Glas in der Fassade, hat nach Angaben des Architekten 20 Millionen Euro gekostet.

          Was ihm noch fehlt, ist ein echter Wolkenkratzer

          Die Coffee Plaza ist der jüngste Neuzugang in der stattlichen Sammlung von Meier-Projekten in Deutschland. Der Architekt hat hierzulande mittlerweile 14 Gebäude fertiggestellt, so viele wie in keinem anderen Land außerhalb seiner amerikanischen Heimat. Meier hat für einige große deutsche Konzerne gearbeitet. Von ihm stammen zum Beispiel die Siemens-Hauptverwaltung in München und das Forschungszentrum des Autoherstellers Daimler in Ulm, beide wurden in den neunziger Jahren eröffnet. Sein erstes Projekt in Deutschland war das 1985 entstandene Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt. „Danach sind wir zu immer mehr Ausschreibungen eingeladen worden“, berichtet Meier. Deutsche seien eben besonders empfänglich für die klaren und modernen Strukturen des Architekten, sagt Bernard Karpf, ein geborener Stuttgarter, der seit mehr als zwanzig Jahren für Meier arbeitet und vor allem dessen Projekte in Europa verantwortet.

          Der Architekt Richard Meier Bilderstrecke

          Auch in New York hat der inzwischen 76 Jahre alte Meier schon einige Gebäude entworfen. Was ihm aber hier noch fehlt, ist ein echter Wolkenkratzer. Im Moment sei er diesem Traum aber so nahe wie noch nie, lässt er durchblicken: Er befindet sich gerade in der heißen Phase eines Rennes um einen Auftrag für ein Hochhaus in Manhattan und rechnet sich gute Chancen aus, zum Zuge zu kommen. Details will er nicht verraten, nur, dass es sich um ein sehr großes Bauvorhaben handelt und dass eine Entscheidung bis zum November fallen soll.

          „Milliardenprojekte gibt es heute eigentlich gar nicht mehr“

          Schon als Kind habe er Architekt werden wollen, berichtet Meier. Er studierte Architektur an der amerikanischen Cornell-Universität, 1963 startete er sein Büro in New York. Schon früh in seiner Karriere machte er weiße Gebäude zu seinem Markenzeichen. Seine Philosophie dahinter: Weiß intensiviere die Wahrnehmung von anderen Farben in der natürlichen Umgebung. Im Jahr 1984 gewann Meier den Pritzker-Preis, so etwas wie den Oscar für Architekten. In jenem Jahr begann er auch mit der Arbeit an dem Projekt, das bis heute als sein größter Wurf gilt: das Getty Center in Los Angeles, das nach dem früheren Ölmagnaten und Kunstmäzen Jean Paul Getty benannte Museum. Ausgerechnet das Getty Center ist aber nicht weiß, sondern ockerfarben. Das eine Milliarde Dollar teure Gebäude hat Meier viele Jahre beschäftigt und wurde erst 1997 fertig.

          Meier hätte nach eigener Auskunft nichts dagegen, sich noch einmal an einen solchen Monumentalbau zu wagen. „Aber diese Milliardenprojekte gibt es heute eigentlich gar nicht mehr.“ Die Wirtschaftskrise habe ihr Übriges dazu getan, dass heute oft in kleineren Dimensionen gedacht werde. Auch Meier macht das noch immer schwierige Umfeld zu schaffen, sein Büro hat nach seinen Worten heute weniger Aufträge als vor der Krise. Derzeit arbeitet er an 30 Projekten in zehn Ländern.

          Bauen für „Mr. Bean“

          In New York beschäftigt Meier 60 Mitarbeiter, daneben hat er eine Niederlassung in Los Angeles mit 40 Mitarbeitern. Auch Privatpersonen heuern Meier manchmal an, um ihre Wohnhäuser zu bauen. Solche Projekte sind zwar für den Architekten vergleichsweise klein, aber lukrativ. Hier kann er üblicherweise 15 Prozent der Baukosten für seine Dienste berechnen, bei kommerziellen und öffentlichen Gebäuden sind es weniger als 10 Prozent.

          Im Moment hat Meier sogar einen besonders prominenten Auftraggeber für ein Privathaus: Er wird in einem Dorf in der britischen Grafschaft Oxfordshire ein Haus für den Schauspieler Rowan Atkinson bauen, der besser bekannt ist für seine Paraderolle als „Mr. Bean“. Atkinson stieß mit seinem Projekt auf viel Widerstand seitens der Dorfbewohner, die finden, der moderne Meier-Entwurf passe nicht in ihre ländliche Umgebung. Vor ein paar Wochen gaben die lokalen Behörden aber ihren Segen. Jetzt kann sich Mr. Bean auf ein Haus von Richard Meier freuen.

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