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Das Unternehmergespräch : „Apotheker können mehr als bunte Pillen verkaufen“

  • -Aktualisiert am

Uwe-Bernd Rose begann als Apotheker mit fünf Mitarbeitern. Heute macht seine Unternehmensgruppe den ganz Großen Konkurrenz. Bild: Marcus Kaufhold

Aus einer Apotheke hat Uwe-Bernd Rose eine Unternehmensgruppe geformt, die ihre Medikamente in industriellem Stil herstellt. Mit seinen Infusionsbeuteln bedient er eine Marktlücke. Es ist ihm wichtig, dass sein Beruf nicht nur als Verkäufer wahrgenommen wird.

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          Die ältere Dame mit dem Rollator scheint sich zu fragen, was in ihrer Apotheke denn los ist. Ihren Einkauf hat sie erledigt, den Angestellten hinter dem Tresen einen schönen Tag gewünscht – aber dass der Chef in einer Nische fotografiert und befragt wird, macht sie neugierig. Auf dem Weg zum Ausgang hält sie kurz an, mal sehen, was da los ist. Die launige Frage, ob sie denn auch mit aufs Bild möchte, wehrt sie freundlich ab: Nein, nein, zu viel der Ehre. Das könnte Uwe-Bernd Rose nicht mehr sagen. Der Inhaber der Burg-Apotheke in Königstein hat hier, 25 Kilometer nordwestlich von Frankfurt, eine Unternehmensgruppe geformt, wie man sie im beschaulichen Taunus nicht erwarten würde. Selbst wenn man direkt davorsteht.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roses Apotheke, die Keimzelle seiner Aktivitäten, ist ein Muster an Unauffälligkeit. Eine Apotheke halt, von außen und innen kaum zu unterschieden von anderen. Zumal sie in einem schmucklosen Zweckbau untergebracht ist, der im pittoresken Königstein nicht zu den architektonischen Perlen gehört. Allenfalls ist sie innen etwas moderner als viele der Zehntausenden Apotheken in Deutschland. Rose sagt zum Beispiel: „Vor zwanzig Jahren war ich mit meinem Apotheken-Automat ein Exot, heute hat ihn fast jeder.“ Aber die Maschine, die Medikamente ausspuckt, ist nur eine Petitesse im Vergleich zu dem, was danach kam.

          Rose hat heute ein halbes Dutzend Standorte in Königstein, darunter Labore, einen Versand und – als Krone der unternehmerischen Entwicklung – eine Medikamentenproduktion in Reinräumen und auf Industrieniveau. Die Eurozyto GmbH ist eine Ausgründung der Apotheke, eine Holding mit mehreren Gesellschaften. Diese Eigenständigkeit musste sein, denn Apotheken ist Fremdbesitz gemäß Apothekengesetz verboten. Allein hier arbeiten 120 Menschen. 140 sind es in der Apotheke mit ihren diversen Einheiten. Einen genauen Umsatz möchte Rose, der Aufsichtsratsvorsitzender von Eurozyto ist, nicht nennen. Muss er ja auch nicht. Unbestritten ist allerdings, dass dieser inzwischen neunstellig ist.

          Seriöse Medikamente in der Apotheke

          Das ist deutlich mehr, als im Jahr 1987 zu erwarten war. Rose, inzwischen 62 Jahre alt, hatte in Frankfurt Pharmazie studiert und dort eine Apotheke übernommen, als sich eine Gelegenheit in seiner Heimatstadt ergab. Er griff zu, hatte anfangs fünf Angestellte – und wollte fortan zeigen, wozu Apotheker in der Lage sind. „Wir sollten unseren Kunden nicht den 25. Rabattvertrag der Krankenkassen erklären müssen, sondern in die Lage versetzt werden, wieder Medikamente selbst zu entwickeln – also die ursprüngliche Aufgabe der Apotheker ernstzunehmen“, sagt er.

          Wie das aussehen kann, hat er vorgemacht. Rose ist zum Spezialisten für intravenöse Ernährung geworden. Es geht vor allem um Infusions- und Injektionslösungen nach ärztlicher Rezeptur, aber auch um – nicht zulassungspflichtige – Eigenprodukte aus natürlichen Wirkstoffen. Curcumin ist so ein Mittel. Es gilt als Entzündungshemmer, geht auf die Curcuma-Pflanze zurück und wurde vor allem für Krebspatienten entwickelt. Er war schon auf einem Kongress in Sydney, um dafür zu werben. Onkologie und künstliche Ernährung sind Roses Domäne. Heilpraktiker und Ärzte sollten den Wunsch der Patienten nach zusätzlicher Medikation bei schweren Erkrankungen ernst nehmen, findet er. Vor allem sollten sie in Apotheken bestellen, wo seriöse Medikamente hergestellt werden – sonst bestehe die Gefahr, dass die Patienten Scharlatanen in die Hände fallen.

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