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Schwerpunkt „Arbeit für alle“ : Frauen könnten mehr arbeiten

  • -Aktualisiert am

68 Prozent aller Frauen in Deutschland sind erwerbstätig Bild: dpa

Vollbeschäftigung klingt nach der besten Voraussetzung, um bis zu 5 Millionen Frauen aus der Stillen Reserve zu locken. Doch ist die Kinderbetreuung geregelt, kommen die nächsten Hürden.

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          Während nach und nach mehr Frauen in die Aufsichtsräte der Dax-Unternehmen ziehen und auch in den Führungsetagen das Bild weiblicher wird, geht die Diskussion über eine Frauenquote  an der Lebenswirklichkeit vieler Frauen vorbei. Grundsätzlich scheint die Lage auf dem Arbeitsmarkt zwar rosig, wie in unserem Schwerpunkt-Thema zur Vollbeschäftigung beschrieben. Knapp 68 Prozent aller Frauen in Deutschland im Alter zwischen 15 und 64 Jahren sind mittlerweile erwerbstätig. Doch längst kehren nicht alle Frauen aus der Elternzeit wieder auf den Arbeitsmarkt zurück.

          Rund 300.000 Frauen stehen dem Arbeitsmarkt prinzipiell zur Verfügung, sind aber aus verschiedenen Gründen nicht aktiv auf der Suche nach Arbeit, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung errechnet hat. Die Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger geht in ihrem Buch „Verschenkte Potenziale“ sogar von einer Stillen Reserve von 5,6 Millionen Frauen aus.

          Kinderbetreuung bleibt das Entscheidende

          „Wissenschaftliche Analysen belegen, dass diese Gruppe in Deutschland ziemlich arbeitsmarktnah ist“, sagt Johann Fuchs, der sich am IAB mit der Schätzung der Stillen Reserve beschäftigt. Doch die Zahl der Personen, die das IAB in Fort- und Weiterbildungen erfasst, die entmutigt von ihren Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind, oder die wegen verschiedener Hürden nicht innerhalb von zwei Wochen eine Stelle antreten könnten, schätzt der IAB-Experte als relativ konstant in Verhältnis zu den Arbeitslosenzahlen ein – trotz positiver Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

          Zumindest für Frauen sind die Hindernisse klar. „Die Kinderbetreuung ist nach wie vor das Entscheidende“, unterstreicht Arbeitsmarktexperte Fuchs. 45 Prozent der erwerbstätigen Frauen waren 2011 in Teilzeit beschäftigt. Nur die Niederländerinnen arbeiten in der EU mit 76 Prozent noch häufiger Teilzeit. Im EU-Durchschnitt beträgt die Quote 32 Prozent. Als Hauptgrund für ihre Teilzeittätigkeit nennen mehr als die Hälfte der Frauen in Deutschland familiäre Gründe. Denn sind die Kinder gut untergebracht oder werden selbständiger, stehen viele Frauen vor der Frage, wer die Eltern oder Schwiegereltern pflegt. Soll das zuhause geschehen, übernehmen Fachleuten zufolge in 80 Prozent der Fälle wieder die Frauen.

          Nicht die Zahl, sondern die Zeit

          Erhebliche Reserven sieht IAB-Experte Fuchs daher bei der Arbeitszeit: „Das Problem ist nicht die Zahl der Köpfe, ein Großteil der Frauen ist längst in Arbeit.“ Das Entscheidende ist vielmehr das Arbeitszeitvolumen, also das Produkt aus Personen und geleisteter Arbeitszeit. „Teilzeit muss nicht Halbzeit sein“, fasst Fuchs zusammen. Die Hälfte der in Teilzeit arbeitenden Frauen würde ihre Wochenarbeitszeit gerne ausweiten, hat das IAB herausgefunden. Zufrieden wäre demnach die Mehrheit der Frauen mit einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden plus.

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          Welche Bedeutung die Erhöhung der Arbeitszeit hat, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, hat eine Expertenkommission für die Robert-Bosch-Stiftung untersucht. Die Senkung der Teilzeitbeschäftigtenquote um ein Drittel und die Umwandlung in Vollzeitbeschäftigung erbringe ein zusätzliches Arbeitsvolumen von 3,25 Milliarden Stunden, heißt es in der Studie „Die Zukunft der Arbeitswelt – auf dem Weg ins Jahr 2030“ vom März.

          Haupterwerbsquelle Minijob

          Doch viele Frauen sind in geringfügigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt. 4,6 Millionen von insgesamt 7 Millionen Minijobbern in Deutschland sind Frauen, die im Supermarkt an der Kasse sitzen, im Restaurant bedienen oder sich als Pflegerin um alte und kranke Menschen kümmern. Für mehr als 3 Millionen Frauen ist der Minijob die Haupterwerbsquelle. Während es vielen als Möglichkeit erscheint, Beruf und Familie zu vereinbaren, erweist sich der vermeintlich flexible Minijob am Ende als Falle.

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