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Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa : Traumland Deutschland

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„Zuerst war die Lohndifferenz zwischen Ost- und Westeuropa der Treiber“, sagt Zimmermann. „Jetzt ist es der Unterschied in der Arbeitslosigkeit zwischen Nord und Süd.“ Deutschland ist nicht das einzige Ziel für die Südeuropäer, die ihre Länder verlassen. Aber es ist für viele derzeit die größte Hoffnung. Schließlich ist es nicht allzu weit weg, als EU-Bürger kann man dort unbürokratisch eine Arbeit finden - und es gibt viele Stellen. Außerdem hat Deutschland zwar nicht das beste Wetter, dafür aber einen besseren Ruf, als es selbst glaubt. In einer Umfrage der britischen Rundfunkanstalt BBC zum Image verschiedener Ländern landete Deutschland jüngst auf Platz eins.

Eine Nation, die unser Land in einem deutlich rosigeren Licht sah als zuvor, war Spanien. Dort und in Frankreich, Großbritannien und Polen denken die Leute heute sogar positiver über Deutschland als die Deutschen über sich selbst. Da gilt es nur noch, die Sprachbarriere zu überwinden. Und das versuchen Italiener, Spanier, Portugiesen. Die Deutschkurse der Goethe-Institute in den Eurokrisenländern sind bestens besucht. Mehr als 10.000 Spanier lernten dort im vergangenen Jahr deutsch, 2009 waren es erst 6.000 gewesen.

Insgesamt pauken heute in den Eurokrisenstaaten 50 Prozent mehr Menschen unsere Grammatik am Goethe Institut als vor drei Jahren. Die meisten tun es, weil sie in Deutschland arbeiten wollen. Wenn das so weitergeht, könnte die Zuwanderung aus dem Süden eine Welle werden wie einst in den sechziger Jahren, als Gastarbeiter aus Italien, Jugoslawien und Spanien gezielt angeworben wurden. Dafür spricht, dass deutsche Politiker nun schon um die jungen Leute in Südeuropa werben.

Allerdings sind einige Dinge heute anders als damals. Zum einen würde Deutschland die Zuwanderer gerne nicht nur temporär, sondern dauerhaft im Land halten - schließlich sorgen die Firmen sich hier um den künftigen Fachkräftemangel. Zum anderen sind die Zuwanderer anders als die Generation, die in den sechziger Jahren kam. Gerardo Cardiello ist Sohn italienischer Einwanderer und holt heute junge Spanier und Italiener nach Deutschland, damit sie rund um Stuttgart als Krankenpfleger arbeiten. Er sieht den Unterschied darin, dass die jungen Leute nicht mehr nur zum Arbeiten herkommen. „Sie wollen hier leben!“, sagt Cardiello. „Sie wollen integriert sein und auf Augenhöhe mit den Deutschen stehen.“ Wenn das misslingt, können sie ganz schnell wieder weg sein.

Da trifft es sich, dass junge Zuwanderer aus Südeuropa von manchen neuen Erfahrungen in Deutschland geradezu begeistert sind. Stelios Andreadakis zum Beispiel, ein griechischer Betriebswirt, der seit kurzem in Frankfurt arbeitet, schwärmt davon, dass vieles hier „einfach funktioniert“. Zum Beispiel eine Versicherung abschließen. „Nach nur einer Stunde rief mich das Unternehmen zurück, um mich zu beraten. Das würde es in Griechenland niemals geben.“ Und Maria Pia Di Grazia lobt sogar das Essen. „Besonders mag ich Spätzle und Brezeln und auch die deutschen Beerennachtische.“ Nur die Pizza, die sei in Italien einfach besser.

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