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Fachkräftemangel : Handwerkspräsident plädiert für Rente ab 70

  • Aktualisiert am

Künftig bis 70? Bild: dpa

Schon jetzt bleiben die Beschäftigten in Deutschland so lange im Arbeitsleben wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Wegen des zunehmenden Fachkräftemangels hält Handwerkspräsident Kenztler das nicht für ausreichend. Er fordert einen späteren Renteneintritt.

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          Handwerkspräsident Otto Kenztler hat sich wegen des zunehmenden Fachkräftemangels für einen späteren Rentenbeginn ausgesprochen. „Wer kann, soll bis 70 arbeiten“, sagte Kentzler dem Magazin „Focus“. Viele Ältere seien fit, sagte er. „Selbst wenn sie nur halbe Tage arbeiten, ihre Erfahrung kann uns helfen.“ Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 61,2 Jahren für Männer und 61 Jahren für Frauen und damit so hoch wie zuletzt vor 20 Jahren.

          Einzelne Betriebe müssten bereits jetzt Aufträge ablehnen, weil ihnen die Fachkräfte fehlten, fügte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks hinzu.  Die  Handwerksbetriebe müssten sich deshalb noch stärker als moderne und  technologiegetriebene Arbeitgeber präsentieren, um für  Schulabgänger attraktiv zu sein. Für den Nachwuchs sieht der Handwerkspräsident goldene Zeiten aufziehen: „Wer nicht auf den Kopf gefallen ist, bekommt auf alle Fälle eine Anstellung. Die  nächste Generation kann im Prinzip von Vollbeschäftigung ausgehen“.

          Einige Unternehmen hätten auch das Tempo der demografischen Entwicklung unterschätzt. Um den Fachkräftemangel zu entschärfen, müsse man sich auch verstärkt um diejenigen bemühen, die keinen Schulabschluss hätten. Zuwanderung sei nur ein kleiner Teil der Lösung, denn zum einen kämen zu wenige Ausländer, zum anderen müssten sie erst sprachlich und fachlich auf eine Ausbildung vorbereitet werden.

          Kellner, Klempner und Pflegekräfte besonders gefragt

          Ein Mangel herrscht nicht nur bei den Hochqualifizierten. „Fachkräfteengpässe zeigen sich mehr und mehr auch bei beruflich Qualifizierten“, sagte Achim Dercks, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der „Welt am Sonntag“. „Vier von zehn Unternehmen, die Stellenbesetzungsprobleme haben, suchen derzeit ohne Erfolg dual ausgebildete Fachkräfte.“ Vor allem in technischen Berufen und im Gesundheitswesen hätten bereits heute viele Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.

          Nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) für die „Welt am Sonntag“ gibt es 119 Berufe, bei denen die Zahl der Stellenangebote die der im Juni gemeldeten Arbeitslosen übersteigt. Mehr als drei Viertel dieser Berufe werde von Fachkräften ohne Studium ausgeübt. So ist der Engpass bei Kellnern, Klempnern und Pflegekräften größer als bei studierten Vermessungstechnikern und Ärzten. Engpässe bei Handwerksberufen wie Bäckern zeigt auch der vierteljährliche Stellenreport der F.A.Z.: „Back dir deine Zukunft“.

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