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Ausbildung : Lehrstellen für alle

Wer sich heute bewirbt, kann von seinem Ausbilder viel verlangen - vor allem Perspektiven für die Zukunft. Besonders schwache Schulabgänger werden nachgeschult. Außerdem haben Lehrlinge bessere Aussichten als je zuvor, vom Betrieb auch übernommen zu werden. Denn der bildet ja nicht mehr aus, weil er das irgendwann in einem Ausbildungspakt einer verzweifelten Bundesregierung zugesagt hat, sondern aus ureigenem unternehmerischem Interesse.

Für junge Menschen gibt es also viele gute Nachrichten vom Ausbildungsmarkt: Dazu gehört auch, dass sich die Bewerbungszeiten deutlich verkürzen. Wer also ein halbes Jahr vor Schulabgang noch nicht weiß, wo er sich bewerben will, kann sich weiterhin umfassend informieren. Selbst jetzt, kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres, gibt es noch viele Plätze.

Neugier und Eigeninitiative sind Voraussetzung

Zudem bekennen sich immer mehr Unternehmen dazu, Bewerber nicht mehr in erster Linie nach Schulnoten zu beurteilen, sondern vor allem durch ein persönliches Gespräch. „Die Noten sagen einfach zu wenig darüber aus, wie sich ein Auszubildender bei uns dann tatsächlich entwickelt“, heißt es bei großen und mittelständischen Unternehmen.

Studienabbrechern wird der rote Teppich ausgerollt. Ihnen werden verkürzte Ausbildungsprogramme angeboten. Und auch besonders spät Entschlossene werden noch willkommen sein: Sofern sie bereit sind, den im Berufsschulunterricht behandelten Stoff nachzulernen, können sie ihre Ausbildung bis in den November hinein beginnen. Der Unterricht startet - je nach Bundesland - mit Ende der Sommerferien. Die meisten Unternehmen stellen zum September ein.

Fündig werden alle die, die noch nichts haben, vor allem im Internet, etwa bei der IHK-Lehrstellenbörse, auf der umfassend über Berufsbilder informiert wird und bei der 60 Prozent der offenen Lehrstellen zu finden sind. Auch der Blick in andere Portale lohnt sich, wie etwa Aubi-plus mit einer Unzahl von Details und noch immer vielen Angeboten, mit Bewerbungstipps und Azubi-Interviews.

Doch wird von den jungen Menschen auch ein wenig verlangt, wenn auch nicht mehr unbedingt besonders gute Noten. „Flexibilität ist wichtig“, sagen die Ausbildungsexperten beim DIHK. Denn nicht jede Region bietet die gesamte Vielfalt existierender Ausbildungsberufe. Neugier gehört natürlich auch dazu und Eigeninitiative, um herauszufinden, was wirklich zu einem passt. Lohnend sind deshalb auch immer Initiativbewerbungen.

Für Magdalena geht es im September mit dem Start des neuen Ausbildungsjahres in Bayern los. Sie freut sich darauf: endlich etwas anderes als Schule und dafür auch noch ein stattliches Anfangsgehalt von gut 700 Euro im ersten Lehrjahr. „Vorher sind alle Azubis zu einem Treffen eingeladen. Zum Kennenlernen sozusagen. Das machen die jedes Jahr so“, sagt sie. Die älteren Azubis sind auch dabei. Der mittelständische Möbelhersteller gibt sich eben richtig Mühe.

Gewusst wie: So machen sich Unternehmen attraktiv für den Nachwuchs

1. Warten Sie nicht, bis die Schulabgänger zu Ihnen kommen: Gehen Sie auf Ihre potentiellen Lehrlinge zu, nehmen Sie an Messen teil, präsentieren Sie sich in Schulen. Ermöglichen Sie Praktika und Schnuppertage.

2. Informieren Sie auf Ihrer eigenen Internetseite, in sozialen Netzwerken und in Printanzeigen möglichst genau über die Berufsbilder, zu denen Sie ausbilden.

3. Schaffen Sie für Bewerber Möglichkeiten zum Austausch mit Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr - über Begegnungen oder soziale Netzwerke zum Beispiel.

4. Geben Sie der Ausbildung einen hohen Stellenwert. Motivieren Sie Ihre Ausbilder, lassen Sie ihnen genügend Zeit, sich um ihre Schützlinge zu kümmern.

5. Schaffen Sie Perspektiven für Jugendliche unterschiedlicher Leistungsstärken. Das betrifft die Übernahme in den Betrieb nach der Ausbildung, aber auch Karrierechancen einschließlich anschließenden Studiums. Das wirkt mehr als ein höheres Ausbildungsgehalt.

6. Zögern Sie nicht zu lange: Wenn Ihnen ein guter Kandidat begegnet, greifen Sie sofort zu. Die Konkurrenz wartet auch nicht.

7. Vergessen Sie nicht, dass man Azubis auch halten muss. Die Absprungquoten sind hoch. Vermeiden Sie Langeweile. Nichts ist für junge Auszubildende demotivierender, als zu wenig zu tun zu haben.

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