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Neue Strategie : Volkswagen rechnet mit preiswerteren Elektroautos

Das Volkswagen-Werk in Wolfsburg Bild: dpa

VW-Chef Herbert Diess stellt seine Strategie bis 2030 vor: Alle Elektroautos im Konzern sollen auf einer einheitlichen Plattform aufbauen. Auch Software soll einheitlich entwickelt werden.

          3 Min.

          Volkswagen setzt im Wettrennen um die führende Rolle beim Auto der Zukunft stärker auf die Größe des Konzerns und Skalierung. Die Elektroautos aller Konzernmarken sollen künftig auf einer einheitlichen Plattform aufbauen, bei der Batterietechnik, der Software für das vernetzte Auto und auch bei Mobilitätsdienstleistungen wird es ebenfalls eine einheitliche Architektur geben. „Um die Ertragsströme der neuen Mobilitätswelt zu erschließen, entwickeln wir branchenführende Plattformen“, sagte VW-Chef Herbert Diess am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Strategie des Unternehmens für die Jahre bis 2030. Er wird diese Strategie auch selbst auf den Weg bringen, erst am Freitag hat der Aufsichtsrat des Konzerns ihm einen neuen Vertrag bis 2025 gegeben.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Diess rechnet auch damit, dass das Elektroauto wegen der Skaleneffekte und der Fortschritte in der Batterietechnik mit der Zeit immer günstiger wird. „Der Preis für Mobilität wird unter das heutige Niveau fallen“, sagte er.

          Mit der neuen Strategie wird sich das Prinzip gleicher Teile zum Einsatz in möglichst hohen Stückzahlen bald nicht mehr nur auf die bekannten Fahrzeug-Baukästen beschränken. Es erstrecke sich in Zukunft auch auf Digitalisierung, Elektrifizierung und Dienstleistungen. Damit sollten „bisher unerreichte Synergien“ genutzt werden, sagte Diess. Die einzelnen Marken des Konzerns sollen sich später aus diesen Elementen bedienen und spezifische Varianten auf diesen aufbauen können. Die Idee dahinter ist - wie bei früheren Plattformen - der Gedanke, technische Standards zu vereinheitlichen, die Vielfalt der Varianten zu verringern und so auch Kosten zu senken. Für die reinen Elektromodelle des Konzern soll das geplante Fahrzeug-Basissystem „Scalable Systems Platform“ (SSP) von 2026 an in der Produktion verwendet werden. Insgesamt sollen den Plänen zufolge über 40 Millionen Autos auf dieser Grundlage entstehen.

          VW-Chef Herbert Diess
          VW-Chef Herbert Diess : Bild: dpa

          Gleichzeitig baut der Wolfsburger Konzern seine Strukturen um. Die Marke VW wird künftig weiter für alle Volumenmarken des Konzerns, also Skoda, Seat, und die VW-Nutzfahrzeuge zuständig sein. Audi übernimmt von Porsche die Verantwortung für die Luxusmarke Bentley und soll im Luxussegment damit auch Daimler herausfordern. Audi-Chef Markus Duesmann steuert damit unter dem Dach des Konzerns künftig alle Premiummarken von Volkswagen. Damit seien die Premium-Aktivitäten des Konzerns „nun auch effizient organisiert“, sagte Diess.

          Porsche arbeitet künftig alleine. „Porsche spielt in einer eigenen Liga“, sagte der VW-Chef. Die Sportwagenmarke, die in den letzten Jahren stets eine Umsatzrendite von 15 Prozent erzielte, habe immer „ein größeres Maß an Unabhängigkeit“ im Konzern gehabt – industriell aber in den Konzern integriert.

          Diess sagte, dass auch in der neuen Welt des Autos bei Volkswagen, die einzelnen Marken ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sein werden. „Der Unterschied zwischen den Marken kommt mehr denn je von Software und den Diensten“, sagte Diess. Das operative Renditeziel für 2025 hob er von bisher sieben bis acht auf acht bis neun Prozent an.

          Elektrobus ID.Buzz im Werk in Hannover: Volkswagen hat schon Milliardeninvestitionen für Elektroautos, Hybridmodelle und zur eigenen Batteriezellfertigung eingeplant.
          Elektrobus ID.Buzz im Werk in Hannover: Volkswagen hat schon Milliardeninvestitionen für Elektroautos, Hybridmodelle und zur eigenen Batteriezellfertigung eingeplant. : Bild: dpa

          Finanziert werden soll der Umbau – wie schon in den letzten Jahren – durch das robuste und margenstarke Geschäft mit Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig sollen die Margen von E-Autos durch niedrigere Batterie- und Produktionskosten sowie steigende Stückzahlen verbessert werden. „Der Verbrenner-Markt wird in den kommenden zehn Jahren um mehr als 20 Prozent zurückgehen“, sagte Diess. Noch aber sind die hohen Cashflows aus dem Geschäft mit den Verbrennern „von größter Bedeutung, um die Übergangsphase zu finanzieren.“ In zwei bis drei Jahren sollten sich die Margen der beiden Technologien in etwa angeglichen haben, schätzt VW-Chef. Er erwartet, dass bis der globale Markt für Elektroautos bis 2030 die Verbrenner auch beim Absatz eingeholt haben wird.

          Volkswagen kündigte außerdem an, seine in Salzgitter geplante Batteriezellfabrik zusammen mit dem chinesischen Partner Gotion High-Tech zu bauen. Dort soll 2025 die Produktion der Einheitszelle für das Volumensegment starten, von er sich Europas größter Autobauer deutliche Kostensenkungen verspricht. In Schweden plant Volkswagen zusammen mit den Batteriezellspezialisten Northvolt bereits die Produktion von Premiumzellen. Als Standort für eine dritte große Batteriezellfabrik komme Spanien in Frage, bestätigte VW nun. Wie zu hören war, hat Diess in internen Runden bedauert, dass er keinen deutschen Autozulieferer wie Bosch oder Conti gefunden habe, als Partner mit VW in die Batterietechnik einzusteigen.

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