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Volkswagen : Piëch und die Zukunft von VW

  • Aktualisiert am

Fühlte sich missverstanden, VW-Chef Piëch. Bild: dpa

Erst das VW-Gesetz, dann eine missverständliche Äußerung von VW-Chef Piëch über die Zukunft des Konzerns. Wohin steuert der Autohersteller?

          2 Min.

          Deutsche Sprache, schwere Sprache. Diese Erfahrung macht zur Zeit auch, obwohl Österreicher, der deutsche Native Speaker Ferdinand Piëch in seiner Eigenschaft als VW-Vorstandsvorsitzender. Wegen einer in einem WirtschaftsWoche-Interview gemachten Äußerung zu den zukünftigen Unternehmensstrategien geriet Piëch anders in die Schlagzeilen als ursprünglich beabsichtigt.

          Das Wirtschaftsmagazin hatte am Mittwoch vorab berichtet, Piëch erwäge eine Abspaltung der VW-Tochter Audi sowie der Finanzdienstleistersparte mit der VW-Bank und der Versicherung. Piëch hatte zuvor im Interview offen erklärt, dass VW eine Übernahme durch eine „konzertierte Übermacht“ anderer Automobilhersteller nicht verhindern könne. Hintergrund dieser Äußerung ist die aktuelle Diskussion über die von der EU-Kommission angestrebte Abschaffung des VW-Gesetzes von 1960. Dieses Gesetz, sagte Piëch hingegen, sei ohnehin „nur ein großer Mythos“.

          Verunglückte Gedankenspiele

          Missverständnisse provozierte Piëchs Äußerung im Zusammenhang mit möglichen VW-Strategien Übernahmeversuche abzuwehren. Piechs Ausführungen dazu, die er mit „So könnte jemand folgendes Gedankenspiel anstellen“ einleitete, interpretierte das Wirtschaftsmagazin als VW-Pläne zur Abspaltung der genannten Unternehmensteile.

          Deren anschließende Börsengänge, so die Magazin-Interpretation, würde den Marktwert des Mutter-Konzerns steigern und damit denkbare Übernahmen erschweren. Der VW-Konzern dementierte umgehend. Das Unternehmen teilte in einer Mitteilung mit: „Derartige Vermutungen sind durch den Wortlaut des Interviews nicht gedeckt.“ Vielmehr habe Piëch in Gedanken das Szenario durchgespielt, wie ein VW-Käufer die Kosten einer Übernahme durch die möglichen Abspaltungen der Sektoren wieder wettmachen könnte.

          Tierische Metaphern

          Durch den Wortlaut gedeckt ist allerdings, dass die VW-Spitze derzeit ein Brainstorming veranstaltet. Sinn und Zweck der Übung nach Piëch: „Ich sehe es als meine Aufgabe an [...] noch dafür zu sorgen, dass - mit oder ohne VW-Gesetz - niemand den Konzern schlucken kann, ohne daran zu ersticken.“ Gemessen an dem gegenwärtigen Börsenwert des Unternehmens in Höhe von knapp 20 Milliarden Dollar sei die Autoschmiede für die Konkurrenz ein „appetitlicher Wurm“.

          Nach den Erd- kamen auch die Wassertiere zu ihrem Recht. Zur Warnung an Übernahmeinteressenten unternahm Piëch einen Ausflug in die Biologie. Die Wolfsburger mimen danach den „Seeigel“. Denn der, so Piëch, lasse sich schlecht schlucken.

          An Umstrukturierungsmaßnahmen deutete Piëch zum einen die Möglichkeit an, eine VW-Edelmarkengruppe zu bilden. Damit will der Konzern sichergehen, die Entwicklungen in den verschiedenen angepeilten Zielgruppen frühzeitig wahrzunehmen. Weiterhin soll die Effizienz im Produktions- und Logistikbereich verbessert werden. Mit konkreteren Äußerungen zur zukünftigen Strategie hielt Piëch allerdings hinterm Berg.

          Handfestes

          Von dem Interview unabhängig hatte der Rückkauf von zehn Prozent der eigenen Aktien im letzten Jahr Spekulationen entfacht. Darüber hinaus will die VW-Spitze von der Hauptversammlung am 7. Juni die Zustimmung erlangen, weitere zehn Prozent der Aktien kaufen zu dürfen. Die Hauptversammlung soll außerdem eine Kapitalerhöhung im 130 Millionen Euro absegnen. Beide Schritte brächten VW neben den bereits vorhandenen frei verfügbaren knapp 18 Milliarden Euro neue finanzielle Mittel.

          Ob tatsächlich eine Übernahme von VW ansteht, erscheint fraglich. Albrecht Denninghoff, Automobilanalyst der Hypovereinsbank, sieht dafür zur Zeit keine Hinweise, auch wenn VW ständig Ford ins Spiel bringt. Potentielle VW-Käufer könnten in ein bis zwei Jahren Ford- und GM-Europa sein, so der Analyst. Allerdings nur, wenn deren eigene Restrukturierungsmaßnahmen bis dahin nicht greifen sollten. Auch die japanischen Autohersteller kämen in Frage. „Die könnten die Übernahme wahrscheinlich bar bezahlen“, sagt Denninghoff, nur haben die an den Wolfsburgern noch kein Interesse gezeigt.

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