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VW-Kommentar : Die Zukunft liegt in China

Volkswagen präsentiert das neue Model I.D. in Peking. Bild: dpa

Mit dem Transformationstempo Chinas kann der Westen nur schwerlich mithalten. Automanager blicken deshalb verstärkt ins Reich der Mitte – das darf auch der deutsche Mittelstand nicht versäumen.

          An klaren Worten mangelt es Herbert Diess selten. Angesichts von Fahrverboten in deutschen Städten und immer strengeren Umweltauflagen klagte der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen vor einigen Wochen erst über einen „Feldzug gegen das Auto“ und die individuelle Mobilität. Am Montag hat er in Schanghai gesagt, wo Europas größter Autohersteller die Schwerpunkte setzen wird: in China. Dort entscheide sich die Zukunft von Volkswagen, sagte Diess, der künftig auch noch die strategische Leitung des China-Geschäftes übernehmen wird. Nur wenige Kilometer entfernt legte der exzentrische Gründer und Chef des Elektroautoherstellers Tesla, Elon Musk, den Grundstein für seine Gigafabrik, die dem Pionier aus Kalifornien endlich den Sprung in die Massenproduktion ermöglichen soll. Ein Zufall? Höchstens vom Zeitpunkt her.

          Denn wer in jüngster Zeit in den Straßen von Schanghai, Peking, Hongkong oder irgendeiner anderen Millionenmetropole unterwegs war, versteht die Motive der Automanager sofort. Längst gehören Elektroautos dort zum Straßenbild dazu, und die Regierung in Peking treibt die Entwicklung gnadenlos voran. Im kommenden Jahr sollen fünf Millionen stromgetriebener Fahrzeuge unterwegs sein, und wer zweifelt ernsthaft am Gelingen dieses Plans? Peking investiert extrem hohe Summen in das Ziel, auf Zukunftsfeldern wie Elektromobilität, autonomem Fahren und Künstlicher Intelligenz die Technologieführerschaft zu übernehmen.

          Das Transformationstempo des staatlichen Dirigismus

          Mit dem Transformationstempo dieses staatlichen Dirigismus kann der Westen nur schwerlich mithalten. Auch Deutschland tut sich damit schwer. Hierzulande beträgt der Anteil des klassischen verarbeitenden Gewerbes noch immer mehr als 20 Prozent. Was zu Zeiten des neuen Marktes um die Jahrtausendwende verächtlich als „Old Economy“ bezeichnet wurde, gilt heute als ein Garant des schon fast zehn Jahre dauernden Aufschwungs. Doch dieser Erfolg hat auch eine Kehrseite, denn er macht satt und träge. Gerade dem Mittelstand mangelt es angesichts voller Auftragsbücher und knappen Personals sowohl an den nötigen Kapazitäten als auch an der Einsicht, sich mit drohenden technischen Umwälzungen von morgen zu beschäftigen. Einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zufolge hat sich erst jedes vierte Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern ernsthaft mit Künstlicher Intelligenz befasst. Genauso viele lehnen das Thema ab, und in jedem sechsten Fall hat man sich noch überhaupt nicht damit beschäftigt.

          Gerade deutsche Mittelständler, die in der Regel nicht über die großen Forschungsetats der börsennotierten Aktiengesellschaften verfügen, brauchen eigentlich Technologiepartnerschaften mit Unternehmen aus Amerika und auch aus China, um ihre Vormachtstellung aus der Produktion in die neue Softwarewelt hinüberretten zu können. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Solche Versäumnisse können sich schneller rächen, als so mancher denkt.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

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