https://www.faz.net/-gqe-rzw8

Vogelgrippe : „Wir arbeiten an einem Notfallplan“

Vogelgrippe-Kontrollen am Flughafen Stuttgart Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Viele Unternehmen bereiten sich auf Vogelgrippe-Erkrankungen in ihrem Umfeld vor. Die Ford-Werke in Köln haben größere Mengen von Arzneimitteln gelagert; die Deutsche Bank hat Notfallpläne entworfen, um den Geschäftsbetrieb zu sichern.

          3 Min.

          Die weltweit drittgrößte Bank HBSC hat einen Notfallplan entworfen, um bei einer Vogelgrippe-Epidemie zeitweise mit der halben Belegschaft auskommen zu können. Mit dieser Meldung erregte das englische Bankinstitut gestern großes Aufsehen. Ein Sprecher wies jedoch auf Anfrage darauf hin, daß dies nicht der als wahrscheinlich anzunehmende Fall sei, sondern daß man das als den schlimmsten anzunehmenden Fall in die Überlegungen einbezogen habe. Allein steht die Bank mit ihren Überlegungen für Maßnahmen bei Ausbruch einer Vogelgrippeepidemie nicht.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Auch die Deutsche Bank in Frankfurt bestätigt, daß man Pläne habe, wie in Notfällen zum einen die eigenen Mitarbeiter geschützt werden können und wie zum anderen der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten werden kann. Und speziell zur Vogelgrippe habe man nach deren ersten Auftreten in Südostasien eine bankinterne, international besetzte Konferenz in den Vereinigten Staaten abgehalten. Es gebe seither einen Notfallplan für die Bank. Der sehe zunächst einmal verschiedene Szenarien vor, bei denen man Experten zusammenrufe, die einen konkreten Fall beurteilen und entsprechend weitere Maßnahmen empfehlen könnten.

          Pläne nur auf dem Papier

          Viele Banken haben Pläne, wie man bei Epidemien Arbeiten auf externe Dienstleister auslagern kann, welche Mitarbeiter von zu Hause aus ihrer Arbeit am Computer nachgehen können und welche Ausweichbüros zur Verfügung stehen. Allerdings hat gerade die Londoner Bankenaufsicht darauf hingewiesen, daß diese Pläne zum größten Teil nur auf dem Papier stünden und unrealistisch seien. Denn auch die Ausweichquartiere lägen meist in der gleichen Innenstadt, seien also bei einer flächendeckenden Seuche von Sars beispielsweise ebenso unbenutzbar für die Mitarbeiter wie der bisheriger Arbeitsplatz. Viele Banken dächten bei der Auslagerung von Arbeiten an Dritte an die gleichen Unternehmen, die dann überfordert seien. Welche Einzelmaßnahmen die Pläne der Deutschen Bank vorsehen, wollte der Sprecher nicht sagen.

          Tierseuche : Vogelgrippe-Fälle in Türkei schüren Angst in Europa

          Indirekt betroffen ist schon die Lufthansa. Als Folge der steigenden Zahl infizierter Personen in der Türkei hat der Aktienkurs der Luftfahrtgesellschaft ebenso an Wert verloren wie der des Touristikunternehmens TUI. Ein Lufthansa-Sprecher wies darauf hin, daß derzeit sowohl für die Mitarbeiter wie für die Fluggäste keine akute Gefahr bestehe. Auch bei Flügen aus der Türkei sei nach menschlichem Ermessen keine Ansteckungsgefahr gegeben. „In Flugzeugen wird alle drei Minuten die gesamte Innenluft ausgetauscht“, bestätigte er.

          „Kontakt meiden“

          Dabei würde die Kabinenluft aus der Decke zugeführt und aus dem Fußraum abgesaugt, so daß ein ständiger Luftstrom von der Decke in den Fußraum entstehe, Viren von trotz Verbots mitgeführten Tieren oder Tierteilen also in den Fußraum und nicht in den Atembereich der Fluggäste geführt würden. Außerdem geht man bei der Lufthansa wie auch bei den meisten Unternehmen weiterhin davon aus, daß die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts reicht, den direkten Kontakt mit lebenden Tieren und rohen Tierteilen zu vermeiden. Bisher wird die Vogelgrippe nämlich nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Das Robert-Koch-Institut warnt daher vor Überreaktionen wegen der Erkrankungen in der Türkei.

          „Wir empfehlen allen Mitarbeitern, auf Reisen Geflügelfleisch nur im gegarten Zustand zu sich zu nehmen und den Kontakt zu lebendem Geflügel zu meiden“, sagt ein Sprecher von Beiersdorf. Reisebeschränkungen gibt es aber weder bei Beiersdorf noch bei Siemens oder der Rewe. Für Siemens befinden sich die Vorbereitungen auf einen möglichen Ausbruch der Seuche „im Beobachtungsstatus“. „Wir beobachten die Lage und stehen in ständigem Kontakt zu den Gesundheitsbehörden der Länder wie zur Weltgesundheitsorganisation“, sagte ein Siemens-Sprecher. Eine ständige Arbeitsgruppe Sicherheitsfragen werte diese Daten aus und sei bisher zu dem Schluß gekommen, daß keine konkreten Maßnahmen, die über die allgemeinen Notfallvorbereitungen hinausgehen, notwendig seien.

          Schutz der Verbraucher hat oberste Priorität

          Ähnliche Regelungen gibt es für Reisende auch bei der Rewe. Für Lebensmittelhändler steht zudem die Sicherheit des Angebots im Vordergrund. Die Rewe wie auch die Edeka haben nie aus der Türkei oder Griechenland Geflügel bezogen. Und vor Weihnachten habe man sich schon überlegt, was man mache, wenn in Polen die Seuche ausbricht, einem wichtigen Lieferanten von Weihnachtsgänsen.

          Es sei ganz selbstverständlich, daß dann aus diesem Land keine Ware mehr angeboten worden wäre. Große Lebensmittelketten seien inzwischen darauf vorbereitet, innerhalb kürzester Zeit bestimmte Artikel aus dem Verkehr zu ziehen. Der Schutz der Verbraucher habe oberste Priorität. Bei einem Seuchenausbruch in Deutschland greift man bei Rewe wie bei Edeka auf installierte Notfallplanungen zurück. Bei vielen Unternehmen haben sich die Werksärzte aber doch mit Medikamenten eingedeckt.

          Die Ford-Werke in Köln haben im Herbst vergangenen Jahres schon einmal größere Mengen von Arzneimitteln eingelagert. Da man bei Thyssen-Krupp davon ausgeht, daß sich zunächst nur Einzelpersonen anstecken werden, habe man zwar „ausreichend Medikamente eingelagert“, aber keine großen Mengen. Die BASF hatte Ende 2005 ihren Mitarbeitern empfohlen, sich gegen die übliche Grippe impfen zu lassen. „Im Stammwerk Ludwigshafen haben 3700 Mitarbeiter dieses Angebot wahrgenommen - doppelt so viele wie im Vorjahr.“ Was die aktuelle Reaktion angeht, so wird gerade „für die gesamte BASF-Gruppe ein detaillierter Pandemieplan erarbeitet, der neben organisatorischen und hygienischen Maßnahmen auch die Bereithaltung bestimmter Mengen antiviraler Medikamente beinhaltet.“

          Weitere Themen

          José Carreras schließt Vergleich

          Streit beigelegt : José Carreras schließt Vergleich

          Das Verhältnis zwischen Carreras und seiner Charity-Managerin war so zerrüttet, dass er sich gar weigerte, mit ihr zu reden. Mit dem Vergleich kommt es jetzt wohl zu einem Frieden.

          Topmeldungen

          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

          Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

          Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.