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Viviane Reding macht Tempo : EU plant Frauenquote für Aufsichtsräte

  • Aktualisiert am

EU-Justizkommissarin Viviane Reding Bild: REUTERS

Die Europäische Kommission macht Ernst in Sachen Frauenquote. Justizkommissarin Reding plant für den Herbst eine Richtlinie. Bis ins Jahr 2020 sollen 40 Prozent aller Aufsichtsräte weiblich sein. Allerdings nur in großen Unternehmen.

          EU-Justizkommissarin Viviane Reding macht einem Bericht zufolge mit ihren Plänen für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von Konzernen Tempo. Künftig sollten 40 Prozent aller Aufsichtsräte dem unterrepräsentierten Geschlecht angehören, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Redings Entwurf für eine im Herbst geplante Richtlinie.

          Demnach gilt dieses Ziel für börsennotierte Unternehmen und soll bis zum 1. Januar 2020 umgesetzt sein. Bei Verstößen drohen dem Blatt zufolge Bußgeld, ein Entzug von Subventionen oder ein Ausschluss von öffentlichen Wettbewerben. Die Entscheidung über Sanktionen solle aber bei den Mitgliedstaaten liegen.

          Keine Quote für kleinere und mittlere Unternehmen

          Wie die Zeitung weiter berichtete, sind kleinen und mittlere Unternehmen von den Regelungen ausgeschlossen, auch wenn sie börsennotiert sind. So seien Familienunternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro ausgenommen. Den Plänen müssen EU-Parlament und Mitgliedstaaten im EU-Rat zustimmen.

          Die deutsche Bundesregierung ist in der Sache uneins:   Während Familienministerin Kristina Schröder für eine freiwillige „Flexi-Quote“ wirbt, unterstützt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) Redings Plan: „Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze“, sagte sie.

          Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten steigt nur langsam

          Reding macht sich schon länger für eine europaweite Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen stark. Sie hatte zuletzt für Anteile von 30 Prozent bis 2015 und von 40 Prozent bis zum Jahr 2020 geworben. In deutschen Vorstandsetagen sind Frauen mit einem Anteil von drei Prozent die Ausnahme. In Aufsichtsräten kommen sie auf 10 bis 15 Prozent der Mitglieder. Der Anteil steigt nur langsam.

          Von der Brüsseler 40-Prozent-Quote ist das Gros der deutschen Unternehmen ebenso weit entfernt wie von der in Berlin diskutierten Mindestquote von 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten. Unter den 30 Konzernen in der ersten Börsenliga erreichen das Ziel nur Deutsche Bank (40 Prozent Frauen), Beiersdorf (33 Prozent), Henkel (32 Prozent), Commerzbank und Deutsche Post (beide 30 Prozent).

          Derzeit Deutschlands einzige Aufsichtsratsvorsitzende: Simone Bagel-Trah beim Waschmittel- und Klebstoffherstellers Henkel

          Simone Bagel-Trah (43) ist dabei die Exotin. Als einzige Frau führt sie einen Dax-Aufsichtsrat. Im September 2009, 133 Jahre nach Firmengründung, übernahm die Ururenkelin von Firmengründer Fritz Henkel die Kontrolle über die Geschäfte des Düsseldorfer Klebstoff- und Waschmittelriesen Henkel. In einem Interview machte die promovierte Mikrobiologin 2011 deutlich, was sie von Frauenquoten hält:  „Wir wollen Frauen fördern, aber wir glauben nicht, dass wir dafür noch eine Quote brauchen.“

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