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Vivendi : Messier gibt den Ton an

  • -Aktualisiert am

„Ich bin die Welt” - Jean-Marie Messier Bild: dpa

Blitzschnell hat Vivendi Universal mit Sony auf die Bertelsmann-Napster-Allianz gekontert. Kein Wunder: Das Musikgeschäft ist die globale Ambition des umtriebigen Firmenchefs Jean-Marie Messier.

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          Jean-Marie Messier wäre nicht J6M oder Jean-Marie Messier moi-même maître du monde, hätte er gegen den Bertelsmann-Napster-Deal nicht etwas in petto gehabt. J6M, so nennen ihn die französischen Medien, so nennt sich der Chef von Vivendi Universal in seinem neuen Buch mit dem Titel „J6M.com“ aber auch selber. Der Name ist Programm. Soll heißen: Ich bin die Welt, und die Welt ist das Internet.

          Dass zum Internet auch Musik gehört, war dem 44-Jährigen sowieso klar. Sonst hätte er im vergangenen Jahr nicht mit der kanadischen Firma Seagram fusioniert, der die Universal-Studios in Hollywood und Tausende von Musikrechten gehören. Mit dem damaligen Deal ergatterte Messier schon einen beträchtlichen Katalog von Musik- und Filmtiteln. Das Joint-Venture mit Sony folgt nun der gleichen Logik. Ganz offensichtlich: J6M hat globale Ambitionen. Unter dem Namen Duet wollen beide nun die Hälfte der weltweiten Musikrechte abwickeln. Über 40 Prozent des weltweiten Musikmarktes gehört ihnen bereits.

          Piraten wie jene von Napster will der Franzose gern in die „soft alliance“ einbeziehen. Schon allein, weil ihm sonst jemand zuvor kommen könnte. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sie künftig die Urheberrechte der Künstler garantieren. So wie Duet es beabsichtigt: Hier können sich die User abonnieren oder pro heruntergeladenen Titel zahlen, und zwar vielleicht schon vom Sommer dieses Jahres an. Ein Blitz-Deal, ganz nach dem Geschmack von J6M.

          J6M räumte seinen Gemischtwarenladen auf

          Dass ihn manche wegen dieses Spitznamens für größenwahnsinng halten, stört den Franzosen nicht. Im Gegenteil, es scheint ihm zu schmeicheln. Immerhin gilt er als Shooting star der französischen Wirtschaftsszene. Eroberte er doch Hollywood und schlug zuvor die Mannesmänner aus Düsseldorf aus dem Rennen, indem er in einer Blitzaktion mit Vodafone paktierte. Dass das von Vivendi und Vodafone anschließend lancierte WAP-Telefon schrecklich floppte, verschweigt der Erfolgsmensch gern.

          WAP, Sony, Universal, Vodafone. Begriffe, die stellvertretend für Messiers Passion stehen. Die anderen Geschäftsbereiche seines Konzerns, vor allem das Wasser, scheint er darüber zu vergessen. Innerhalb von nur drei Jahren krempelte er sein Imperium, den größten privaten Arbeitgeber des Landes, restlos um. Noch 1998 firmiert der Konzern als Compagnie Générale des Eaux.

          Hinter diesem komplizierten Namen verbarg sich ein 150 Jahre alter Gemischtwarenladen, der so ziemlich alles Erdenkliche umfasste. Wer den Wasserhahn aufdrehte, den Abfalleimer herunterbrachte, zum Telefon griff oder das Bezahlfernsehen einschaltete - Messier sorgte dafür, dass an seinem Konglomerat aus über 3.400 Firmen niemand vorbei kam.

          Männerfreundschaft mit Middelhoff

          Mit AOL-France war er auch schon im Internet drin. Und das war gut so. Denn im Jahr 2000 sollte alles ganz schnell gehen. Die Finanzmärkte drängten ihn dazu, sich endlich auf ein Kerngeschäft zu konzentrieren. Das konnte aus seiner Sicht nur das Internet sein.

          Sein Buch ist geradezu eine Hymne auf das neue Medium und die Kommunikationsmöglichkeiten, die es eröffnet. Kein Wunder, dass er sich im vergangenen Sommer dafür entschied, die hochverschuldete Wassersparte vom Mutterhaus abzutrennen und an die Börse zu bringen, wo sie übrigens zu einem regelrechten Höhenflug ansetzte. Sein Buch ist auch insofern bemerkenswert, als er darin mehrere Male auf die Freundschaft zu Bertelsmannchef Thomas Middelhoff anspielt. Beide hätten die gleichen Visionen, schreibt Messier.

          Lange Zeite bastelten beide an einer Kooperation. Middelhoff sitzt seit Mitte März 1999 im Verwaltungsrat der Franzosen. Ursprünglich wollten beide der Verbrüderung der Münchner Kirch Gruppe mit der Mailänder Fininvest von Silvio Berlusconi entgegentreten und verhindern, daß der anglo-australische Medienmagnat Rupert Murdoch auf das europäische Festland übergreift. Nun müssen sie ihre Interessen im weltweiten Musikgeschäft gegeneinander abgrenzen.

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