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Vivendi : Im Rennen gegen Bertelsmann

  • -Aktualisiert am

Vivendi-Chef Messier hat große Pläne im Internet Bild: dpa

Vivendi Universal muss im Rennen um die besten Plätze im Online-Musikgeschäft aufholen. Deswegen zahlt Konzernchef Messier viel Geld für MP3.com.

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          Solche Tage liebt Jean-Marie Messier. Gerade den Kauf der Sportrechtefirma ISMM/ISL abgeblasen und schon wieder den nächsten Deal eingefädelt. Da wird es nicht langweilig. Am Sonntag also übernahm Vivendi Universal für rund 372 Millionen Dollar den kalifornischen Internet-Musikhändler MP3.com.

          Das ist viel Geld. Die Summe entspricht mehr als dem Dreifachen des für 2001 erwarteten Umsatzes von MP3. Warum investiert Messier so viel? Vor allem um Front gegen das Gespann Bertelsmann-Napster zu machen. Dazu brauchte der französisch-kanadische Medienriese einen bekannten Namen: MP3.com. Messier macht daraus keinen Hehl: "MP3.com ist eine von täglich mehr als 35 Millionen Surfern benutzte Marke. Wir sind davon überzeugt, bald 40 Millionen User erreichen zu können".

          Hat sich Messier verrechnet?

          Auch wenn MP3.com vielleicht nicht ganz so attraktiv ist wie Napster, so hat die Tauschbörse nach Expertenmeinung doch einen Vorteil: MP3 hat alle juristischen Querelen über seine Legitimität schon hinter sich. Allerdings könnte Messier sich verrechnen - im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Ziel von „bald 40 Millionen User täglich“ wird reichlich hochgestochen. In Wirklichkeit haben sich zwar laut der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ 31 Millionen User bei MP3 registrieren lassen, aber nur 15 Millionen nutzen den Dienst tatsächlich. Dagegen vereint die Napster-Gemeinde immer noch 35 Millionen aktive Nutzer pro Monat, trotz des Filters gegen unerlaubten Musikklau.

          Gleichwohl: Im Online-Musikgeschäft sind Napster und MP3.com eigentlich die einzigen ernst zu nehmenden Akteure. Insofern blieb Messier keine Wahl. Überdies verhandelte MP3.com im vergangenen Jahr noch mit fünf Interessenten. Mit MyMP3.com schaffte MP3 dann vor kurzem sogar eine kleine Revolution, die das Portal noch attraktiver machten. Jetzt können MP3-User ihre eigens zusammengestellte Musik, von überall aus hören und das auch noch umsonst.

          Bald Hollywood-Filme online

          Auf dieses persönliche Angebot spekuliert Messier: "Wenn sich diese Technik vermarkten lässt, das heißt in zwei, drei Jahren, wollen wir auch Filme und Videos im Internet präsentieren". Das wäre eine möglicherweise lukratives Geschäft. Denn über Universal besitzt der Franzose eine der größten Hollywood-Filmproduktionen der Welt. Zunächst aber sollen die Kassen dank der Online-Musik klingeln.

          Dazu war Messier bereits Anfang des Jahres ein Joint Venture namens Duet mit Sony Music eingegangen. So kontrollieren beide gut 40 Prozent des weltweiten Musikmarktes. Die rasche Abfolge der Akquisitionen, Kooperationen und Allianzen zeigt, dass sich Vivendi und Bertelsmann ein wahres Rennen um die besten Plätze liefern.

          Wie auch die Kombination AOL-Time Warner und Disney haben sie vor allem ein Ziel: Mit Hilfe des Internets ein
          globales Vertriebsnetz für ihr Informations- und Unterhaltungsangebot schaffen. 80 Prozent des Marktes sind schon aufgeteilt. Der Spurt neigt sich dem Ende zu.

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