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Erstes Quartal : Das Virus lässt Südkoreas Wirtschaft schrumpfen

Mitglieder der Koreanischen Bürgervereinigung für Umweltgesundheit tragen Masken, die dem Aussehen des Coronavirus nachempfunden sind. Bild: dpa

Durch das Coronavirus schrumpfte Südkoreas Wirtschaft am Jahresbeginn um 1,4 Prozent. Das zweite Quartal dürfte schlimmer werden. Präsident Moon Jae-in kündigt einen „New Deal“ an.

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          Südkorea war im Februar und März eines der ersten Länder, das nach China von dem neuartigen Coronavirus heftig getroffen wurde. Wirtschaftlich aber hat das Land das erste Quartal des Jahres trotz des Virus-Ausbruchs noch relativ gut hinter sich gebracht. Nach einer ersten Schätzung der Bank von Korea schrumpfte die Wirtschaft im Zeitraum von Januar bis März um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das ist das erste Minus seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Damals aber brach Südkoreas Wirtschaft mit einem Minus um 3,3 Prozent deutlich schärfer ein.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Auch im Vergleich mit China steht Südkorea weniger schlecht da. China hatte für das erste Quartal ein Minus der Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gemeldet. Die koreanische Zentralbank weist dagegen für das erste Quartal noch ein Wachstumsplus von 1,3 Prozent aus. Einigermaßen solide vorläufige Wachstumsdaten für Deutschland, die anderen Länder der Europäischen Union und für die Vereinigten Staaten werden erst gegen Ende April veröffentlicht.

          Wichtigster Faktor für die Schrumpfung der Wirtschaft am Jahresbeginn war in Südkorea nach den vorläufigen Angaben der private Konsum, der um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal nachgab. Die südkoreanische Strategie im Kampf gegen das Virus setzte im Gegensatz zu Europa oder Amerika nicht auf eine weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens, sondern hielt Hotels und Restaurants sowie Geschäfte und Fabriken offen. Der scharfe Einbruch des privaten Konsums am Jahresbeginn aber zeigt an, dass diese Strategie den wirtschaftlichen Schaden nur gemildert, nicht aber vermieden hat. Der Staatskonsum und die Investitionen schwächten sich ab, blieben aber noch im Plus.

          Das Schlimmste kommt noch

          Der für Südkorea wichtige Export ging um 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück, der Import um 4,1 Prozent. Deutlich wird daran, dass die Weltwirtschaft schon früh durch das Virus gestört wurde. Das schließt Zuwächse in einzelnen Wirtschaftsbranchen nicht aus. Die Zentralbank weist darauf hin, dass Südkorea am Jahresbeginn weniger Autos, Maschinen und chemische Produkte ausführte. Der Export von Halbleitern aber sei gestiegen.

          Südkorea ist wirtschaftlich das zwölftgrößte Land der Welt. Analysten erwarten, dass dem Staat die größte wirtschaftliche Belastung durch das Virus noch bevorsteht. Während Südkorea das Virus weitgehend unter Kontrolle hat, bekämpfen die Vereinigten Staaten und Europa die Pandemie noch mit strikten wirtschaftlichen Restriktionen und dämpfen so den Welthandel. „Covid-19 wurde im März zur globalen Pandemie, so dass die global schrumpfende Nachfrage sich erst in den Exportzahlen des zweiten Quartals zeigen wird“, sagte Park Yang-su, der Chef der Statistikabteilung der Zentralbank, in Seoul vor Journalisten. In den ersten 20 Tagen im April sank der südkoreanische Export dem Wert nach um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

          Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in

          Auch am Arbeitsmarkt zeigen sich deutliche Bremsspuren. Im März gingen 195.000 Stellen verloren, das war die höchste Zahl seit Mai 2009. Die Zahl der Arbeitnehmer, die vorübergehend freigestellt sind, stieg gegenüber dem Vorjahr um 363 Prozent auf das Rekordhoch von 1,26 Millionen. Alex Holmes von Capital Economics prognostiziert Südkorea für das im April begonnene zweite Quartal ein Wachstumsminus von 6 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

          Die Bank von Korea hatte zuletzt die Erwartung geäußert, dass das Land im Gesamtjahr noch ein schwaches Wachstumsplus aufweisen könnte. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert dem Land für 2020 eine Schrumpfung um 1,2 Prozent. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaft um 2 Prozent gewachsen, was für südkoreanische Verhältnisse ausgesprochen wenig ist.

          Regierung stellt einen „Korea New Deal“ in Aussicht

          Erst am Mittwoch hatte die Regierung weitere Finanzhilfen für Verbraucher und für Unternehmen in Aussicht gestellt. Der linksliberale Präsident Moon Jae-in, dessen Anhänger bei der Parlamentswahl in der vergangenen Woche 180 von 300 Sitzen errangen, spricht in Anlehnung an den „New Deal“ des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt in der Weltwirtschaftskrise der Dreißiger Jahre von einem „koreanischen New Deal“.

          Dabei geht es um die Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze, die mehrheitlich im öffentlichen Dienst angesiedelt sein sollen. Zudem sollen freigestellte Arbeitnehmer und als Novum für Südkorea erstmals auch freiberuflich Beschäftigte, die nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, für bis zu drei Monate mit 500.000 Won (380 Euro) im Monat unterstützt werden. Für die Arbeitsmarkthilfen will die Regierung 10,1 Billionen Won (7,8 Milliarden Euro) ausgeben. Dazu plant das Finanzministerium den schon dritten Nachtragshaushalt in diesem Jahr in Höhe von 9,3 Billionen Won.

          Zur Unterstützung von Unternehmen kündigte die Regierung einen Stabilisierungsfonds von 40 Billionen Won der staatlichen Korea Development Bank (KDB) an. Ein schon zuvor vorgestelltes Stabilisierungsprogramm von 100 Billionen Won (77 Milliarden Euro) soll um weitere 35 Billionen Won aufgestockt werden. Die Finanzhilfen für die Unternehmen werden nach den Worten Moons daran geknüpft, dass sie keine Beschäftigten entlassen, die Managergehälter kappen, Dividendenzahlungen begrenzen und Aktienrückkäufe einstellen.

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