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Deutschlandbesuch : Heimspiel für Erdogan

Am 29. September soll der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Köln die neue Zentralmoschee eröffnen. Bild: dpa

Viele Deutschtürken sehnen sich nach nationalen Klammern. Wenn Erdogan jetzt zu Besuch kommt, wird es wieder Sympathiebekundungen geben. Wie lässt sich der Entfremdung entgegenwirken? Ein Kommentar.

          3 Min.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der Ende der Woche nach Deutschland kommt, war noch nie so mächtig wie heute. Im neuen politischen System seines Landes ist er zugleich Staats-, Regierungs- und Parteichef sowie Oberbefehlshaber der zweitgrößten Nato-Armee. Er vergibt zentrale Posten in der Verwaltung, der Justiz, der Zentralbank, und er kann per Dekret regieren. Inzwischen reicht Erdogans Bedeutung über die Türkei hinaus. Immer häufiger schwingt er sich zum Sprecher der islamischen Welt auf, in Syrien ist Ankara Kriegspartei. Auch in Deutschland wächst Erdogans Einfluss, hier leben drei Millionen Personen mit türkischen Wurzeln. Fast die Hälfte ist in der Türkei wahlberechtigt.

          Sowohl im Referendum 2017 als auch in den Wahlen 2018 haben sich die Wähler in Deutschland mit großer Mehrheit für Erdogan und seine AKP ausgesprochen. Im Juni votierten fast zwei Drittel für ihn, deutlich mehr als in seiner Heimat. Es stimmt schon, dass die Beteiligung viel geringer war als in der Türkei, wo Wahlpflicht herrscht. Richtig ist auch, dass die Ergebnisse in Österreich oder Frankreich ähnlich ausfielen. Aber das ist ein schwacher Trost für Deutschland, das die mit Abstand stärkste Auslandsgemeinde beherbergt.

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