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Lehrer als Seiteneinsteiger : Klassenzimmer statt Büro

„Teach First“ vermittelt Studenten als Lehrer in Problemschulen, hier Simon Turschner im Jahr 2011 in Köln. Bild: Kai Nedden

Selten war es so einfach, Lehrer zu werden. Es gibt viele offene Stellen, Seiteneinsteigern stehen die Türen offen. Doch der Wechsel hat Tücken.

          Bis vor einigen Jahren arbeitete Daniel Toubartz als IT-Berater in der Wirtschaft. „Der Beruf hat mir Spaß gemacht“, erzählt der 33 Jahre alte Ökonom und Informatiker. Die finanziellen Konditionen stimmten auch, regelmäßig gab es einen neuen, schicken Dienstwagen. Jetzt aber ist Toubartz Lehrer. Ein Umzug aus privaten Gründen war eine gute Gelegenheit, noch mal darüber nachzudenken, welchen Beruf er wirklich ausüben wollte. Da erinnerte er sich an einen Lehrer, einen Informatiker Mitte vierzig, der vorher in einem Softwareunternehmen gearbeitet hatte. "Er hat mich fasziniert, denn er konnte Wissen anwenden und weitergeben." Weil Toubartz zudem schon gute Erfahrungen in der Jugendarbeit und im Unterrichten gemacht hatte, wagte er vor fünf Jahren den Wechsel von der Wirtschaft in die Schule.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Für Menschen mit Erfahrung in anderen Berufen ist es selten so einfach gewesen, Lehrer zu werden, wie derzeit. Das liegt an dem großen Lehrermangel, der an einigen Orten in Deutschland herrscht. Prekär ist die Lage zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, in Sachsen und Berlin. In Sachsen sind etwas mehr als die Hälfte der zur Jahresmitte neu eingestellten Lehrer sogenannte „Seiteneinsteiger“. Das heißt: Sie haben zwar eine Qualifikation in dem Fach, das sie unterrichten, aber noch keine pädagogische Lehrerausbildung. In Berlin liegt diese Quote bei weit über 40 Prozent.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche.

          Auch die Schüler können von dem Wissen der Quereinsteiger profitieren.

          Die Lehrkräfte mit Erfahrung in anderen Bereichen können für die Schulen eine Chance sein - schließlich beklagen viele junge Leute, im Lehrplan komme das richtige Leben kaum vor. Seiten- und Quereinsteiger erweitern die Perspektive, besonders, wenn sie aus der Wirtschaft kommen, wo ein Großteil der Schüler später einmal arbeiten wird. Doch die mangelnde pädagogische Erfahrung kann auch schnell zu einem Problem werden.

          Berufserfahrung bringt auch den Schülern etwas

          Toubartz, der am Berufskolleg Siegburg Informatik unterrichtet, ist überzeugt: Die Schüler profitieren von den Quereinsteigern. „Die wissen, was im Beruf wichtig ist.„ Auch Thomas Schulte kann seine frühere Berufserfahrung bestens nutzen. Am Franz-Stock-Gymnasium in Arnsberg unterrichtet er Informatik und ist für die Studien- und Berufsorientierung zuständig. Früher arbeitete der 59-Jährige für Siemens. Zuvor hatte er Mathematik und Physik auf Lehramt studiert, war aber vor dem Zweiten Staatsexamen von Siemens abgeworben und zum Softwarespezialisten ausgebildet worden. Seinen Beruf mochte er sehr, sagt Schulte.

          Die Vergütung stimmte auch. Doch irgendwann wechselte Schulte Ort und Tätigkeit und war nicht mehr so zufrieden. Da erinnerte er sich an sein ursprüngliches Berufsziel. Der Zeitpunkt passte gut: Siemens baute gerade Personal ab. Schulte bekam „beste Zeugnisse und 110.000 D-Mark Abfindung“ und konnte sich die Referendarzeit leisten.

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