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: Viele Industrienationen setzen auf Mindestlöhne

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F.A.Z. FRANKFURT, 12. April. In Deutschland diskutieren Politiker und Wirtschaftsexperten energisch über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Die Korrespondenten dieser Zeitung haben sich umgeschaut, wie andere Länder damit umgehen.

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          F.A.Z. FRANKFURT, 12. April. In Deutschland diskutieren Politiker und Wirtschaftsexperten energisch über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Die Korrespondenten dieser Zeitung haben sich umgeschaut, wie andere Länder damit umgehen.

          Frankreich"Keine Regierung hat in den vergangenen 25 Jahren den Mindestlohn so stark angehoben wie unsere." Mit Stolz hat Premierminister Jean-Pierre Raffarin zuletzt auf die Steigerung des Smic, des Salaire minimum interprofessionel de croissance, hingewiesen. Der Zuwachs in den vergangenen drei Jahren entspräche ungefähr einem dreizehnten Monatsgehalt. Auch die bürgerliche Regierung hält somit an dem Instrument fest, das für die Sozialpolitiker ein Fundament gegen Armut am Arbeitsplatz und für linksgerichtete Ökonomen ein Mittel zur Stützung der Kaufkraft ist. Derzeit liegt der Mindestlohn bei durchschnittlich 7,61 Euro in der Stunde. Wirtschaftsliberale Kritiker weisen bisher ohne Folgen darauf hin, daß der hohe Mindestlohn eine Ursache für die weitverbreitete Jugendarbeitslosigkeit ist. Vor allem für viele Geringqualifizierte stellt er eine unüberwindbare Schwelle für den Eintritt in den Arbeitsmarkt dar, warnt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). In keinem OECD-Land ist der Mindestlohn, gemessen am Durchschnittslohn, derart hoch. Einschließlich der Sozialabgaben erreichen die Mindestlöhne in Frankreich 55 Prozent der durchschnittlichen Kosten für den Faktor Arbeit. (chs.) Beneluxländer Neben Frankreich weisen die drei Beneluxländer relativ hohe gesetzliche Mindestlöhne auf. Spitzenreiter ist Luxemburg, das allen Berufstätigen im Alter von mindestens 18 Jahren einen Mindestlohn von monatlich 1467 Euro garantiert; qualifizierten Arbeitnehmern stehen monatlich mindestens 1760 Euro zu. In den Niederlanden besteht der gesetzliche Mindestlohn seit 1968 für alle Berufstätigen im Alter zwischen 23 und 64 Jahren. 1974 wurde für Arbeitnehmer im Alter von 15 bis 24 Jahren ein Mindestlohn eingeführt, der 85 Prozent des für ältere Arbeitnehmer gültigen Niveaus - zuletzt monatlich 1265 Euro - entspricht. Die Haager Regierung hat kürzlich einen Vorstoß unternommen, wonach in den ersten zwei Jahren nach Wiederaufnahme der Beschäftigung bisher Arbeitslosen 90 Prozent des Mindestlohns gezahlt werden dürfen. In Belgien haben Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft Anspruch auf 1186 Euro monatlich, während Bedienstete des öffentlichen Dienstes sogar mit 1455 Euro rechnen können. (now.)GroßbritannienFür Tony Blair war die Einführung eines nationalen Mindestlohns ein Versprechen, mit dem der Chef der Labour-Partei im Mai 1997 die britische Unterhauswahl gewann und so zum Regierungschef aufrückte. Sein Vorstoß war anfangs heftig umstritten. Der Arbeitgeberverband warnte vor negativen Folgen für die Beschäftigung und sagte hohe Arbeitslosenzahlen voraus. Auch die Gewerkschaften lehnten Blairs Regelwerk, das 1999 eingeführt wurde, ab und machten sich für das Festhalten an Tarifverträgen stark. Sechs Jahre nach dem Start ist von der Kontroverse um den Garantielohn landesweit wenig zu spüren. Anfangs wurde jungen Erwachsenen zwischen 18 und 21 Jahren ein Stundenlohn von 3 Pfund (4,37 Euro) garantiert. Inzwischen erhalten in Großbritannien etwa 2 Millionen junge Arbeitnehmer 5,05 Pfund je Stunde. Im Oktober 2006 soll eine Anhebung auf 5,35 Pfund folgen. Die einst von Industrievertretern befürchteten negativen Auswirkungen auf die nationale Beschäftigung sind bislang ausgeblieben. Weil im Vereinigten Königreich die Nachfrage nach Arbeitskräften groß ist, übertrifft der Marktwert für Arbeit ohnehin das aktuelle Niveau des Mindestlohns. (ufe.) Spanien und Portugal

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