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Unterhalt : Wenn Papa nicht zahlt

Hunderttausende Alleinerziehende erhalten für ihre Kinder kein Geld vom Expartner. Bild: Gesche Jaeger/laif

Jeder zweite getrennt lebende Vater überweist seinem Kind keinen Cent. Dafür müssen alle anderen einspringen. Ist das fair?

          Nur wenige Mütter kennen die Schwächen des deutschen Unterhaltsrechts so gut wie Katrin Settele. Die 47-Jährige ist Patchworkmutter von drei Kindern. Bei ihr leben ihr Sohn und ihre Tochter, die von unterschiedlichen Vätern stammen. Hinzu kommt eine Tochter, die ihr neuer Lebenspartner mit in die Familie gebracht hat. Das macht dreimal Unterhalt von drei verschiedenen Expartnern. „Mich kann nichts mehr überraschen, ich habe alle Erfahrungen gemacht“, sagt die Frankfurterin. Die härteste kam nach der ersten Scheidung und dauert noch immer an. „Mein ältester Sohn ist jetzt 19 – und sein Vater hat noch nie regelmäßig Unterhalt gezahlt.“ Vielleicht will er nicht zahlen, vielleicht kann er es nicht, Settele will sich nicht festlegen. Trotz zahlreicher Gerichtsverhandlungen blieb und bleibt das Ergebnis mager. „Das Längste waren mal drei Monate Unterhalt am Stück, ansonsten hat er immer wieder monatelang nichts gezahlt.“ Derzeitiger Stand: Ihr Exmann schulde ihr Tausende Euro Unterhalt und sei in die Schweiz geflohen. „Dort lebt er bis heute und duckt sich weg.“

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Mit dem Vater des zweiten Kindes lief es besser. Im ersten Jahr nach der Trennung ruckelte es zwar noch. Trotz eines Einkommens von mehr als 5000 Euro netto habe er nur den Mindestunterhalt gezahlt. Seitdem aber überweise er vollständig und pünktlich. Von der Mutter des dritten Kindes lässt sich das nicht sagen, sie habe noch nie gezahlt. Settele hat aus ihren Erfahrungen ein Geschäftsmodell gemacht. Sie arbeitet als Autorin und berät viele Alleinerziehende, wie sie nach der Trennung emotional und finanziell klarkommen.

          In 88 Prozent der Fälle muss der Mann zahlen

          Ihr potentieller Kundenstamm ist riesig, es gibt 1,6 Millionen Alleinerziehende in Deutschland. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums sind darunter 1,44 Millionen alleinerziehende Mütter und 182.000 alleinerziehende Väter. Deshalb gibt es bei Unterhaltsfragen eine klare Rollenverteilung: In 88 Prozent der Fälle muss der Mann zahlen.

          Zumindest theoretisch. Rechtsanspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge erhält etwa die Hälfte der Alleinerziehenden keinen einzigen Cent von ihrem Expartner. Ein weiteres Viertel bekommt zwar etwas, doch nur jeder vierte Unterhaltspflichtige begleicht den vollständigen Betrag.

          Warum drücken sich so viele? „Es ist ein Machtspiel“, glaubt Settele. Der Unterhalt sei „das letzte Druckmittel der Männer, weil ihre Exfrauen oft die Kinder behalten. Die Männer denken: wenn schon ohne mich, dann mit weniger Geld.“ Die Bundesregierung will über Motive nicht spekulieren. Sie verfüge „über keine Daten zu der Anzahl der Fälle und den Gründen, warum Unterhaltspflichtige nicht zahlen“. Wissenschaftliche Studien darüber existieren ebenfalls nicht.

          Der Staat zahlt Unterhaltsvorschuss

          Damit die Alleinerziehenden trotzdem den Kühlschrank füllen können, gibt es seit 1980 den sogenannten Unterhaltsvorschuss. Die Mutter kann ihn für ihre Kinder beantragen, wenn der Vater nichts oder deutlich zu wenig überweist. Bis Juli dieses Jahres gab es die staatliche Leistung nur für Kinder unter zwölf Jahren und höchstens sechs Jahre lang. Vor vier Monaten fielen beide Beschränkungen weg, der Staat zahlt nun, bis das Kind erwachsen ist. Zur Not 18 Jahre lang. Bis zum sechsten Lebensjahr des Kindes gibt es monatlich maximal 150 Euro, bis zum zwölften 201 Euro, danach 268 Euro. Der Vorschuss soll das Armutsrisiko von Alleinerziehenden senken. Weil er aber deutlich niedriger ausfällt als der Mindestsatz, den der Expartner eigentlich zahlen müsste, klappt das nur unzureichend. Laut Statistischem Bundesamt lebten im vergangenen Jahr 43,8 Prozent aller Alleinerziehenden in ärmlichen Verhältnissen.

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