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Videospiele : Die Playstation 4 hängt die Xbox One ab

Sony-Chef Andrew House stellt in Los Angeles Neuheiten vor. Bild: AFP

Microsoft versucht nun den Rückstand auf Sony aufzuholen und liefert auf der Videospielemesse E3 in Los Angeles ein neues Argument für das Gerät.

          3 Min.

          Im Geschäft mit Videospielkonsolen geben seit Jahren Microsoft und Sony den Ton an. Aber in jüngster Zeit ist Microsoft ins Hintertreffen geraten. Beide Unternehmen haben vor knapp zwei Jahren Neuauflagen ihrer jeweiligen Konsolen herausgebracht, aber das Gerät von Sony verkauft sich bisher deutlich besser. Nach letzten Zahlen haben die Japaner ihre Playstation 4 bislang 22 Millionen mal abgesetzt, Microsoft brachte es mit seiner Xbox One dagegen nur auf rund zehn Millionen. Bei den Vorgängerversionen ihrer Konsolen hatten die beiden Unternehmen mit den Verkaufszahlen noch in etwa gleichauf gelegen. Insofern stand also Microsoft unter besonderem Druck, sich für die Videospielemesse E3 in Los Angeles in dieser Woche etwas einfallen zu lassen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Und tatsächlich lieferte Microsoft eine bedeutende Ankündigung, die dem Unternehmen helfen könnte, in seiner Dauerrivalität mit Sony Punkte zu machen: Auf seiner Pressekonferenz am Montag, dem Vortag des offiziellen Messebeginns, teilte Microsoft mit, dass auf der Xbox One künftig auch ältere Titel gespielt werden können, die für das Vorgängermodell Xbox 360 entwickelt worden sind. Dies soll im Laufe des Jahres für mehr als hundert der populärsten Spiele aus der älteren Konsolengeneration möglich werden.

          Solche Kompatibilität zu gewährleisten, ist aus Sicht der Spielehersteller eine erhebliche technische Herausforderung. Aber sie könnte dabei helfen, Besitzer einer Xbox 360, die an ihren älteren Spielen hängen, zur Anschaffung des neuen Modells zu bewegen. „Wenn ihr abgewartet habt, Euch von der Xbox 360 zu verabschieden, ist jetzt die Zeit gekommen,“ sagte Phil Spencer der im Microsoft-Konzern das Geschäft mit der Xbox verantwortet. Sony bietet diese Kompatibilität bislang auf anderem Wege, aber im Gegensatz zu Microsoft nicht gratis. So können auf der Playstation 4 ältere Titel über das Internet mit einem Streaming-Dienst abgerufen werden, für den eine Gebühr fällig ist.

          Nächste Folge des Actionspiels „Call of Duty“ zunächst exklusiv für Playstation

          Microsoft hat schon einiges versucht, um dem verglichen mit der Playstation 4 schwach angelaufenen Geschäft mit der Xbox One auf die Sprünge zu helfen. Die Xbox One war zunächst deutlich teurer als das Sony-Gerät, seither hat Microsoft den Preis reduziert. Microsoft hat die Xbox One außerdem zunächst eher als ein Multifunktionsgerät positioniert, das sich neben Videospielen auch für andere Formen der Unterhaltung eignet. Sony zielte dagegen von Anfang an vor allem auf Spieleenthusiasten ab, was dem Unternehmen in dieser Kernzielgruppe der Branche einen Vorsprung gegeben haben dürfte. Microsoft versucht mittlerweile, in der Vermarktung der Xbox One das Gewicht stärker auf das eigentliche Videospielen zu legen.

          Sowohl Microsoft als auch Sony haben auf ihren Veranstaltungen in Los Angeles versucht, mit der Ankündigung neuer Spiele zu begeistern, die sie entweder exklusiv auf ihren jeweiligen Konsolen oder zumindest früher als der Wettbewerber haben werden. Microsoft stellte zum Beispiel „Halo 5“ vor, die kommende Version seiner erfolgreichen Action-Serie, die rechtzeitig zum kommenden Weihnachtsgeschäft auf dem Markt sein soll. Sony zeigte „Uncharted4“ und eine Vorschau auf das in der Branche schon seit Jahren mit Spannung erwartete Spiel „The Last Guardian“. Mit Blick auf das Spieleangebot vermeldete Sony auf der Messe noch einen symbolträchtigen Erfolg im Wettbewerb mit Microsoft. So sollen bestimmte Inhalte für die nächste Folge des Actionspiels „Call of Duty“ zunächst exklusiv für die Playstation verfügbar sein. Diesen Erstzugriff auf eines der populärsten Spiele der gesamten Videospieleindustrie hatte bislang Microsoft.

          Ein beherrschendes Thema auf der diesjährigen E3 ist „Virtual Reality“, also Videospiele, die es den Nutzern erlauben, in virtuelle Realitäten einzutauchen. Eines der bekanntesten Produkte aus diesem Segment ist die Videobrille Oculus Rift, die Anfang 2016 auf den Markt kommen soll. Deren Hersteller Oculus VR wurde im vergangenen Jahr für einen Milliardenbetrag vom sozialen Netzwerk Facebook übernommen. Microsoft hat einen etwas anderen Weg eingeschlagen und setzt auf „Augmented Reality“. Mit der erstmals im Januar vorgestellten und nun auch wieder in Los Angeles präsentierten Computerbrille Hololens lässt sich das reelle Umfeld mit digitalen Bildern anreichern. Microsoft demonstrierte auf der Messe den Einsatz dieser Brille bei dem beliebten Spiel „Minecraft“, dessen Hersteller der Konzern im vergangenen Jahr gekauft hat.

          Jenseits dieser Hololens versucht Microsoft aber auch, das Feld der virtuellen Realität selbst zu besetzen. So wurde vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass die Oculus-Brille mit dem Steuerungsgerät der Xbox One ausgeliefert werden soll. Auf der E3 kündigte Microsoft außerdem eine Partnerschaft mit dem Videospielespezialisten Valve an, der mit dem Smartphone-Hersteller HTC an einer „Virtual Reality“-Brille mit dem Namen „Vive“ arbeitet, deren Einführung noch in diesem Jahr erwartet wird. Auch Sony ist auf dem Gebiet der virtuellen Realität aktiv und sprach in Los Angeles zum wiederholten Mal über seine Brille, die bislang unter dem Namen „Project Morpheus“ bekannt ist. Sony hatte dabei diesmal aber nicht allzu viel Neuigkeiten über das Gerät zu bieten. Allgemein sind noch viele Fragen in diesem Segment unbeantwortet, etwa die Verkaufspreise der verschiedenen Brillen.

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