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Vichai Srivaddhanaprabha : Trauer um den Duty-Free-König

Fans trauern um Vichai Srivaddhanaprabha Bild: AP

Für die Fans von Leicester City war Vichai Srivaddhanaprabha, der am Wochenende mit einem Hubschrauber abgestürzt ist, eine Lichtgestalt. Seine Milliarden verdankte er einem Monopol in seiner Heimat Thailand.

          3 Min.

          Die Fußballfans von Leicester City sind untröstlich über den Tod ihres Vereinsvorsitzenden, den thailändischen Milliardär Vichai Srivaddhanaprabha. Wie der britische Erstliga-Verein in der Nacht zum Montag mitteilte, war der Klubbesitzer unter den fünf Menschen an Bord eines Hubschraubers, der am Samstagabend in der Nachbarschaft des King Power Stadiums in Leicester abgestürzt war. „In tiefster Bestürzung und mit einem kollektiven gebrochenen Herzen bestätigen wir, dass unser Vorsitzender, Vichai Srivaddhanaprabha, unter denjenigen war, die auf so tragische Weise am Samstagabend ihr Leben gelassen haben“, hieß es in einer Mitteilung. Der Klub sprach von einem „schrecklichen Verlust“ für die Familie des Unternehmers und der anderen Menschen an Bord des Unglückshubschraubers. Alle fünf Insassen seien bei dem Unfall ums Leben gekommen.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der thailändische Unternehmer wird von den Fans dafür verehrt, dass er den Verein aus der Misere an die Spitze der britischen Premier League gebracht hatte. Srivaddhanaprabha hatte den Klub im Jahr 2010 für 39 Millionen Pfund gekauft. Danach leitete er zusammen mit seinem Sohn Aiyawatt  den Verein, der im Jahr 2016 sogar den Meistertitel holte. Die Wetten standen damals 5000 zu eins gegen Leicester. Viele sehen in dem Aufstieg des Vereins eine der erstaunlichsten Erfolgsstorys in der Fußballgeschichte. Dem Unternehmer aus dem fernen Thailand und seinem Sohn wurde hoch angerechnet, dass sie viel Mühen und Geld in die Entwicklung des Vereins gesteckt hatten. Erst vor ein paar Tagen wurde die Genehmigung für den Bau eines neuen Trainingsplatzes erteilt. Zudem sollen sie Krankenhäuser und Kindergärten in der Stadt in den englischen Midlands unterstützt haben.

          „Duty-Free-König von Thailand“

          Die Familie sei bei den Einwohnern von Leicester beliebt, sagte Cliff Ginetta vom Unterstützerkreis des Vereins der BBC. „Die Öffentlichkeit liebt sie für das, was sie für den Klub und die Stadt getan haben.“ In der Weihnachtszeit hätten sie traditionelle „Minced Pies“ und Getränke ausgegeben. Auch in Thailand traten die Mitglieder der Unternehmerfamilie als Wohltäter in Erscheinung. Dort unterstützten sie vor allem Projekte der thailändischen Monarchie, was in dem königstreuen Land zum guten Ton gehört. Die fremde Herkunft des Klubbesitzers sorgte bisweilen für ungewohnte Bilder. Etwa, wenn er buddhistische Mönche einfliegen ließ, um die Spieler in einem Ritual segnen zu lassen. Als die Mannschaft nach ihrem Sensationserfolg das Heimatland ihres Besitzers einen Besuch abstattete, mussten sich die Spieler im Königspalast von Bangkok vor einem Abbild des damaligen Königs Bhumibol Adulyadej auf den Boden werfen.

          Vichai Srivaddhanaprabha applaudiert den Fans bei einer Parade zum Sieg der Premier League durch Leicester City
          Vichai Srivaddhanaprabha applaudiert den Fans bei einer Parade zum Sieg der Premier League durch Leicester City : Bild: AP

          Im April 1958 als Vichai Raksriaksorn geboren, war er im Jahr 2012 von eben diesem König mit einem neuen Nachnamen geehrt worden. Ein ungestörtes Verhältnis zur thailändischen Königsfamilie dürfte geholfen haben, dass er es mit seinem erst im Jahr 1989 gegründeten Unternehmen zum zuletzt viertreichsten Unternehmer Thailands geschafft hatte. Nicht umsonst wird er auch als Thailands „Duty-Free-König“ bezeichnet. Wegen ihrer Monopolstellung im Geschäft mit zollfreien Waren ist sein King-Power-Imperium aber nicht unumstritten. Wie kaum ein anderer hat sein Clan, der zur Schicht der chinesisch-stämmigen Unternehmerfamilien gehört, vom Boom im Tourismus profitiert. Das Unternehmen betreibt Geschäfte an beiden Flughäfen der Hauptstadt und in den Provinzen. In der Innenstadt Bangkoks hat es auch mehrere Großkaufhäuser eröffnet.  

          Einen Teil seines Erfolgs verdankte der Unternehmer dabei wohl auch Verbindungen zu dem früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der seit einem Militärputsch im Exil lebt. Der frühere Polizist und Telekommunikationsunternehmer war außerdem mit dem Kauf des britischen Fußballklubs Chelsea ein Wegbereiter für Investoren aus fernöstlichen und osteuropäischen Ländern in der lukrativen britischen Fußballliga. Über die politischen Ansichten und das Privatleben des Duty-Free-Königs war dagegen wenig bekannt. Er hatte Zeit seines Lebens kaum Interviews gegeben. Die politischen Turbulenzen, die seine Heimat seit mehr als einer Dekade immer wieder ins Chaos gestürzt haben, schadeten seinen Geschäften jedenfalls nicht. Seinen Reichtum genoss er dabei durchaus, sei es beim Polo mit Mitgliedern der britischen Königsfamilie, im Casino oder als Liebhaber edler Weine. Zu diesen Annehmlichkeiten gehörte auch, dass er sich regelmäßig nach Heimspielen seines Vereins mit dem Hubschrauber aus dem Stadion fliegen ließ.

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