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Fusion wird abgesagt : Botox und Viagra gehen doch nicht zusammen

  • Aktualisiert am

Pfizer wollte Allergan eigentlich für 160 Milliarden Dollar übernehmen. Bild: AP

Eine 160 Milliarden Dollar große Übernahme in der Pharmabranche ist geplatzt. Ihr Ziel war es, Steuern zu sparen. Das wollen aber die Amerikaner nicht.

          Die 160 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Pharmakonzerns Allergan durch Pfizer ist geplatzt. Das Vorhaben werde einvernehmlich an diesem Mittwoch beendet, teilte Pfizer mit.

          Hintergrund sind neue Maßnahmen der amerikanischen Regierung gegen Steuervermeidung im Zuge solcher Übernahmen. Damit sei der Deal für Pfizer nicht mehr sinnvoll, heißt es nun. Der Konzern aus New York sei nicht zu vertraglichen Änderungen bereit gewesen. Eine Stellungnahme der Unternehmen lag zunächst nicht vor.

          Die amerikanische Regierung hatte am Montag neue Vorschriften bekanntgegeben, die sich gegen die Verlegung von Firmensitzen nach Übernahmen richten. Der Botox-Hersteller Allergan und der Viagra-Produzent Pfizer planten, nach dem Zusammenschluss zum weltgrößten Arzneimittel-Hersteller den Hauptsitz nach Irland zu verlegen, nicht jedoch die operativen Aktivitäten. In Irland sind die Steuersätze deutlich geringer als in den Vereinigten Staaten.

          Mit der Übernahme wäre ein Konzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 60 Milliarden Dollar entstanden. Er hätte den Schweizer Konkurrenten Novartis vom Spitzenplatz des weltgrößten Herstellers verschreibungspflichtiger Medikamente verdrängt. Für Pfizer ist es die nächste Schlappe, nachdem schon die angedachte Akquisition von AstraZeneca am Widerstand des britischen Rivalen scheiterte.

          Pfizer zahlt

          Dem Fusionsabkommen zufolge können beide Seiten das Geschäft absagen, wenn das neue Unternehmen wegen Änderungen im Steuerrecht als amerikanischer Konzern eingestuft werden würde. Allerdings muss die Partei, die absagt, der anderen Geld zahlen - in diesem Fall überweist Pfizer rund 150 Millionen Dollar an Allergan.

          In Amerika haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Konzerne nach Großfusionen ihre Firmensitze ins Ausland verlegt, was massive Steuerersparnisse mit sich bringt. Diese als Inversion bezeichnete Taktik ist in Amerika ein Politikum geworden.

          Selbst die favorisierten Präsidentschaftsbewerber der Demokraten und Republikaner, Hillary Clinton und Donald Trump, sind sich hier ausnahmsweise einig, dass ein Riegel vorgeschoben werden muss. Die Regierung in Washington hatte im Jahr 2014 erste Maßnahmen erlassen. Daraufhin platzte etwa die geplante 55-Milliarden-Dollar-Fusion zwischen Shire und AbbVie.

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