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Verzögerung : Das Berliner Flughafen-Debakel

Bild: dpa

Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg wird verschoben. Es hapert am Brandschutz. Jetzt muss die Kanzlerin 10.000 Gäste vor der Eröffnungsfeier wieder ausladen. Aber nicht nur sie war zu gutgläubig.

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          Kein Anschlag, kein Absturz gottlob. Dennoch wird der 8. Mai 2012 als dunkler Tag in die Berliner Flughafengeschichte eingehen. Wie eine Bombe schlug am Dienstag die Nachricht ein: Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg kann wider alle Pläne nicht am 3. Juni eröffnet werden. Das Flughafenmanagement muss kleinlaut Probleme mit dem Brandschutz eingestehen. Die Sachverständigen werden die Entrauchungsanlage des Terminals nicht mehr rechtzeitig abnehmen. Da im Luftverkehr Sicherheit vor Pünktlichkeit geht, wird der Start in Schönefeld nun zum zweiten Mal verschoben; ursprünglich hatte der neue Flughafen schon im vergangenen Oktober den Betrieb aufnehmen sollen. Nun bleibt die Baustelle.

          Dass Großvorhaben nicht pünktlich fertig werden, ist fast schon der Normalfall in Deutschland. Aber dass die Bundeskanzlerin und 10.000 weitere Gäste zwei Wochen vor der Eröffnungsfeier wieder ausgeladen werden, ist ein beschämender Superlativ. Politiker, Fluggesellschaften und Kunden waren zu gutgläubig. Noch in der Aufsichtsratssitzung Ende April hatte der Brandschutz keine große Rolle gespielt. Die Probleme wurden verkannt oder unterschätzt. Für die Flughafenmanager ist das ein Debakel. Sie bekommen jetzt den Zorn der Politiker zu spüren, für die der Flughafen Prestigeprojekt und Wirtschaftsfaktor ist. Selbst eine nur kurze Verzögerung dürfte viel, viel Geld kosten.

          Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften, Lufthansa und Air Berlin, wollen sich für Berlin kräftig ins Zeug legen - auch wenn hinter der Wirtschaftlichkeit ihres Angebots oft mehr als nur ein Fragezeichen steht. Die Lufthansa will nun in der Not ihre zusätzlichen Flüge im Sommer über die beiden alten Flughäfen Schönefeld und Tegel abwickeln. Das wird nicht leicht, da Tegel schon jetzt aus allen Nähten platzt. Noch schwieriger wird es für die ohnehin schwächelnde Gesellschaft Air Berlin, die in Berlin für ihre Flotte ein Drehkreuz installieren will. Dieses Konzept lässt sich ohne den neuen Flughafen kaum bewerkstelligen. Alle Kunden müssen zittern, ob sie in einigen Wochen wie geplant in die Ferien fliegen oder ihre geschäftlichen Verabredungen einhalten können. Vorerst müssen sie sich dabei mit vagen Zusicherungen zufriedengeben. Gutgläubig können sie nicht mehr sein.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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