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F.A.Z.-Elite-Panel : Vorschusslob der Eliten für die Ampel

Haben viel vor und noch viel Vertrauen: Olaf Scholz und Robert Habeck Bild: dpa

Die deutschen Führungsspitzen begleiten den Start von SPD, Grünen und FDP mit außergewöhnlichem Wohlwollen. Aber die neue Allensbach-Elite-Umfrage birgt auch unerfreuliche Befunde und Handlungsaufträge für die Ampel – nicht zuletzt mit Blick auf China.

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          Die Spitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Deutschland verfolgen den Amtsantritt der Ampelregierung mit außergewöhnlichem Wohlwollen. Das zeigt die aktuelle Elite-Umfrage der Allensbacher Meinungsforscher im Auftrag der F.A.Z. und der Zeitschrift „Capital“. Obwohl sich die Mehrheit der 489 Entscheider einen anderen Wahlausgang gewünscht hätte, sagen 76 Prozent, sie seien mit dem Ergebnis der Koalitionsverhandlungen zufrieden.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Auffällig ist, dass die Zufriedenheit in den oberen Etagen der Unternehmen mit 82 Prozent sogar höher ist als in der Politik. Zwei Drittel der repräsentativ Befragten sehen die Koalition aus SPD, Grünen und FDP als handlungsstark an. Entsprechend traut die Mehrheit Olaf Scholz zu, ein starker Bundeskanzler zu werden und erwartet gute Zusammenarbeit der neuen Partner.

          Allensbach-Chefin Renate Köcher zeigt sich von dem klaren Befund überrascht. Die im Elite-Panel vertretenen Führungsspitzen aus der Wirtschaft neigten eigentlich überwiegend zur Union oder zur FDP, sagte sie der F.A.Z. Die CDU stecke damit in einer ganz schwierigen Lage: „Ihre Anhänger haben der neuen Regierung einen sehr freundlichen Empfang bereitet. Sie blicken nun erst mal auf die Ampel und geben ihr viel Vorschusslorbeer.“ Das könnte daran liegen, dass fast die Hälfte der Führungskräfte im Koalitionsvertrag vor allem die Handschrift der FDP entdeckt hat. Nur knapp ein Fünftel meint, die SPD habe am meisten durchgesetzt, bloße 10 Prozent sehen die Grünen vorn.

          Nicht gefallen dürfte der Union auch, dass die einflussreichen Führungsspitzen die meisten zentralen Vorhaben der Ampel mehrheitlich „richtig“ finden und als fortschrittlich loben. Nur ein Drittel bezweifelt den Nutzen der Ampelpläne für Deutschland. Weit weniger zuversichtlich sind die Entscheider allerdings – ungeachtet ihres Vertrauens auf Scholz’ Führungskraft – , wenn es um die Frage geht, wie viele Vorhaben die Ampel verwirklichen kann. „Generell überwiegt zurzeit die Skepsis, ob die Ampelkoalition bei wichtigen Kernzielen große Fortschritte erreichen wird“, lautet der für SPD, Grüne und FDP dann doch etwas ernüchternde Befund der Umfrage. Das gilt vor allem für die Stabilisierung des Rentensystems, aber auch für den Bürokratieabbau, die Modernisierung der Verwaltung und der Verkehrsinfrastruktur.

          Nur zwei Beschlüssen geben die Eliten eine sichere Chance: der Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro und der Legalisierung von Cannabis. Dass der Kohleausstieg schon 2030 erfolgen kann, glaubt bloß die Hälfte. Das Ziel, 80 Prozent des Stroms bis 2030 aus erneuerbaren Quellen zu produzieren, hält nur ein Viertel für realistisch. Trotzdem wünscht und erwartet die Mehrheit des Panels durchaus, dass die Ampel den Klimaschutz stark voranbringen wird. Keine Illusionen macht man sich aber über die Kehrseite: Drei Viertel befürchten erhebliche Belastungen für Bürger und Wirtschaft. 64 Prozent rechnen mit Problemen bei der Energieversorgung, wenn die letzten drei deutschen Atommeiler Ende des Jahres abgeschaltet werden. Hoffnungen auf ein politisches Umdenken und eine Verlängerung der Laufzeiten macht sich aber nur jeder Vierte.

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