https://www.faz.net/-gqe-6ycnz

Verstaatlichte Immobilienbank : HRE drohen weitere 10 Milliarden Euro Verlust

  • Aktualisiert am

Allein der Schuldenschnitt für Griechenland kostet die Bad Bank der HRE fast 9 Milliarden Euro. Bild: AP

In der Abwicklungsanstalt der maroden Hypo Real Estate türmen sich die Risiken. Die verstaatlichte Immobilienbank könnte die deutschen Steuerzahler noch mal bis zu 10 Milliarden Euro kosten. Ihr früherer Chef beharrt indes auf einer Millionenabfindung.

          2 Min.

          Die Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) bleibt für den Steuerzahler ein Fass ohne Boden. Nach neuen Milliarden-Belastungen wegen des Schuldenschnitts für Griechenland, dürften in den kommenden Jahren weitere Milliardenverluste anfallen. Einem Bericht des „Spiegel“ zufolge geht aus einem bislang internen neuen Abwicklungsplan hervor, dass bis 2020 weitere 10 Milliarden Euro Verlust hinzukommen könnten.

          Teurer Schuldenschnitt

          Der Bund will die HRE, die inzwischen unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank (PBB) auftritt, möglichst wieder verkaufen. Die HRE macht inzwischen zwar wieder Gewinn.
          Möglich ist das aber nur, weil hochriskante Anlagen von insgesamt 176 Milliarden Euro in eine Abwicklungsanstalt, eine sogenannte Bad Bank, ausgelagert wurden. Die FMS Wertmanagement soll diese möglichst wieder zu Geld machen.

          Doch allein der Schuldenschnitt für Griechenland kostet die Bad Bank fast 9 Milliarden Euro: Vor der Umtauschaktion hatte sie 8,2 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen und 2,5 Milliarden Euro an Derivaten und Anleihen von staatlichen griechischen Unternehmen. Diese Forderungen werden durch die Umschuldung um 75 Prozent reduziert. Die FMS hatte dafür 5,8 Milliarden Euro an Vorsorge getroffen. Am Freitag verkündete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dass weitere 3,1 Milliarden Euro fällig würden. Für die Bad Bank der HRE steht der Bankenrettungsfonds Soffin gerade, am Ende also der Staat.

          „Mein Lebenswerk ist da zertreten worden“

          Der frühere Vorstandsvorsitzende der mit Steuergeld vor dem Zusammenbruch geretteten HRE, Georg Funke, beharrt nichtsdestotrotz auf 3,5 Millionen Euro Abfindung und 47.000 Euro Rente, weil sein Vorstandsvertrag bei der HRE eigentlich bis 2013 lief, er aber schon im Herbst 2008 gehen musste. „Man macht mich stellvertretend für sämtliche Verfehlungen in der Bankenbranche verantwortlich“, sagte Funke nach jahrelangem Schweigen der „Bild“-Zeitung. „Mir wird Unsinniges und Falsches unterstellt.“ Seine Millionenklage sei berechtigt: „Für den Fall meines Ausscheidens gab es klare, vertragliche Vereinbarungen. Nur weil ich in der Öffentlichkeit schon zum bösen Buben gemacht wurde, verzichte ich nicht auf meine Pensionsansprüche.“

          In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender brach die Hypo Real Estate vor vier Jahren fast zusammen. Bis zu 142 Milliarden Euro musste der Staat an Bürgschaften und Kapitalspritzen aufbringen, um die Bank zu retten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und unrichtige Darstellung der Unternehmensverhältnisse gegen ihn. Aktionäre hatten ihm vorgeworfen, viel zu spät auf die desolate Lage des Unternehmens hingewiesen und damit massive Aktienkursverluste ihrerseits verschuldet zu haben. Funke hingegen wertet die Verstaatlichung der dadurch vor der Pleite geretteten Bank als Fehler: „Mein Lebenswerk ist da zertreten worden.“

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Vorbild für Moskau: Ein Mann lässt sich in der russischen Hauptstadt am Donnerstag mit dem Vakzin Sputnik V impfen

          Impfen in Russland : Moskau prescht mit Pflichtimpfung vor

          Moskaus Bürgermeister und drei weitere russische Regionen verpflichten Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter gegen das Coronavirus zu impfen. Der Kreml hingegen zögert angesichts der Impfunwilligkeit der Russen.
          Naomi Osaka in einem Archivbild von 2019. Die 23-Jährige wird nicht in Wimbledon spielen.

          Nach Rafael Nadal : Auch Naomi Osaka verzichtet auf Wimbledon

          Die 23-Jährige hatte jüngst enthüllt, dass sie unter Depressionen leidet. Zur Olympiade in ihrem Heimatland Japan wolle sie aber antreten. Nach der gesundheitlich bedingten Absage von Nadal fehlt Wimbledon damit ein zweiter Superstar.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.