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Versorgungsengpass bei Helium : Luftballonkrise in der Party-Branche

Helium ist nicht nur für Luftballons wichtig. Bild: AP

Das Edelgas ist knapp und teuer. Helium ist wichtig für die Produktion elektronischer Geräte und in der Medizin. 75 Prozent des weltweiten Verbrauchs werden aus nur drei Quellen gedeckt.

          Wenn Unternehmen schlechte Geschäftszahlen vorlegen, erklären sie das bisweilen mit Dingen, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Also zum Beispiel zu kaltem oder zu warmem Wetter. Aber eine Begründung, wie sie kürzlich Party City gab, eine amerikanische Kette von rund 900 Läden für Partyzubehör, hört man nicht alle Tage: Party City meldete einen Umsatzrückgang in seinen Filialen und machte dafür die Knappheit von Helium verantwortlich.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Unternehmen braucht das chemische Element, das leichter als Luft ist, für das Aufblasen seiner Luftballons. Vorstandsvorsitzender James Harrison sagte, der Mangel an Helium habe die „Latex- und Metallic-Luftballon-Kategorien“ von Party City belastet. In einer Telefonkonferenz mit Analysten fiel das Wort „Helium“ mehr als fünfzig Mal. Harrison sagte, Luftballons seien für sein Unternehmen „Schlüsselprodukte“. Sie gelten auch als besonders profitabler Teil des Geschäfts.

          Tatsächlich sind in den Läden des Händlers ganze Wände mit Luftballons zu den verschiedensten feierlichen Anlässen wie Geburtstagen und Hochzeiten dekoriert. Die Luftballons helfen dem Unternehmen, im Amazon-Zeitalter zu bestehen. Sie sind ein Argument, in die Läden zu kommen, anstatt Partyzubehör online zu kaufen, da sie vor Ort mit Helium gefüllt werden. Doch das Gas ist knapp geworden, so dass Luftballons mit Helium in vielen Geschäften teurer geworden sind, bisweilen ist es auch gar nicht verfügbar. Party City gibt jetzt auf seiner Internetseite Anregungen für „kreative Luftballonideen“, die kein Helium erfordern. Also zum Beispiel die Ballons mit gewöhnlicher Luft aufzublasen und an die Wand zu kleben, so dass sie eine Art Girlande formen und nicht auf den Boden fallen.

          Wichtigere Anwendungen als Partyspaß

          Helium mag vielen Menschen vor allem als Füllmittel für Luftballons bekannt sein – oder als das Gas, das nach dem Einatmen die Stimme wie Mickey Mouse klingen lässt. Aber es hat auch eine ganze Reihe anderer und viel ernsthafterer Verwendungszwecke. Es wird zum Beispiel für die Produktion von Halbleitern genutzt und ist daher ein wichtiger Baustein in der Lieferkette für elektronische Geräte. Es hat wichtige medizinische Anwendungen und fungiert als Kühlmittel in Magnetresonanztomografen. Es kommt in Produkten wie Airbags oder Atemgeräten für Tiefseetaucher zum Einsatz.

          Eine Knappheit von Helium hat also gravierendere und weiterreichende Folgen als verdorbenen Partyspaß. Der Branchenexperte Phil Kornbluth von der Beratungsgesellschaft Kornbluth Helium Consulting sagt aber, dass der Engpass für die Partybranche womöglich besonders akut ist, weil sie größere Schwierigkeiten als andere Industrien zu haben scheint, an Helium heranzukommen. Das könnte nach seiner Auffassung damit zu tun haben, dass ihr geringere gesellschaftliche Bedeutung zugemessen wird.

          Drei Quellen versorgen fast die ganze Welt

          Helium ist im gesamten Universum eigentlich das zweithäufigste Element nach Wasserstoff. Auf der Erde ist das Edelgas aber viel seltener und auch eine endliche und nicht erneuerbare Ressource. Es wird aus der Erde gefördert, oft als Nebenprodukt von Erdgas. Die Nachfrage nach Helium ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, aber das Angebot hat damit nicht Schritt gehalten.

          Nach Angaben der Branchenpublikation „Gasworld“ kommen 75 Prozent des auf der ganzen Welt verbrauchten Heliums aus drei Quellen, davon sind zwei in den Vereinigten Staaten und eine im Wüstenstaat Qatar. Der gegenwärtige Engpass begann nach Angaben von Heliumfachmann Kornbluth im vergangenen Jahr und wird in der Branche unter anderem auf einen zwischenzeitlichen Versorgungsstopp aus Qatar zurückgeführt.

          Zudem hat sich ein neues Projekt zur Heliumproduktion in dem Emirat verzögert. Mit einer Entspannung auf dem Heliummarkt rechnet Kornbluth frühestens im nächsten Jahr, falls dann die neue Anlage in Qatar ihren Betrieb aufnimmt. Für die Zukunft gebe es auch vielversprechende Projekte in Russland und Kanada. Allerdings wird 2021 auch eine der beiden amerikanischen Quellen wegfallen.

          Derweil ist für Party City die Heliumknappheit gerade im Moment sehr schmerzhaft, denn in den Frühlingsmonaten gibt es besonders viele feierliche Anlässe: Etwa Abschlussfeiern an amerikanischen Universitäten oder den Muttertag, außerdem ist dies eine beliebte Zeit für Hochzeiten. Immerhin sieht das Unternehmen Grund zur Hoffnung, dass der Engpass weniger akut wird. Vorstandschef Harrison sagte bei der Vorlage von Zahlen, das Unternehmen habe einen neuen Lieferanten für Helium aufgetan und eine entsprechende Übereinkunft geschlossen. Allerdings gab er auch zu, dass noch nicht gesichert sei, wie groß die Heliumvorkommen in den betreffenden Gegenden seien, in denen dieser Lieferant das Edelgas fördern will. „Am Ende wird Mutter Erde entscheiden, ob diese Felder eine für das Erreichen unserer Ziele angemessene Menge an Helium haben oder nicht.“

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