https://www.faz.net/-gqe-3onl

Versicherungsmarkt : Lloyd's: Zwischen Gestern und Morgen

  • Aktualisiert am

Lloyd's of London: Tradition contra Neuanfang Bild: Lloyd's

Beim Versicherungsmarkt Lloyd's stehen radikale Reformen an. Nach fünf Jahren Verlusten soll der Traditionskonzern fit für die Zukunft gemacht werden.

          2 Min.

          Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd's of London kämpft derzeit mit seiner eigenen Vergangenheit ,um endlich den Schritt in eine bessere Zukunft zu machen. Noch nie in seiner 300-jährigen Geschichte standen dem Markt grundlegendere Veränderungen bevor als heute - denn die Privatinvestoren, die sogenannten "Names", die bis Ende der 80-er Jahre das Rückgrat des Marktes bildeten, sollen entmachtet werden.

          Ein Privatinvestor bei Lloyd's of London zu sein, gehörte innerhalb der englischen und teilweise auch der amerikanischen Oberschicht beinahe schon zum guten Ton. Satte zweistellige Renditen waren mehr die Regel als die Ausnahme, und so zeichneten die "oberen Zehntausend" verschiedenste Versicherungsrisiken, um ansehnliche Prämien zu kassieren. Sie teilen bei Versicherungsverträgen das Risiko und die Prämien unter sich auf und stehen dafür im Schadensfall mit ihrem gesamten privaten Vermögen gerade. Ihren Höhepunkt erreichten die Names in den 80-er Jahren, als ihr Kreis auf 34.000 Personen angestiegen war.

          Names, eine aussterbende Spezies

          Doch der Absturz kam schnell. Infolge einer Schadenskette aus Asbestansprüchen in den Vereinigten Staaten sowie verschiedenster Naturkatastrophen zwischen 1988 und 1992 kam das große Investorensterben. Viele endeten im Bankrott; einige nahmen sich sogar das Leben.

          Zudem wurden nach der schweren Krise auch Unternehmen am Markt zugelassen. Die Zahl der Privatinvestoren, die mit unbegrenzter Haftbarkeit ausgestattet waren, schmolz bis heute auf 2.500 Personen zusammen. Darüber hinaus existieren nach Angaben von Robert Miller, Sprecher der Association of Lloyd's Members (ALM), noch einige hundert Anleger, die sich auf Basis einer limitierten Haftung engagieren. Zusammengenommen tragen sie lediglich noch rund drei Milliarden Pfund beziehungsweise 20 Prozent zum Lloyd's Kapital bei. Die restlichen 80 Prozent oder rund zwölf Milliarden Pfund werden mittlerweile von Unternehmensinvestoren wie zum Beispiel der Münchener Rück oder AIG aufgebracht.

          Mit Reformen gegen die Krise

          Trotzdem steckt der Markt noch tief in der Krise. Im vergangenen Jahr wurde ein Rekordverlust von 3,1 Milliarden Pfund geschrieben. So bleibt dem zum Ende des laufenden Jahres ausscheidenden Lloyd's-Vorsitzenden Sax Riley gar keine andere Wahl, als möglichst rasch durchzugreifen. Bis zu seinem Ausstieg will er den Versicherungsmarkt neu aufstellen und nach fünf Verlustjahren in Folge wieder in die Gewinnzone bringen. Die geplante Reform sieht vor, dass die unlimitierte Haftung von 2005 an nicht mehr möglich sein soll. Ein Vorschlag der unter den Names auf wenig Gegenliebe trifft, da sie bei unbegrenzter Haftung die Verluste steuersparend mit ihren anderen Einkünften verrechnen können.

          "Lloyd's sollte eine liberale, kapitalistische Institution bleiben, und die Führung sollte nicht zu viele Vorschriften machen", bringt ein Sprecher des Lobbyverbandes ALM die Stimmung unter den Privatanlegern auf den Punkt. Doch Riley plant noch mehr. So sollen die Investoren zukünftig von einem "Franchise-Board", eine Art Marktaufsicht, stärker kontrolliert werden dürfen. Zudem soll die bisherige Finanzberichterstattung mit dreijähriger Verspätung zu Gunsten einer jährlichen Bilanzierung aufgegeben werden. Riley will mit diesen Schritten den Versicherungsmarkt zurück zu seiner alten Wettbewerbsfähigkeit treiben, denn wichtige Konzerninvestoren haben ihr Kapital bereits abgezogen.

          Für Spannung ist gesorgt

          Das die vor allem für die Unternehmensinvestoren günstigen Reformen auf der Hauptversammlung am 12. September angenommen werden, scheint auf Grund des zu Gunsten der Unternehmer geänderten Stimmrechts mehr als sicher. Es wurde bereits durchgesetzt, dass die Stimmgewichte dem gezeichneten Kapitalanteil zugeordnet werden. Trotz allem könnte der Konzernführung noch Ungemach drohen.

          Sollte eine außerordentliche Hauptversammlung durchgesetzt werden, was nach Angaben des ALM bei der Umsetzung aller einzelnen Reformvorhaben möglich wäre, gelte das alte Stimmrecht - "one man, one vote". Neben den 2.500 privaten Anlegern gibt es noch Tausende, die nicht mehr neue Risiken zeichnen, aber Vermögen noch in einem Syndikat, einer Art Mini-Versicherung, halten. Vor diesem Hintergrund scheint die Anzahl groß genug, um die 800 Unternehmensinvestoren überstimmen zu können.

          Weitere Themen

          Arbeitslosenzahl sinkt im November Video-Seite öffnen

          Trotz Teil-Lockdown : Arbeitslosenzahl sinkt im November

          Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist trotz neuer Corona-Beschränkungen im November gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im November 2,699 Millionen Menschen arbeitslos, 61.000 weniger als noch im Oktober.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.