https://www.faz.net/-gqe-a7sn5

Selbstverpflichtung : Versicherer wollen schnell klimaneutral werden

Kohleabbau (wie hier in Brandenburg) wollen Versicherer künftig weder versichern noch finanzieren. Bild: dpa

Die Branche hat sich einen 25-Punkte-Plan verpasst. So sollen sich die Gesellschaften Stück für Stück aus dem Versicherungsschutz für und der Kapitalanlage in CO2-intensive Industrien zurückziehen. Auch zu ihrem eigenen Vorteil.

          2 Min.

          Die deutschen Versicherer haben einen 25-Punkte-Plan ausgearbeitet, wie sie die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 erreichen wollen. Darin verpflichten sie sich dazu, die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) einzuhalten, ihre Kapitalanlage auf diese Ziele auszurichten und Versicherungsschutz an Private und Unternehmen nur noch so zu gewähren, dass der Klimaschutz eingehalten wird. „Versicherungen werden grüner werden“, versprach Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands GDV. Die Ziele seien ehrgeizig, die Assekuranz gehe mit ihrem Plan über gesetzliche Vorgaben hinaus.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Versicherer können vor allem auf zwei Wegen zum Klimaschutz beitragen: in der Kapitalanlage, denn mit einem Portfolio von 1,7 Billionen Euro zählen sie zu den wichtigsten institutionellen Anlegern, und im Versicherungsgeschäft. Aktuell ziehen sich verschiedene Gesellschaften aus Risiken zurück, die sich aus dem Betrieb von Kohlekraftwerken oder Gaspipelines ergeben. In dem Plan „bekennen sich Versicherer zu dem langfristigen Ziel, keine gewerblichen und industriellen Risiken mehr ins Portefeuille zu nehmen, die den Transformationsprozess zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft negieren“. In den kommenden Jahren dürfte es also für Betreiber von CO2-intensiven Industrien schwerer fallen, diese durch eine Versicherung zu schützen.

          Die 25 Punkte des GDV folgen der Logik der nachhaltigen Geldanlage mit den Kriterien Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (nach den englischen Anfangsbuchstaben ESG genannt). Ein Punkt, der wenig mit dem ersten und mehr mit den beiden weiteren Kriterien zu tun hat, ist die Vielfalt der Bevölkerung, die künftig in den Führungsgremien der Branche widergespiegelt werden soll.

          Versicherer sehen sich als geeignete Partner in der Energiewende

          Gerade die langfristig angelegte Kapitalanlage etwa in der Lebens- und Haftpflichtversicherung gemahne daran, „die Chancen des Übergangs zu einer nachhaltigen und kohlenstoffarmen Wirtschaft zu nutzen“, heißt es in dem Papier. „Wir sind prädestinierte Partner für die Energiewende und Investitionen in nachhaltige Infrastruktur. Die Debatte um nachhaltige Kapitalanlage werden wir prägen und fördern“, sagte Asmussen. Dabei beklagt die Branche, durch zu strenge Aufsichtsregeln von der angestrebten Rolle als Financier der Energiewende nicht ausreichend zur Geltung kommen zu können.

          Ihre eigenen Vorgaben für eine nachhaltige Kapitalanlage wollen die Versicherer kontinuierlich weiterentwickeln. Auf diesem Weg soll die gesamte Kapitalanlage der Branche bis zum Jahr 2050 klimaneutral angelegt sein – das heißt, durch keine der Aktivitäten, in die Versicherer ihr Kundengeld anlegen, sollen weitere Treibhausgasemissionen entstehen. Die Positionsbestimmung des GDV-Präsidiums folgt der Logik der internationalen Klimapolitik, sie formuliert Prinzipien, auf die sich 530 deutschen Versicherer gegenüber ihren Kunden und der Gesellschaft.

          Schon in fünf Jahren sollen in der Schadenregulierung Nachhaltigkeitskriterien etabliert sein. Das geschehe auch im eigenen Interesse. „Das für Deutschland vergleichsweise schadenarme Naturgefahrenjahr 2020 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Klimawandel eine der maßgeblichen Einflussfaktoren für die künftige Entwicklung der Versicherungswirtschaft liegt“, sagte Asmussen. Um die eigene Exponierung gegenüber Klimarisiken besser einschätzen zu können, erhoffen sich die Gesellschaften schon bald Erkenntnisse durch Klimastresstests. Die Rentabilität der Kapitalanlagen müssten nicht darunter leiden, dass sich die Versicherer zur Nachhaltigkeit verpflichten. Das hätten Untersuchungen der vergangenen Jahre gezeigt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gallionsfigur: Luisa Neubauer bei den Protesten für Klimagerechtigkeit im vergangenen Jahr

          Junge Klimaschützer : Fridays for Revolution

          Die Aktivisten von Fridays for Future wollten überparteilich sein. Sind sie es noch? Einige Töne klangen zuletzt eher nach einer linksradikalen Splittergruppe.
          Wer wird die Wahl gewinnen? Der Volkswagen ID.3 ist einer der sieben Finalisten.

          Car of the year 2021 : Wählen Sie Ihren Favoriten!

          Der bedeutendste Preis in der Automobilbranche wird an diesem Montag vergeben. Wir wollen von Ihnen wissen, welches Ihr „Auto des Jahres 2021“ ist. Stimmen Sie ab.

          Oprah Winfrey : Bei ihr ist nichts tabu

          Oprah Winfrey hat Einfluss und eine besondere Gabe: Sie bringt Menschen zum Reden. In einer Woche wird ihr Interview mit Prinz Harry und Meghan ausgestrahlt. Am Sonntagabend wurden bereits Ausschnitte veröffentlicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.