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Versicherer : Personalabbau allenthalben

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Walter Thießen, Chef der AMB Generali Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Für den Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns AMB Generali, Walter Thießen, ist der Stellenabbau bei der Allianz nur ein erster Schritt des noch bevorstehenden Personalabbaus in der deutschen Assekuranz. Seine Prognose läuft auf den Abbau von bis zu 60.000 Arbeitsplätzen hinaus - ein Viertel aller Stellen der Branche.

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          Wenn Walter Thießen recht behält, ist der Stellenabbau bei der Allianz nur ein erster Schritt des noch bevorstehenden massiven Personalabbaus in der deutschen Assekuranz. Der Vorstandsvorsitzende des Aachener Versicherungskonzerns AMB Generali erwartet, daß in den kommenden Jahren bis zu 25 Prozent der Stellen gestrichen werden.

          Bei einem Personalbestand von derzeit fast 240.000 festangestellten Mitarbeitern liefe seine düstere Prognose auf den Abbau von bis zu 60.000 Arbeitsplätzen hinaus. Der drittgrößte deutsche Erstversicherer, zu dem unter anderem die AachenMünchener, die Volksfürsorge und Cosmos Direkt gehören, bildet in dieser Entwicklung keine Ausnahme. Trotz deutlich gestiegener Erträge hatte Thießen im März angekündigt, daß bis 2008 mindestens tausend weitere Vollzeitstellen gestrichen werden müßten. Zuvor waren dem Rationalisierungsdruck seit 2002 bereits rund 1.800 der ehemals etwa 19.300 Arbeitsplätze zum Opfer gefallen.

          Beschäftigungszahlen seit Jahren steil nach unten

          Das Jahr 2002 markierte die Wende. Nachdem die Branche seit Anfang der neunziger Jahre noch Zehntausende neuer Mitarbeiter eingestellt hatte, zeigen die Beschäftigungszahlen seitdem steil nach unten. Die Schwächephase an den Börsen hat finanzielle Reserven gekostet und den Rationalisierungsdruck erhöht. Die wachsende Konkurrenz durch den Direktvertrieb über das Internet spielt ebenso eine Rolle wie die gestiegenen Renditeerwartungen der Anteilseigner. Hinzu kommen Fusionen und Übernahmen, die weitere Arbeitsplätze überflüssig machen werden. Verdüstern könnte sich das Bild noch durch die Gesundheitsreform, welche die privaten Krankenversicherer um ihr Geschäft bangen läßt.

          Allein im vorigen Jahr haben die deutschen Versicherungen rund 7000 Arbeitsplätze gestrichen. Die meisten Gesellschaften versuchen, den Personalabbau möglichst sozialverträglich zu bewältigen. Bei der Kölner Axa ist eine Betriebsvereinbarung über den Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen bis 2012 verlängert worden. Im Gegenzug hat sich die Arbeitnehmerseite zu größerer Flexibilität und Mobilität verpflichtet. 8200 Menschen arbeiten in Deutschland noch für den französischen Konzern, etwa 1800 weniger als vor zwei Jahren. Weitere Stellen könnte die Integration der zugekauften DBV-Winterthur kosten. Die ebenfalls in Köln beheimatete Gothaer Versicherung hat ihre Belegschaft 2005 von rund 6400 auf 5800 Leute reduziert. Seit 2002 ist die Zahl der Mitarbeiter dort um insgesamt mehr als 1200 geschrumpft.

          Gerling-Mitarbeiter zittern bis Ende Juli

          Für den Versicherungsstandort Köln ist die Schließung der Allianz-Niederlassung der zweite schwere Schlag nach der Übernahme des traditionsreichen Gerling-Konzerns durch die Talanx AG aus Hannover. Angeblich sind bis zu 2000 der nunmehr insgesamt knapp 17.000 Arbeitsplätze des Konzerns bedroht. Vor allem unter den 6240 Gerling-Mitarbeitern ist die Furcht groß. Das Zittern wird noch bis Ende Juli dauern, wenn sich die Konzernspitze erstmals zu den Details der Umstrukturierung äußern will. Fest steht allerdings bereits, daß die Industrieversicherung am stärksten betroffen sein wird, weil es dort die größten Überschneidungen gibt.

          Nur in Koblenz wird ausgebaut

          Ähnlich ist das Bild bei Ergo, dem nach der Allianz zweitgrößten deutschen Erstversicherer: Die Gruppe (Victoria, Hamburg-Mannheimer, D.A.S. DKV) hat im vorigen Jahr rund tausend Arbeitsplätze gestrichen. Auch dort ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht: Erst im März wurde ein zweites Sparpaket angekündigt, mit dem Kosten bis 2008 um weitere 200 Millionen Euro gedrückt werden sollen. Was das für die Arbeitsplätze bedeutet, ist noch unklar. Aber es gibt auch Ausnahmen. Eine von ihnen ist die Koblenzer Debeka. Der führende deutsche Krankenversicherer hat seinen Kundenstamm und die Belegschaft in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiter ausgebaut.

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