https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/veronika-grimm-ist-neue-wirtschaftsweise-und-energie-expertin-16731094.html

Energie-Expertin Grimm : Die Klimaretterin

Veronika Grimm, 48, ist neues Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Bild: Giulia Iannicelli

Veronika Grimm ist die neue Energie-Expertin im Rat der Wirtschaftsweisen. Der Öffentlichkeit ist sie bisher nicht besonders aufgefallen. Das muss für sie kein Nachteil sein.

          6 Min.

          Fußballfans gibt es in der Wirtschaftswelt genügend. Aber nicht jeder wird gleich zum Trainer. Veronika Grimm schon. Die Ökonomin ist Dekanin ihrer Fakultät in Nürnberg und wurde gerade erst in den Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen berufen. Und sie ist eben Fußballtrainerin, für die E-Jugend-Mannschaft ihrer Tochter. „Fußball ist ein super Sport: Du lernst, im Team zu spielen, im Fußball musst du auch die Schwachen mitnehmen, sonst reißt du als Mannschaft gar nichts. Aber auf der anderen Seite will sich doch jeder durchsetzen, will jeder eingesetzt werden. Dieses Zusammenspiel von Kooperation und Wettbewerb, das ist am Mannschaftssport besonders faszinierend.“

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn sich zwei unterschiedliche Perspektiven ergänzen, dann ist das immer wieder eine Sache für die Energie-Expertin. Kooperation und Konkurrenz, Markt und Staat, Naturwissenschaften und Ökonomie. Das wird den Sachverständigenrat verändern.

          Keine Frage: Schon in den vergangenen Jahren waren die Ökonomen längst nicht mehr so ideologisch, wie man es aus früheren Jahren gewohnt war. Als der Sachverständigenrat im vergangenen Jahr ein Sondergutachten zur großen Klimafrage abgab, da ging es längst nicht nur um die großen Glaubensfragen von Markt und Staat, sondern da stand eine kleinteilige Tabelle von Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Instrumente, vom komplizierten Ordnungsrecht mit Regeln für einzelne klimaschädliche Verhaltensweisen bis zu einer Ausweitung des europäischen Emissionshandels, der dann allumfassend wäre. Doch auch die Grundsatzfragen der Energiepolitik sind im Rat ausführlich diskutiert worden. Selten gab es in Deutschland eine eloquentere und sachkundigere Verteidigung des teuren Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) als im Jahresgutachten 2016 vom damaligen Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, während die Ratsmehrheit mindestens ebenso gut erklärte, warum sie das EEG „spektakulär ineffizient“ fand. Es war ein brillantes Kapitel zur deutschen Klimapolitik, das in der öffentlichen Debatte viele Menschen schlauer gemacht hätte, wenn sie es denn gelesen hätten. Dass es allerdings die Meinung von auch nur einem Staatssekretär geändert hätte, ist nicht überliefert. In politischen Grundsatzfragen sind viele Leute in ihrer Meinung dann doch recht fest, vor allem wenn das auch noch ihren beruflichen Lebensinhalt ausmacht.

          Man lebt nur in der zweitbesten Welt

          Mit Veronika Grimm könnte es anders laufen. Nicht dass sie bei den großen Fragen nicht mitreden könnte und keine Meinung hätte. Aber sie hält sich damit nicht so lange auf. Die beste Lösung, die sich Ökonomen wünschen, ist ja in der Praxis meistens sowieso nicht erreichbar. „Im Klimabereich ist ein CO2-Preis das wichtigste Instrument. Man könnte sich guten Gewissens zurücklehnen – wenn wir einen angemessenen CO2-Preis als Leitinstrument hätten und auch nicht diese umfangreichen Umlagen und Abgaben auf den Strompreis“, sagt sie und zeigt damit, dass sie in dem alten Streit eher CO2-Zertifikate oder CO2-Steuern gut findet. Doch das EEG ist nun mal da, verteuert auch klimaneutralen Strom und bremst auf diese Weise die Energiewende derzeit aus. Man lebt also in der „zweitbesten Welt“, wie Ökonomen gerne sagen. Da denkt Grimm lieber auch darüber nach, wie man unter den Zwängen der Praxis zur besten Lösung kommt. „Dann muss man sich überlegen: Wie kommt man relativ schnell auf einen zukunftsweisenden Pfad, ohne nur auf eine Erhöhung der CO2-Preise zu pochen, weil wir in unseren politischen Strukturen für diese Lösung wahrscheinlich nicht schnell genug sind. Natürlich kann man sich das wünschen, aber die Realität ist eine andere.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neuwied: Ein LKW tankt an der ersten LNG -Tankstelle in Rheinland-Pfalz.

          Unklare Gasversorgung : Deutschland droht ein kalter Herbst

          Ein Loslösen vom russischen Gas ist ohne Wohlstandsverlust nicht möglich. Die Verantwortlichen versäumten es, rechtzeitig auf Flüssiggas umzusatteln. Das liegt nicht nur an politischer Kurzsichtigkeit.
          Für SPD-Kanzler Olaf Scholz wird das regieren in der Ampel mit dem Ergebnis der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wohl nicht einfacher.

          Nach der Wahl in NRW : Schieflage für Scholz

          Läuft es nun in Kiel und Düsseldorf auf schwarz-grüne Koalitionen hinaus? Das würde die Grünen vom Berliner Bündnis entfernen. Die FDP stünde vor einem Scherbenhaufen – und sogar Merz müsste bangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis