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Vermögen : Die Krise macht die Milliardäre arm

  • -Aktualisiert am

Nur für Besserverdiener: Rolls-Royce-Kühlerfigur „Emily” Bild: picture-alliance / dpa

Das vergangene Jahr hat gigantische Vermögen vernichtet. Das trifft besonders die Reichen. Manche von ihnen fühlen sich schon als neue Mittelschicht. Tatsächlich hat die Krise etwas bewirkt, das man ihr gar nicht zugetraut hätte: Sie hat die Gesellschaft wieder ein bisschen gleicher gemacht.

          Hellmut Wempe weiß sofort, wenn den Wohlhabenden des Landes nicht wohl ist. Der 77 Jahre alte Seniorchef der Juwelierkette Wempe kann das an den Zahlen ablesen, die seine Geschäfte liefern. Geht es den Besserverdienern gut, geht es auch Wempe gut. Derzeit scheint die Stimmung in der Oberschicht gedämpft zu sein. "Der Umsatzrückgang ist spürbar", sagt Wempe. In Deutschland rechnet er in diesem Jahr mit knapp zehn Prozent Minus, in Amerika mit minus 30 Prozent, in Madrid sieht es noch schlechter aus.

          Während die Wempe-Läden in gewöhnlichen Innenstadtlagen noch gut laufen, haben sie in Luxuslagen Probleme. An der Frankfurter Goethestraße, der Flaniermeile der Investmentbanker, sank der Umsatz im ersten Halbjahr 2009 um 17 Prozent, an der Düsseldorfer Königsallee sogar um 27 Prozent. Der Befund ist eindeutig: Die Reichen der Welt haben zu sparen begonnen. "Die Übermutkäufe bleiben aus", sagt Wempe, "wer schon lange eine schöne Uhr haben wollte, der kauft sie auch jetzt noch. Aber die dritte Uhr, die ausgefallene mit dem grünen Ziffernblatt, die will jetzt keiner mehr."

          Lange galt der Luxusmarkt als krisensicheres Geschäft

          Das trifft alle Luxusmarken. Bulgari meldete im ersten Quartal des Jahres 23 Prozent weniger Umsatz, der Gewinn sank um beinahe 30 Prozent. De Beers, der größte Diamantenhersteller der Welt, stellte seine Produktion zeitweise fast ganz ein. Auch Chanel, Gucci und Tiffany's erleben schlechte Zeiten. Den Wohlhabenden sitzt das Geld nicht mehr so locker wie in den vergangenen Jahren. Sie sind vorsichtiger geworden, überlegen länger, schauen auf den Preis.

          Das ist erstaunlich, galt doch der Luxusmarkt lange als krisensicheres Geschäft. Doch in dieser Krise ist alles anders. Sie hat Milliardenvermögen zu Millionenvermögen dezimiert. Und sie hat zunächst die Oberschicht getroffen: diejenigen, die über ein nennenswertes Vermögen verfügen und nicht bloß 20.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto horten.

          Viele dieser ganz Reichen sind im vergangenen Jahr deutlich ärmer geworden - zumindest auf dem Papier. Denn ihre Unternehmen und ihre Beteiligungen haben an Wert verloren. Nach dem Global Wealth Report der Unternehmensberatung Capgemini und der Bank Merrill Lynch ist die Zahl der Millionäre weltweit erheblich geschrumpft. Hatten 2007 noch rund 10 Millionen Menschen ein Vermögen von einer Million Dollar oder mehr zur freien Verfügung, so waren es 2008 nur noch 8,6 Millionen.

          Die Forbes-Milliardärsliste ist deutlich kürzer

          Auch die Milliardärsliste des amerikanischen Magazins Forbes ist jetzt deutlich kürzer (siehe: Bildergalerie: Arme Milliardäre). Im März 2008 führte sie noch 1125 Milliardäre auf. Ein Jahr später waren es nur noch 793 - damit waren sagenhafte 1,4 Billionen Dollar aus der Liste verschwunden. Die Verluste Einzelner waren dabei gigantisch: Warren Buffett beispielsweise soll im März 2009 ganze 25 Milliarden Dollar weniger besessen haben als im Jahr zuvor. Familie Schaeffler soll um immerhin fünf Milliarden Dollar erleichtert worden sein.

          Während die Reichen auch in Deutschland ärmer wurden, hat die Krise die Armen hierzulande bisher kaum getroffen. Denn viele von ihnen beziehen Sozialleistungen, die genauso weiter gezahlt werden wie zuvor. Ein nennenswertes Vermögen besitzen sie ohnehin nicht. Auch die Mittelschicht ist nur teilweise belastet. Kurzarbeit lässt zwar die Einkommen in der Industrie schrumpfen und auch bescheidenere Aktiendepots haben natürlich an Wert verloren. Die große Entlassungswelle aber, die den Abstieg vieler Mittelschichtler in die Unterschicht bedeuten könnte, ist bislang ausgeblieben.

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