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Verlust von rund 720 Millionen Euro : Affäre Monte dei Paschi erreicht EZB-Präsident Draghi

  • -Aktualisiert am

Altehrwürdig: Ein Salon im Inneren der Bank in Siena Bild: dpa

Die Affäre um die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena bedrängt auch Mario Draghi. Denn der heutige Chef der Europäischen Zentralbank war oberster Bankenaufseher seines Landes, als die nebulösen Geschäfte über die Bühne gingen, die die älteste Bank der Welt nun in den Fokus der Justiz und ins Scheinwerferlicht der Weltpresse ziehen.

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          Die Krise der drittgrößten italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena und der Skandal der nicht bilanzierten Derivate mit einer Lücke von angeblich mehr als 700 Millionen Euro erreicht den früheren italienischen Notenbankchef Mario Draghi, der von 2005 bis 2011 als Gouverneur der Banca d’Italia auch Bankenaufseher war und heute Präsident der Europäischen Zentralbank ist.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Für Draghi ist der Fall heikel, weil er einen Vorgeschmack darauf gibt, in welche Schwierigkeiten die EZB in ihrer neuen Rolle in der Bankenaufsicht geraten kann.

          Monte dei Paschi hat durch Derivate- und andere Handelsgeschäfte Verluste von etwa 720 Millionen Euro angehäuft. Die riskanten Geschäfte wurden vor einigen Jahren getätigt.

          In Italien wurden allerdings Schuldzuweisungen an die italienischen Bankenaufseher zurückgewiesen. Draghis Nachfolger als Notenbankgouverneur und oberster Bankenaufseher, Ignazio Visco sagte dazu, „die Banca d’Italia kann nicht in den Tresoren der Bank wühlen“, sie sei kein Bankenpolizist und könne daher kriminelle Machenschaften nicht verhindern.

          In Italien ist berichtet geworden, dass die nun aufgetauchten Derivatgeschäfte von der Bankenspitze ohne Wissen des Verwaltungsrates getätigt worden seien und die entsprechenden Dokumente in einem Safe versteckt worden seien. Der italienische Notenbankgouverneur Visco erinnerte daran, dass den Vorschriften zufolge nicht nur den Bilanzprüfern, sondern auch den Bankenaufsehern alle Geschäfte mit Derivaten vorgelegt werden müssen.

          Mario Draghi als er noch Gouverneur der Zentralbank Italiens war. (Archivbild aus dem Jahr 2006)

          Aus der Sicht der Banca d’Italia sind die Ereignisse bei Monte dei Paschi nun eine Sache für die Staatsanwälte. In Frankfurter Notenbankkreisen wurde darauf hingewiesen, dass die Banca d’Italia kein Recht hatte, Bewertungsfragen aufzuwerfen, sondern sich mit der Prüfung der Kapitalausstattung und Liquidität begnügen musste. Das habe sie intensiv getan: So seien Sonderprüfungen im Dezember 2010 und im September 2011 gegeben.

          Auch die italienischen Zentralbanker weisen den Vorwurf der Untätigkeit zurück, indem sie für die parlamentarische Anhörung des italienischen Schatzministers Vittorio Grilli, den Draghi dem Vernehmen mach in den vergangenen Tagen aufsuchte, einen minutiösen Anhang zu den Aktivitäten der Bankaufseher vorbereitet haben.

          Monte-Paschi-Chef Fabrizio Viola sagt, es gebe keinen Beleg dafür, dass beim Kauf der Regionalbank Antonveneta 2007 Schmiergeld im Spiel gewesen sei. Seine Bank hatte das Institut für neun Milliarden Euro von der spanischen Santander Bank gekauft. Diese hatte Antonveneta erst kurz zuvor für deutlich weniger Geld erworben.

          In der italienischen Bankenwelt ist der Banca d’Italia nie vorgehalten worden, dass sie zu lässig sei. Im Gegenteil haben die italienischen Banker immer beklagt, dass sie mehr als andere europäische Kollegen an der kurzen Leine gehalten werden.

          Das war zumindest in der Bankenkrise der letzten Jahre erfolgreich. Denn im Gegensatz zu anderen Ländern musste in Italien keine Bank durch staatliche Hilfe gerettet werden. Keine der beiden Großbanken, nur Monte dei Paschi und eine Genossenschaftsbank nahmen das Angebot der Regierung an, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken.

          Italiens Finanzminister Grilli

          Zugleich wäre es für Politiker vor allem der Mitte-links angesiedelten Demokratischen Partei willkommen, wenn die Schuld an der Misswirtschaft bei Monte dei Paschi auch auf andere Schultern verteilt würde. Denn in Siena regierten seit der Nachkriegszeit ohne Unterbrechung die früheren Kommunisten, die sich später in die Linksdemokraten und Demokraten wandelten. Aus dem Rathaus von Siena gab es immer entscheidenden Einfluss auf die Führungsspitze der Bank.

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