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Verlagsgruppe Weltbild : Von der Moral und der Qual

Bischöfe beraten über Zukunft des Weltbild-Verlags. Bild: dapd

Die Kirche will Weltbild verkaufen. Der Verlag handele mit Dingen, die einem Unternehmen im Besitz der katholischen Kirche nicht gut anstünden.

          Die katholischen Kirche ist entschlossen, sich von der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild zu trennen. Zu diesem Zweck war am Montagabend in Würzburg eine Gesellschafterversammlung einberufen, zu der die Vertreter der Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD), der Soldatenseelsorge Berlin sowie jener zwölf Bistümer geladen wurden, denen die Verlagsgruppe mit einem Umsatz von aktuell 1,7 Milliarden Euro und etwa 6000 Mitarbeitern gehört. Am Dienstag herrschte dann nach langer Debatte Klarheit: Wie der Weltbild-Verlag in Augsburg mitteilte, hätten die Gesellschafter beschlossen, dass „Maßnahmen für eine Veräußerung der Verlagsgruppe Weltbild GmbH ohne jeden Verzug aufgenommen werden“.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Einschränkend heißt es freilich, alle Beteiligten seien verpflichtet, „zum Erhalt und der Sicherung des Unternehmenswertes beizutragen“. Die in Augsburg ansässige Verlagsgruppe, die zu hundert Prozent dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), der Soldatenseelsorge in Berlin sowie zwölf überwiegend süddeutschen Bistümern gehört, machte nach eigenen Angaben zuletzt einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro und beschäftigt etwa 6000 Mitarbeiter.

          In die Kritik geraten war die Verlagsgruppe zuletzt wegen internetgestützter Verbreitung sowie der Produktion von Medien, „die den ideellen Zielen der Gesellschafter widersprechen“ – kurz, sogenannter erotischer Literatur. Das Unbehagen an dem stark expansiven und kaum zu kontrollierenden Geschäftsgebaren der Verlagsgruppe ist jedoch älter und mündete seitens einiger Gesellschafter unter Führung des Erzbistums Köln schon vor drei Jahren in den Versuch, Weltbild zu veräußern. Ein finanzstarker Käufer fand sich in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise jedoch nicht.

          Unter Druck aus Köln, der jüngst von Papst Benedikt XVI. gegenüber dem deutschen Botschafter beim Vatikan verstärkt wurde, haben sich nun offiziell alle Gesellschafter den Verkaufsbestrebungen angeschlossen. Ob der zweite Versuch von Erfolg gekrönt sein wird, steht freilich dahin. Zum einen kämen als Investoren vor allem Beteiligungsgesellschaften in Frage, in kirchlichen Kreisen besser als „Heuschrecken“ bekannt. Zum anderen schüttet Weltbild seit kurzem Gewinne aus, die in manchen Bistümern gerne als „Spielgeld“ vereinnahmt werden. Sollte die Verlagsgruppe Geld auf eine Weise verdienen, die den ideellen Zielen der Gesellschafter nicht entgegensteht, wäre nach Informationen dieser Zeitung über den Verkauf der einzigen profitablen Unternehmensbeteiligung der katholischen Kirche das letzte Wort nicht gesprochen.

          Weltbild, einst ein betulicher Zeitschriftenverlag mit Versandbuchhandel, ist mittlerweile der größte Online-Buchhändler und dominiert zusammen mit der Familie Hugendubel auch den stationären Buchmarkt in Deutschland. Vor der Frankfurter Buchmesse machten Pläne die Runde, sich auf dem Feld der elektronischen Bücher als Nummer drei hinter den amerikanischen Konzernen Apple und Amazon zu etablieren. Ein Käufer für die Verlagsgruppe ist indes nicht in Sicht.

          Hinter den jüngsten Verkaufsabsichten stehen noch dieselben Kräfte innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz, die schon vor drei Jahren dafür eintraten, sich von dem Medienunternehmen zu trennen, allen voran die von Joachim Kardinal Meisner geleitete Erzdiözese Köln.

          Schon damals wollte dem Kölner Kardinal nicht einleuchten, dass rund die Hälfte der Bistümer ein aggressiv expandierendes Medienunternehmen besaßen, das sich um seines Bestehens willen mindestens so sehr an der Logik des Marktes orientieren musste wie an den Wünschen seiner Eigentümer nach der Vermittlung religiöser Inhalte.

          Bücher aus Grauzone zwischen Erotik und Pornographie

          Letzterem glaubte die Verlagsgruppe vor allem mit mal aufwendig gestalteten, mal volkstümlichen Bibelausgaben Genüge zu tun. Aktiv wurde man auf Wunsch der Eigentümer auch dort, wo es galt, Literatur nicht zu vertreiben, in denen die Kirche direkt kritisiert wurde. Dagegen war es durchaus möglich, über den Internetauftritt des Weltbild-Verlags anstandslos Bücher aus der Grauzone zwischen Erotik und Pornographie zu beziehen. Die Verlagsgruppe Droemer-Knaur, an der Weltbild zur Hälfte beteiligt ist, fand überdies nichts dabei, Bücher dieser Genre auch selbst zu verlegen.

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