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Verlage : Springers Zeitungen sind hoch profitabel

Springer-Zeitschriften: Printgeschäft „trotz des strukturellen Wandels profitabel“ Bild: dapd

Deutschlands größtes Verlagshaus verdient im laufenden Geschäftsjahr sehr gut. Einen Kauf von Teilen der Essener WAZ-Gruppe könnte sich Axel Springer locker leisten. Doch kommt es dazu noch?

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          Ende September ließ die Axel Springer AG mit einem Übernahmeangebot für den Essener Medienkonzern WAZ aufhorchen. Es war nur ein unverbindliches Angebot, aber eines, das die gesamte WAZ-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Braunschweiger Zeitung“, „Das Goldene Blatt“) mit mindestens 1,4 Milliarden Euro bewerten sollte. Relativ bald wurde klar, dass es Springer nicht auf den Rivalen als Ganzes abgesehen hatte, sondern lediglich auf einige seiner Beteiligungen, darunter die österreichischen Boulevardblätter „Krone“ und „Kurier“.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Am Montag spielte Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, das ganze Thema herunter. Die Milliardenofferte für die WAZ habe „bei uns nicht die Priorität, die ihm draußen zugemessen wird“, sagte er in einer Telefonkonferenz anlässlich der Quartalszahlen des Berliner Zeitungskonzerns. Ansonsten gebe es dazu auch keine Neuigkeiten. Weder wollte sich Döpfner zu seinem Brief an den Testamentsvollstrecker Peter Heinemann äußern, der die Nachkommen von WAZ-Gründer Erich Brost vertritt, noch nahm er zu den Erfolgsaussichten Stellung, nachdem die WAZ-Erbin Petra Grotkamp Döpfners Angebot schon zurückgewiesen hat.

          Ertragsverbesserung der digitalen Medien

          Grotkamp, der 16,7 Prozent der WAZ gehören, will ihrerseits für 470 Millionen Euro der Miteigentümerfamilie Brost deren 50-Prozent-Anteil abkaufen. Der Springer-Vorstoß platzte mitten hinein in diesen Eigentümerwechsel. „Wir sind als ordentliche Kaufleute verpflichtet, unsere Interessen anzumelden, und beobachten das ganz gelassen“, sagte Döpfner lediglich.

          Springer-Chef Döpfner: „Wir beobachten das ganz gelassen“
          Springer-Chef Döpfner: „Wir beobachten das ganz gelassen“ : Bild: dpa

          Sehr viel zuversichtlicher ist der Springer-Chef für das eigene Geschäft. 2011 könne ein neues Rekordjahr für das börsennotierte Unternehmen werden. Döpfners Maßstab ist das um Sondereffekte und Kaufpreisallokationen bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Nach neun Monaten legte das Ebitda um fast 16 Prozent auf rund 446 Millionen Euro zu. Der Konzernüberschuss schrumpfte dagegen um knapp 10 Prozent auf 233 Millionen Euro. Finanzvorstand Lothar Lanz erklärte diesen Umstand mit steuerlichen Einmaleffekten sowie Konsolidierungseffekten aus der engen Zusammenarbeit mit dem Schweizer Ringier-Verlag in Osteuropa.

          Mancher Analyst wird überrascht

          Der Ebitda-Anstieg kam den Angaben zufolge ebenso aus der Ertragsverbesserung der digitalen Medien wie der nationalen Zeitungen und Zeitschriften. Letzteres fand Döpfner „besonders erfreulich“, zeigten die inländischen Zeitungen doch, dass „das Printgeschäft trotz des strukturellen Wandels profitabel wachsen“ könne. Springer hatte erst im Mai dieses Jahres den Preis für die auflagenstarke „Bild“-Zeitung ergebniswirksam um 10 Cent erhöht. Nun verweist der Konzern auf eine Ebitda-Rendite von 23,8 Prozent, die sowohl über der Vergleichskennziffer der inländischen Zeitschriften („Auto-Bild“, „Hörzu“) von 23,2 Prozent als auch der digitalen Medien („Seloger“, „Idealo“, „Kaufda“) von 16,5 Prozent liegt.

          Der Konzernumsatz nahm in den ersten neun Monaten um 11,7 Prozent auf 2,32 Milliarden Euro zu, und damit etwas stärker als vom Vorstand angekündigt. Auch im dritten Quartal erzielte Springer vor allem mit seinen deutschen Print-Titeln hohe Werbeerlöse - was angesichts der aufziehenden Konjunkturabschwächung so manchen Analysten überrascht hat.

          An der Börse kamen die Zahlen insgesamt gut an: Die Springer-Aktie gehörte am Montag zu den großen Gewinnern im MDax. Zeitweilig legte ihr Kurs um mehr als 10 Prozent zu und machte damit einen Teil der heftigen Verluste in den vergangenen Monaten wieder wett.

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