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Deutschland im Jahr 2030 : Eine Stadt ohne Stau – kann es das geben?

Die Gutachter lassen den politischen Rahmen nicht außer Acht, halten aber einen marktwirtschaftlichen Ansatz in den Unternehmen für unverzichtbar. „Die Verkehrsbranche ist angesichts der sich wandelnden Rahmenbedingungen, Kundenbedürfnisse und Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz aufgefordert, zügig Ideen zu entwickeln, wie Mobilität effizienter, attraktiver und ökologischer werden kann“, heißt es in der Studie. VDV-Präsident Jürgen Fenske, Chef der Kölner Verkehrsbetriebe KVB, sagt: „Wir als Verkehrsunternehmen sind gefordert, uns dem Transformationsprozess aktiv zu stellen. Das gelingt nur, wenn wir unsere Dienstleistungen konsequent an die Bedürfnisse unserer Kunden anpassen.“ Dazu müssten Kapazitäten ausgebaut werden, in Großstädten und Ballungsräumen die Takte verdichtet und zusätzliche Angebote geschaffen werden. Der Ticketvertrieb müsse zudem digitaler, einfacher und vernetzter werden. „In ländlichen Räumen müssen wir uns mit flexibleren Geschäftsmodellen beschäftigen“, sagt Fenske.

Marktneulinge gefährden das Potential

Der Erfolg des öffentlichen Verkehrs ist beileibe kein Selbstläufer: Im schlechtesten Szenario der Studie steigt der Marktanteil des ÖPNV nicht um 30 Prozent, sondern er sinkt bis 2030 um 15 Prozent. Im Schienengüterverkehr variiert der Marktanteil je nach Szenario vom Rückgang um 15 Prozent bis zu einem Plus um 22 Prozent. „Damit werden die Handlungsspielräume offen gelegt“, schreiben die Gutachter. Die Unternehmen müssten die Digitalisierung nutzen und neue Anbieter integrieren, um Nachfrageverluste zu vermeiden.

Darüber hinaus könnten sie ihre Stärken in puncto Datenhoheit und Kundenzugang (für Bezahlmöglichkeiten oder Informationen) ausbauen. Im Negativ-Szenario verdrängen hingegen Marktneulinge – etwa Anbieter von Carsharing und On-Demand-Verkehrsleistungen (auf Abruf) – sowie die Ausbreitung von Modellen wie „Ridesharing“, also das Teilen einer Fahrt über Mitfahrzentralen, oder „Rideselling“ wie über den taxiähnlichen Anbieter Uber die traditionellen Verkehrsunternehmen mit ihren festen Fahrplänen und Fahrpreisen. In New York etwa, so berichten die Gutachter, seien die Marktanteile von Bus und U-Bahn dadurch zuletzt gesunken.

Der ÖPNV hat ein großes Potential – doch er muss mit der Digitalisierung mithalten und den Fahrgästen smarte Angebote machen.

Ohne finanzielle und regulierende Unterstützung der Politik wird es nach Ansicht der Gutachter nicht gehen. Hierzu zählen vor allem die Sanierung und der Ausbau der Infrastruktur, auskömmliche Finanzierungszusagen „sowie preis- und ordnungspolitische Maßnahmen zur Begrenzung des Pkw-Verkehrs“ – also zum Beispiel weniger Parkplätze und eine Pkw-Maut. VDV-Präsident Fenske sieht Bund und Länder am Zug: „Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sind erste Schritte vorhanden, doch das wird nicht reichen. Auch die Länder müssen stärker ihrer Verantwortung nachkommen und Geld für den Ausbau und die Erneuerung der Tunnel, Haltestellen und Bahnhöfe zur Verfügung stellen.“

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