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Verkehr : Mautsystem besteht ersten Härtetest

  • Aktualisiert am

Etwa 1200 Lkw wurden in den ersten drei Maut-Tagen beanstandet Bild: dpa/dpaweb

Große Probleme blieben beim Start des Lkw-Mautsystems aus - nur vereinzelt kam es zu Staus. Doch der wahre Belastungstest kommt erst noch: Vom kommenden Wochenende an sind ungleich mehr Lastwagen unterwegs.

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          Nach einem gelungenen Start der Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen steht dem neuen Gebührensystem erst vom kommenden Wochenende an der große Belastungstest bevor. Wenn die Produktion nach den Weihnachtsferien wieder auf Hochtouren laufe, werde das Aufkommen des Lastwagenverkehrs deutlich steigen, hieß es am Montag im Speditionsgewerbe.

          Nach dreitägiger Praxis des neuen Systems einer satellitengestützten Schwerverkehrsabgabe zogen Polizei und Grenzschutz eine Verkehrsbilanz „ohne Staus und Chaos“. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) und die Betreiberfirma Toll Collect sprachen am Montag von einem „Erfolg der Mauttechnik“. Stolpe lehnte erneut die Einführung einer Maut auch für Pkw-Fahrer ab. Laut Ministerium wurden an den ersten beiden Tagen trotz Ausbleibens der befürchteten riesigen Lkw-Schlangen auf deutschen Autobahnen 3,4 Millionen Euro Gebühren eingenommen. Am ersten Tag waren es etwa 1 Million Euro.

          1200 Lkw-Fahrer ohne gültiges Maut-Ticket erwischt

          Insgesamt erhofft sich Stolpe in diesem Jahr Einnahmen von 3 Milliarden Euro. Der Groß- und Außenhandel warnte: „Weder Transportgewerbe noch Handel dürfen die Mauteinführung zum Anlaß nehmen, um darüber hinaus gehende Preissteigerungen im großen Stil vorzunehmen.“

          Etwa 1200 von 13.950 kontrollierten Lkw-Fahrern waren ohne gültiges Maut-Ticket erwischt worden, das entspricht einer Quote von 8 bis 9 Prozent. „Das sind nicht alles Mautpreller“, sagte der Chef des für die Kontrollen zuständigen Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), Ernst Vorrath. Der größte Teil wurde über die Mautbrücken festgestellt, die übrigen etwa 320 Lkw-Fahrer wurden von mobilen BAG- Kontrolleuren auf die nächstliegenden Parkplätze gewunken.

          „Die erste Etappe haben wir gewonnen

          Bei den „Mautprellern“ überwogen deutlich ausländische Brummifahrer. Stolpe forderte erneut ein hartes Durchgreifen. Als Strafe sind 75 Euro für den Fahrer und 150 Euro für den Fahrzeughalter fällig. Das BAG will es aber laut Vorrath bei minderschweren Fällen mit 25 Euro Verwarngeld bewenden lassen. Auf die nachzuzahlende Gebühr forderten die BAG-Kontrolleure Sicherheitsleistungen, wie Vorrath mitteilte.

          Nachdem ein zunächst befürchtetes Verkehrschaos ausgeblieben war, erklärte Stolpe: „Die erste Etappe haben wir gewonnen.“ Aber erst in 100 Tagen wisse man mehr über den Erfolg des Systems, das im Ausland bis nach China sehr begehrt sei.

          Im Schnitt 12,4 Cent je Kilometer

          Auch Polizei und Grenzschutz bestätigten bundesweit einen reibungslosen Verkehrsverlauf. An den Grenzübergängen zu Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden oder Dänemark gab es kaum Probleme bei der Einbuchung in das Mautsystem.

          Mautpflichtig auf dem etwa 12.000 Kilometer umfassenden Autobahnnetz sind Lkw mit einem Gesamtgewicht ab zwölf Tonnen. Die Gebühr beträgt je nach Achsenzahl oder Schadstoffklasse zwischen 9 und 14 Cent je Kilometer - im Mittel 12,4 Cent.

          Güterverkehrsverband droht mit Verfassungsklage

          Der Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung hat nach Aussage von Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt erste Informationen, daß ein Transporteur in Sachsen von seinen Auftraggebern zur Reduzierung der Fracht gezwungen werden solle, um unter der Mautpflicht zu bleiben. Das werde der Verband nicht mitmachen, sagte Schmidt.

          Der Güterverkehrsverband drohte mit einer Verfassungsklage, falls es den Behörden nicht gelinge, die neue Autobahnmaut flächendeckend von nahezu allen Lastwagen zu erheben. Es gebe mit den Nachbarstaaten keinerlei Absprachen über die Verfolgung von Lkw-Haltern, die nicht bezahlen. „Das ist der Versuch, in einem Meer guter Suppe nach einem Haar zu suchen“, erwiderte Stolpes Sprecher Felix Stenschke.

          ADAC befürchtet Ausweichen auf Bundesstraßen

          Der ADAC geht davon aus, daß mancher Lkw künftig auf Ausweichstrecken gelenkt wird, um Mautgebühren zu sparen. Dabei könne es sich sowohl um Bundesstraßen entlang von Autobahnen als auch Abkürzungen handeln, die bisher von vielen Lastwagenfahrern eher gemieden worden seien, sagte ein ADAC-Sprecher am Montag in München.

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