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Verkaufsstart des iPhone 5 : Wir campen vor dem Apple-Store

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Dunkles Grüppchen vor heller Fassade: Hier werden die Apple-Jünger noch lange ausharren. Bild: Kaufhold, Marcus

Hunderte Apple-Jünger haben vergangene Nacht dem Verkaufsstart des iPhone 5 entgegengefiebert. In Frankfurt übernachteten Dutzende vor dem Geschäft, um zu den ersten Käufern zu gehören. Was treibt diese Menschen? F.A.Z.-Autor Johannes Pennekamp hat die Nacht mit ihnen verbracht.

          20.30 Uhr

          Was brauche ich für eine Septembernacht in Frankfurt unter freiem Himmel? Isomatte, Schlafsack, Winterpulli und einen Gartenstuhl. Los geht’s.

          21 Uhr

          In der Frankfurter Innenstadt ist es dunkel, die Geschäft haben gerade geschlossen, die Menschen gehen nach Hause. Nur in der „Fressgass“ ist schon von weitem eine Menschentraube vor einem Geschäft zu sehen. Vielleicht 40 Camper in kleinen Gruppen, die auf Decken und Stühlen vor dem Apple-Store sitzen. Sieht ganz gemütlich aus und erinnert aus der Ferne etwas an Occupy.

          Die Dunkelheit wird durchbrochen von den Smartphone- und iPad-Displays der Camper, der Großteil hat eines der Geräte in der Hand. Über ihnen strahlt in der gläsernen Fassade das hell erleuchtete Apple-Logo, davor die gebeugten dasitzenden Pilger. Ein Gottesdienst?

          Unter Fans: Eine Nacht vor dem Apple-Store

          Die Schlange macht einen Knick und ist jetzt vielleicht 20 Meter lang, die meisten Leute sind zwischen 20 und 30 Jahren alt. Sie alle wollen das neue iPhone 5, Einstiegspreis 679 Euro. Das Geschäft öffnet um 8 Uhr, also in ziemlich genau elf Stunden.

          21.30 Uhr

          Die Inszenierung beginnt: Hinter der Ladenfassade sind Apple-Mitarbeiter damit beschäftigt, Vorhänge als Sichtschutz aufzuhängen. Der Blick auf das Allerheiligste soll verdeckt bleiben. Apple geht nicht ohne Event.

          An der Scheibe klebt noch der Schriftzug der für das neuste iPad wirbt. „Sehvolution“ steht da. Ein Mitarbeiter im blauen Apple-T-Shirt kratzt ihn mit einem kleinen Spachtel ab. Zeit für eine neue Revolution? Die gibt’s hier anscheinend im Monatstakt.

          22 Uhr

          Was sind das eigentlich für Leute hier? Und warum bloß schlagen sie sich die Nacht um die Ohren, wenn man das Telefon doch auch bequem im Internet bestellen kann?

          Direkt vor dem Eingang sitzt ein kräftiger Typ, Glatze, Kinnbart, beige Hose. Der junge Mann heißt Okan, 19 Jahre alt, und er ist freundlicher als sein Äußeres vermuten lässt. Er hat die Bilder aus New York im Fernsehen gesehen, dort campen die Apple-Fans seit Tagen. Im Frankfurter Store hat er um drei Uhr mittags gefragt, wo hier die Schlange sei. „Dann haben sie mir den Zettel in die Hand gedrückt, auf dem steht: Du bist die Nummer 1“, sagt er stolz. Seitdem sitzt er hier. Warum? „Apple ist das Geilste, was es gibt. Ich hab das Mac Book, das iPad und das iPhone. Samsung ist doch ne Plastikschüssel“. Und warum das neue iPhone, wenn das Vorgängermodell noch recht frisch ist? „Das Display ist größer, die Form ist geil, ich kaufe es diesmal in weiß!“

          Okan heißt mit Nachnamen Yasin und wer die Privatsender verfolgt, kennt ihn als Teilnehmer der Casting-Show Supertalent. Er hat den Rapper Pitbull imitiert und steht jetzt „unter Vertrag“. An den Wochenende reist er als Double des Musikers durchs Land unter der Woche hat er nichts zu tun. „Darum ist es kein Problem, dass ich hier die ganze Nacht sitze.“ Sein Auftritt heute wird noch kommen.

          Als ich das letzte Mal campen war, gab es Bäume, einen See und Frösche, die Lärm gemacht haben. Hier gibt es Häuserfassaden, einen Springbrunnen und Handys, die ab und zu klingeln.

          23 Uhr

          Monika und Ruth haben gerade ihr 2. Staatsexamen in Jura bestanden. Um sich zu belohnen, sitzen sie jetzt hier, sagen sie. Ruth hat sich in einen dicken Schlafsack verkrochen, Monika hat eine warme weiße Jacke an und eine rote Decke um die Beine gewickelt. „Wir wollen einmal die Atmosphäre hier mitmachen“, sagt Monika. Und: „Das neue iPhone ist dünner und leichter, das ist super“. Auch Ruth ist begeistert: „Ich freue mich so drauf, das neue Gerät endlich hochzufahren und es einfach in der Hand zu haben.“ Die Juristinnen klingen wie Teenager, die für ihren Star schwärmen. Das scheinen sie zu bemerken. „Naja, es ginge auch ohne iPhone, ist halt ein schönes Spielzeug.“ Warum eigentlich fast nur Männer hier sind? „Wahrscheinlich sind die robuster gegen die Kälte und bringen ihren Freundinnen gleich eins mit.

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