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Verkauf von T-Mobile USA geplatzt : Obermann kritisiert amerikanische Behörden

Übernahme gescheitert: AT&T will T-Mobile nicht Bild: dpa

Das wichtigste Projekt von Konzernchef Obermann ist gescheitert: Die Deutsche Telekom bleibt auf ihrer Mobilfunktochter T-Mobile USA vorerst sitzen. Obermann klagt nun über die amerikanischen Wettbewerbshüter - und kann dem geplatzen Verkauf zugleich Positives abgewinnen.

          Die seit Wochen zunehmend in Frage gestellte Übernahme von T-Mobile USA durch den amerikanischen Telekommunikationskonzern AT&T ist endgültig gescheitert. AT&T teilte am späten Montagabend nach Börsenschluss mit, den geplanten Zusammenschluss nicht mehr anzustreben. Darauf habe sich das Unternehmen mit der Deutschen Telekom, der Muttergesellschaft von T-Mobile USA, geeinigt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          AT&T wird nun im laufenden Quartal einen Aufwand von rund 3 Milliarden Dollar für Ausgleichszahlungen an die Telekom verbuchen, die wegen des Scheiterns der Transaktion fällig werden. Eine Rückstellung in Höhe dieses Betrags hatte das Unternehmen schon vor rund vier Wochen gemeldet, als sich die Chancen für ein Zustandekommen des Geschäfts wegen kartellrechtlicher Bedenken zunehmend verschlechterten. Hinzu kommen laut Telekom-Chef René Obermann eine mehrjährige Vereinbarung über Roaming-Leistungen sowie ein Paket an Mobilfunk-Frequenzen zugunsten von T-Mobile USA, deren Wert Analysten bei weiteren drei Milliarden Dollar sehen.

          Mehr als zehnjährige Präsenz in Amerika

          AT&T hatte im vergangenen März erklärt, T-Mobile USA für 39 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Die Deutsche Telekom wollte damit ihre mehr als zehnjährige Präsenz in Amerika beenden. Der Bonner Konzern war im Jahr 2000 mit der Übernahme des amerikanischen Mobilfunkbetreibers Voicestream für 40 Milliarden Euro in den Markt eingestiegen.

          Der Verkauf der Tochter, die rund ein Viertel des Konzernumsatzes macht, war das wichtigste Projekt von Obermann. Er wollte durch die Veräußerung Milliarden für den Schuldenabbau einnehmen. Zudem war das Geschäft in Amerika in jüngster Zeit zunehmend schwierig geworden, weil viele Kunden abwanderten und hoher Investitionsbedarf anfiel. Den ersten großen Rückschlag für die geplante Übernahme gab es im August, als das amerikanische Justizministerium eine Kartellklage einreichte, um das Vorhaben zu blockieren. Im November meldete dann auch die Telekommunikationsbehörde FCC Bedenken an.

          Obermann erneuert Dividenden-Versprechen

          In einer Telefonkonferenz zeigte Obermann kein Verständnis für die Haltung der amerikanischen Behörden . Für den Verkauf hätten beide Konzerne „eine wirklich gute Lösung präsentiert“. Von Seiten der Wettbewerbshüter habe es aber „keine Unterstützung“ gegeben. „Bis zum Schluss war keine Bereitschaft zu erkennen, sich im Detail mit Zugeständnissen zu befassen.“ Es sei „nicht nachvollziehbar“, dass die Behörden eine Transaktion behindert hätten, die dazu beigetragen hätte, das Ziel einer flächendeckenden Ausstattung der USA mit mobilem Internet voranzutreiben.

          Dennoch gehe die Telekom-Tochter aufgrund der Kompensationen gestärkt aus der gescheiterten Übernahme hervor. Die Probleme insgesamt seien durch die Vereinbarung aber nicht gelöst. Der Vorstandsvorsitzende betonte jedoch, dass T-Mobile-USA nach wie vor Gewinn mache und auch künftig einen positiven Beitrag zum Ergebnis leisten solle.

          Obermann erklärte, er rechne für die Telekom damit, das laufende Jahr weiter mit einem operativen Gewinn von rund 19,1 Milliarden Euro zu beenden. Zudem erneuerte er sein Dividendenversprechen: Die Telekom wolle für dieses und nächstes Jahr jeweils 70 Cent pro T-Aktie an die Anteilseigner ausschütten.

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