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Ziel Tarifkommission : Vereinigung Cockpit will Rechte von Germania-Personal stärken

Vorsicht walten lassen: Bei dem Ziel einer Tarifkommission für Piloten muss Vorstandsmitglied Markus Wahl langsam vorgehen. Bild: dpa

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit strebt eine Tarifkommission für Piloten an, muss hierbei aber Vorsicht walten lassen, da bei ihrem letzten Versuch alle Mitglieder gekündigt wurden.

          Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will für die Piloten der Fluggesellschaft Germania stärkere Arbeitnehmerrechte durchsetzen. Am Freitag nimmt die VC einen neuen Anlauf, um eine Tarifkommission zu etablieren. Mit dem Vorhaben sind Ängste verbunden. „Wir hatten 2010 schon einmal eine Tarifkommission gegründet, alle Mitglieder wurden damals am Tag der Einsetzung gekündigt“, sagt VC-Präsident Ilja Schulz im Gespräch mit der F.A.Z. Daher agiert die Gewerkschaft vorsichtig: „Die Namen der Kollegen der neuen Kommission werden nicht genannt, um sie zu schützen. Die Leute haben Angst. Ich empfinde es als Katastrophe, dass wir in Deutschland noch so agieren müssen.“

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die VC möchte bei Germania einiges ändern. „Es gibt zahlreiche befristete Verträge, auch für länger Beschäftigte“, sagt Schulz. „Außerdem sind dort Freelancer eingesetzt, also Kopiloten und Kapitäne, die auf Abruf arbeiten.“ Zudem fehlten aus VC-Sicht Regeln für Beförderungen. „Die Kriterien für die Karriereplanung von Piloten sind nicht klar erkennbar. Nur wer dem Unternehmen passt, kommt voran“, sagt Schulz. Kritik gibt es auch an Flugplänen. „Mir liegen Dienstpläne vor, in denen die Einsatzzeiten jenseits der gesetzlichen Obergrenzen liegen“, sagt Schulz. Offenlegen will er die aber nicht.

          Germania lehnte eine Stellungnahme zu den Punkten ab. Im Konflikt um die Kommission hatte die Gesellschaft 2010 mitgeteilt, man wolle „nicht zum Spielball politisch motivierter Interessen einer VC“ werden. Auseinandersetzungen wie bei der Lufthansa würden der Gesellschaft einen Kostenvorteil im Wettbewerb nehmen. Einen Betriebsrat für Piloten gibt es nicht, aufgrund einer gesetzlichen Ausnahme für Flugpersonal muss solch ein Gremium nicht zugelassen werden. Aus Unternehmenskreisen heißt es, Germania habe eigene interne Gremien geschaffen. Gespräche mit Piloten führe Chef Karsten Balke zudem im Rahmen von Stationstreffen an den Einsatzorten und in Einzelterminen. Zuletzt hat Germania dem Vernehmen nach mehr unbefristet eingestellt. Die Gesellschaft nutzt das Air-Berlin-Aus, um auf die Rekordgröße von 36 Jets zu wachsen. „Über kurz oder lang wird Germania aber Schwierigkeiten bekommen, Stellen nachzubesetzen“, prognostiziert VC-Chef Schulz. Er hat einen klaren Plan abgesteckt. „Wir haben drei Ziele: Wir wollen eine Personalvertretung einsetzen, dann wollen wir den ersten Tarifvertrag für die Vergütungen abschließen und schließlich einen Manteltarifvertrag, der Urlaub, Ruhezeiten und Dienste regelt.“

          Beim Billigflieger Ryanair sieht der VC-Chef noch kein großes Vorankommen: „Das neue freundliche Gesicht von Ryanair sehe ich noch nicht. Der Beweis, dass sie die Gespräche ernst meinen, ist noch nicht erbracht.“ Er erwarte nun, dass die Gesellschaft alle Vertreter der Verhandlungskommission anerkennt, die die VC schicke. „Ob es zu Streiks kommt, hängt vom Verlauf der Verhandlungen ab, aber wir haben den Beweis schon erbracht, dass man auch bei Ryanair streiken kann.“ Vor Weihnachten hatte es mehrstündige Arbeitsniederlegungen gegeben.

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