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F.A.Z exklusiv : Pilotengewerkschaft Cockpit tritt Führungskräfteverband bei

Martin Locher, Präsident der Vereinigung Cockpit, gesehen durch ein Logo seiner Gewerkschaft. Bild: dpa

Die Vereinigung Cockpit ist bekannt für ihre kämpferischen Streiks. Nun treten die Piloten der weniger bekannten Union Leitender Angestellter bei – die in der Regel nicht streiken.

          Leitende Angestellte sind keine gewöhnlichen Arbeitnehmer, denn sie müssen in ihrer Funktion loyal zum Arbeitgeber sein. Sie dürfen deshalb von Rechts wegen keine Betriebsräte wählen und halten sich auch von Gewerkschaften fern. Umso interessanter ist daher eine neue Verbindung in der Landschaft der Berufsverbände: Die ULA, 1951 als „Union Leitender Angestellter“ gegründet und heute Dachverband von Führungskräfteverbänden, hat ein neues Mitglied gewonnen – die als durchaus streikbereit bekannte Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC). Wie die F.A.Z. von den Beteiligten erfuhr, hat die ULA die Pilotenvereinigung zu Jahresbeginn als 17. Mitglied in ihren Dachverband aufgenommen.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Die Angriffe auf die Rechte von Leistungsträgern durch die Bundesregierung zeigen, dass Führungskräfte stets starke Argumente und breite Allianzen benötigen“, begründet ULA-Präsident Roland Leroux die neue Verbindung. Unter den bisher 16 Mitgliedern des Dachverbands sind etwa der Bundesverband der Assekuranz-Führungskräfte, der Bundesverband deutscher Volks- und Betriebswirte, die Volkswagen Management Association und der Bundesverband der Bilanzbuchhalter. Größtes Einzelmitglied ist traditionell der Verband der Akademischen Angestellten der Chemieindustrie (VAA), der allein die Hälfte der bisher 60.000 Fach- und Führungskräfte unter dem Dach der ULA repräsentiert. Mit VC kommen nun 10.000 Piloten hinzu.

          „Piloten sind vielseitige Führungskräfte, die Tag für Tag Verantwortung für die Sicherheit von Passagieren, der Besatzung und von Flugzeugen tragen“, erläutert VC-Präsident Martin Locher den bemerkenswerten Schritt. „Piloten treffen wie leitende Angestellte unternehmerische Entscheidungen und repräsentieren ihre Unternehmen in der Öffentlichkeit.“ Ziel beider Partner sei es, „dass wir die Lebens- und Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder verbessern wollen“.

          Nexus beim Thema Mitbestimmung

          Tatsächlich sieht sich die ULA, die ihr Kürzel heute mit „United Leaders Association“ übersetzt, nicht nur als Forum des Erfahrungsaustauschs über Führungsaufgaben, sondern auch als gemeinsame Interessenvertretung von Führungskräften in der Politik. Vor 50 Jahren hat sie auf diesem Weg durchgesetzt, dass Führungskräfte mit eigenen Repräsentanten an der Arbeitnehmer-Mitbestimmung der Unternehmen mitwirken dürfen. Die Piloten, die derzeit mit dem Billigflieger Ryanair einen harten Konflikt über Arbeitnehmerrechte führen, wollen auch daran anknüpfen: „Ähnlich wie die ULA wollen wir dafür kämpfen, dass gerade bei der Mitbestimmung deutsches Recht nicht durch europäisches ausgehöhlt wird“, sagt VC-Präsident Locher.

          Die ULA hat sich ihrerseits in jüngster Zeit gegenüber der Bundesregierung besonders gegen die beabsichtigte Lockerung des Kündigungsschutzes für Spitzenbanker gestemmt, mit der britische Banken nach Deutschland gelockt werden sollen. Der Verband lehnt vor allem die Kopplung der geplanten Sonderregel an ein Jahressalär von mehr als 234000 Euro ab. Denn dies sei ein Dammbruch, der mittelbar Spitzenkräfte aller Branchen bedrohe: Man wende sich „entschieden gegen jedwede Koppelung“ dieser Art, Kündigungsschutz dürfe keine Frage der Einkommenshöhe sein.

          Hintergrund der Verbindung zwischen ULA und Pilotengewerkschaft sind auch strukturelle Veränderungen im Unternehmensalltag. Die einst klaren Trennlinien zwischen Führungskräften und Belegschaft verschwimmen, zumal im digitalen Zeitalter mit fließenden Hierarchien. Aus Verbandssicht stellt sich damit die Frage, ob eine enge Begrenzung auf die traditionelle Kernmitgliedschaft noch zukunftsweisend ist. Das zeigt sich auch im Konkurrenzumfeld der ULA: Der Verband „Die Führungskräfte“ hat sich gerade in „DFK – Verband für Fach- und Führungskräfte“ umbenannt, um künftig eine breitere Klientel anzusprechen.

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