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Vereinigte Staaten von Amerika : Schnelle Hilfe. Schnelle Rückzahlung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Auf dem Höhepunkt der Krise hat der Kongress das Bankenrettungsprogramm Tarp beschlossen. Bewilligt wurden zunächst 700 Milliarden Dollar. So viel Geld war allerdings nie nötig.

          3 Min.

          Der amerikanische Fernsehkommentator Jim Cramer hat als ehemaliger Hedge-Fonds-Manager eine Schwäche für gewinnbringende Anlagen. Deswegen präsentierte er in seiner beliebten Fernsehshow "Mad Money - Verrücktes Geld" im Wirtschaftssender CNBC kürzlich einen ungewöhnlichen Gast: Tim Massad. Der wie Cramer an der Eliteuni Harvard ausgebildete Jurist ist kein professioneller Vermögensverwalter, sondern leitet im amerikanischen Finanzministerium das Bankenrettungsprogramm Tarp.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Cramer lobte das oft kritisierte Programm über den Klee und nicht nur, weil die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 vom Kongress beschlossene Bankenrettung die Vereinigten Staaten vor einer Neuauflage der Großen Depression der dreißiger Jahre bewahrt habe. "Es wurde eine ziemlich kluge Anlage daraus", resümierte Cramer. Für den etwas überdrehten Moderator ist Tarp deswegen gar "eine Art Wohlfühl-Story" - obwohl die Rettung der "Gangster-Banker" an der Wall Street mit dem Geld des Steuerzahlers in der Öffentlichkeit unpopulär war.

          Massad und sein Chef, Finanzminister Tim Geithner, sind natürlich ebenfalls der Ansicht, dass Tarp ein sehr erfolgreiches Programm ist. "Was die direkten finanziellen Kosten angeht, wird Tarp als eines der effektivsten Krisenprogramme rangieren, das je in die Tat umgesetzt wurde", sagt Geithner. Die Investitionen, mit denen die Regierung zahlreichen Banken, dem großen Versicherer AIG, der Autobranche und Hypothekenschuldnern aus der Klemme geholfen hat, würden dem Steuerzahler insgesamt wahrscheinlich eine positive Rendite bringen.

          Bild: F.A.Z.

          Das ist nicht nur eine hohle Werbebotschaft. Das Finanzministerium machte nach dem Verkauf der restlichen noch in seinem Besitz befindlichen Stammaktien der Citigroup Anfang Dezember allein mit der Rettung dieses Kreditinstituts einen Gewinn von 12 Milliarden Dollar - die Konsequenz von Dividenden und Kursgewinnen. Die amerikanische Regierung hatte der Citigroup, einem der größten Wackelkandidaten während der Krise, mit 45 Milliarden Dollar geholfen.

          Bewilligt wurden für Tarp vom Kongress zunächst 700 Milliarden Dollar. So viel Geld war allerdings nie nötig. Nach Angaben des unabhängigen Rechnungshofes des Kongresses erhielten 707 amerikanische Banken und AIG im Rahmen des Hilfsprogramms direkte Kapitalspritzen von 293 Milliarden Dollar. Die Regierung bekam dafür stimmrechtslose Vorzugsaktien der Institute, auf die Dividenden gezahlt wurden. (Im Fall der Citigroup wurde ein Teil der Vorzugsaktien später in Stammaktien umgewandelt, von denen sich das Ministerium nach und nach trennte. Das Ausstiegsszenario bei AIG sieht einen ähnlichen Schritt vor.)

          Zurückgezahlt wurde bereits das meiste für die Banken verwendete Geld - insgesamt 193 Milliarden Dollar. Mehr als 120 Banken, darunter alle großen Institute, kauften ihre Vorzugsaktien zurück. Die großen Banken, darunter die Bank of America, J.P. Morgan Chase, Citigroup, Wells Fargo und die auf Wertpapiergeschäfte spezialisierten Institute Goldman Sachs und Morgan Stanley, hatten die Gelder so rasch wie möglich zurückgegeben. Sie wollten die finanzielle Belastung durch Dividendenzahlungen und die Einschränkungen bei der Bezahlung ihrer Manager vermeiden. Kleinere Institute werden aber nach wie vor mit 49 Milliarden Dollar gestützt. Die noch nicht zurückgezahlten Hilfen für AIG belaufen sich auf 48 Milliarden Dollar.

          Bisher mussten nur 3 Milliarden Dollar wegen Insolvenzen abgeschrieben werden. Diese Summe könnte sich nach einem Bericht des "Wall Street Journal" aber erhöhen. Demnach droht fast 100 kleineren Empfängern von insgesamt 4,2 Milliarden Dollar der Zusammenbruch, weil deren Kapitalausstattung zu niedrig und der Anteil notleidender Kredite zu hoch ist.

          Aber selbst weitere Ausfälle dürften die insgesamt positive Bilanz des Krisenprogramms nicht bedeutend schmälern. Der Rechnungshof des Kongresses bezifferte die erwarteten Gesamtkosten für den Steuerzahler in seinem aktuellsten Prüfungsbericht nur noch auf 25 Milliarden Dollar. Das ist nur ein Bruchteil jener 356 Milliarden Dollar, mit denen am Anfang der Rettungsaktion gerechnet wurde. Der Rechnungshof kalkuliert mit Verlusten wegen der Hilfe für AIG, für die Autoindustrie und der Hilfen für Hypotheken, um Zwangsversteigerungen von Häusern zu vermeiden. "Andere Transaktionen mit Finanzinstituten werden insgesamt einen Nettogewinn für die Regierung abwerfen", heißt es - offenbar verrückt genug, dass sich Fernsehmann Cramer dabei wohlfühlt. NORBERT KULS

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