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Tarifstreit : Verdi ruft zu bundesweiten Warnstreiks im Nahverkehr auf

Nach einem Aufruf zum Warnstreik durch Verdi ist am kommenden Dienstag mit erheblichen Verspätungen im Nahverkehr zu rechnen. Bild: dpa

Am kommenden Dienstag müssen sich Pendler in ganz Deutschland auf erhebliche Verzögerungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu Warnstreiks aufgerufen, um Druck in den Tarifverhandlungen für die 87.000 Beschäftigten aufzubauen.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Am Dienstag droht der Stillstand von Bussen und Bahnen im gesamten Bundesgebiet. Die Gewerkschaft Verdi ruft dann die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr zu einem bundesweiten Warnstreik auf, wie diese am Freitag mitgeteilt hat. Hintergrund ist, dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) abgelehnt hat, mit der Gewerkschaft in bundesweite Verhandlungen zusätzlich zu regionalen Runden einzutreten.

          „Nach 20 Jahren Sparkurs auf dem Rücken der Beschäftigten sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle zum Tarifkonflikt für die bundesweit 87.000 Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr.„Mit unseren Forderungen haben wir Vorschläge geliefert, wie sich die drängenden Fragen von Entlastung und Nachwuchsförderung lösen lassen. Dass die Arbeitgeber nicht einmal zu einer Verhandlung bereit sind, verhöhnt die Beschäftigten und torpediert jede Bemühung, eine Verkehrswende zu erreichen. Uns bleibt daher nur der Warnstreik, um ein deutliches Signal zu senden, wie ernst die Lage ist.“

          Die Arbeitgeber verweisen in ihrer Ablehnung der bundesweiten Verhandlungen auf die regionalen Tarifrunden. „Die insgesamt erhobenen Forderungen sind in Summe zwar regional unterschiedlich, aber eins haben sie gemeinsam: Sie sind fern jeder Realität“, sagte VKA-Hauptgeschäftsführer Niklas Benrath am Dienstag. Zuvor hatten die Arbeitgeber ihre Absage an bundesweite Gespräch bekannt gemacht. Dabei forderte Verdi unter anderem Arbeitszeitverkürzungen, Urlaub, Schichtzuschläge und Verbesserungen der Eingruppierung der Beschäftigten. „Diese Dinge nebeneinander und zeitlich parallel auf zwei Ebenen gleichzeitig zu verhandeln, ist schlicht nicht möglich“, sagte Benrath. Auch der Nahverkehr sei von der Pandemie wirtschaftlich nachhaltig betroffen und beklage enorme Verluste. „Man kann jeden Euro nur einmal ausgeben“ Die VKA lehne daher parallele Verhandlungen auf Bundes- und Landesebene kategorisch ab.

          Auch im öffentlichen Dienst kommt es zu Streiks

          Zusätzlich zu dem Streikaufruf für den öffentlichen Nahverkehr legen derzeit auch viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst die Arbeit nieder. Das sind aber unterschiedliche Verhandlungen. Über den Tarifstreit im öffentlichen Dienst sprach der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Ulrich Mädge, gerade mit der F.A.Z. und forderte wegen der Corona-Krise mehr Hilfe von Bund und Ländern für Städte und Gemeinde. „Wir Kommunen brauchen noch 12 Milliarden Euro von Bundesregierung und Bundesländern im nächsten Jahr, sonst müssen wir woanders streichen“, sagte er.

          Der Lüneburger Oberbürgermeister ist Verhandlungsführer der Kommunen in der Tarifrunde im öffentlichen Dienst. „Wir werden an der einen oder anderen Stelle die Löhne erhöhen - wir diskutieren derzeit, was in der Pflege möglich ist - aber nicht in der Höhe, die die Gewerkschaften jetzt aufrufen. Das ist völlig illusorisch.“ Im Tarifstreit im öffentlichen Dienst für die 2,4 Millionen Beschäftigten in Ämtern, kommunalen Betrieben und Kitas ist die nächste Verhandlungsrunde für den 22. Oktober angesetzt.

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