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Verdacht der Zinsmanipulation : Verwaltungsratschef der Barclays Bank tritt zurück

  • -Aktualisiert am

Der 65 Jahre alte Bankmanager Agius stand bei Barclays seit 2007 an der Spitze des Verwaltungsrats Bild: REUTERS

Im Skandal um manipulierte Zinssätze ist der Verwaltungsratschef der britischen Großbank Barclays, Marcus Agius, zurückgetreten. Barclays kündigte zudem eine interne Untersuchung der Vorfälle an. Gegen mehrere Banken in Europa und Amerika laufen ebenfalls Ermittlungen.

          Der Skandal um die britische Bank Barclays und die jahrelange Manipulation des wichtigen Londoner Interbankenzinssatzes Libor, an dem sich Banken auf der ganzen Welt orientieren, wenn sie einander Kredit geben, wächst sich zum internationalen Finanzpolitikum aus und hat erste personelle Konsequenzen.

          Der Verwaltungsratschef der britischen Großbank Barclays, Marcus Agius, ist zurückgetreten. Es tue ihm aufrichtig leid, dass Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre „im Stich gelassen“ worden seien, erklärte Agius am Montag in einer Stellungnahme, die auf der Internetseite der Bank veröffentlicht wurde. Barclays kündigte zudem eine interne Untersuchung der Vorfälle an. Ein neuer, verpflichtender Verhaltenskodex solle entwickelt werden.

          Untersuchungen gegen 20 Großbanken

          Dies und jenseits des Atlantiks verschärfen Aufsichtsbehörden und Politiker ihre Versuche, die Verantwortlichen für die Manipulation auch strafrechtlich zu verfolgen. Untersuchungen der Aufsichtsbehörden laufen derzeit gegen etwa 20 Großbanken an den Finanzplätzen London, New York, Tokio und Singapur. Barclays war das erste Institut, das sich kürzlich mit den Aufsichtsbehörden auf eine Strafzahlung von insgesamt 290 Millionen Pfund geeinigt hatte. Am Wochenende war bekannt geworden, dass auch die in den Skandal verwickelte Royal Bank of Scotland Medienberichten zufolge schon Ende vergangenen Jahres vier für Manipulationen verantwortliche Mitarbeiter entlassen hatte.

          „Wenn der Libor nicht sinkt, bin ich tot“

          Auch das amerikanische FBI ermittelt nun gegen 16 der hartgesottenen Händler in London und an der Wall Street, die nicht etwa nur auf dem Höhepunkt der Krise zu niedrige Zinsangaben übermittelten, um Barclays liquider erscheinen zu lassen, als es die Bank war - dies haben offenbar viele Institute während der Krise getan. Die vom FBI beobachteten Händler versuchten aber, auch die Höhe des Libor zu beeinflussen, um Kunden aus der Patsche zu helfen oder internen und externen Händlern Gewinnchancen zuzuschustern. „Kannst du was machen? Wenn der Libor nicht sinkt, bin ich tot“, lautet der Inhalt einer E-Mail an einen Barclays-Händler. Später dann: „Super. Ich kann dir nur dankbar sein. Komm rüber und wir öffnen eine Flasche Sekt.“ Das Verhalten wird von einem Händler in Singapur bestätigt, der aussagte, den Libor in Yen manipuliert zu haben, weil ein Großkunde, der Hedgefonds Brevan Howard, das verlangt habe. Derartige Hilfe sei üblich gewesen.

          Noch brisanter ist eine E-Mail eines Barclays-Händlers, die lautet: „Wir haben zwei Monate daran gearbeitet, allein schafft man das nicht. Der Trick ist, das man das nicht allein macht. Aber halt die Klappe.“ Letztere E-Mail scheint anzudeuten, dass Händler mehrerer Banken zusammengearbeitet haben, um den Libor zu manipulieren. Das ist sinnvoll: Thomson Reuters fragt im Auftrag des Britischen Bankenverbandes BBA die Zinssätze von 16 Banken ab, ignoriert dann die vier höchsten und vier niedrigsten Sätze und ermittelt aus den restlichen acht Angaben den Durchschnittszins. Wer immer den Libor manipulieren will, muss sich also mit anderen Banken absprechen.

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