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Verbände fordern Klimafonds : Jugendliche: Jeder muss was fürs Klima tun

Klimaschutz-Demonstration von „Fridays for Future“ in Berlin Bild: dpa

Nicht so sehr die Politik oder die Industrie – sondern vor allem jeder Einzelne soll sich mehr für den Klimaschutz einsetzen, sagen Jugendliche in einer Umfrage. Und haben Sympathie für Umweltverbände, die Milliardeninvestitionen fordern.

          Umweltverbände fordern von der Bundesregierung einen neuen Investitionsfonds für das Klima. Die Mittel dafür sollen nach Vorstellung von zehn Verbänden aus mehreren Quellen kommen: aus dem Abbau umweltschädlicher Subventionen, den Einnahmen aus dem Emissionshandel auf EU-Ebene, einer neuen Ausrichtung der EU-Agrarmittel und aus einer Vermögensabgabe. Das schrieben unter anderem Greenpeace, die Deutsche Umwelthilfe, der WWF, der BUND und der Nabu am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          50 Milliarden Euro gebe der Staat jedes Jahr an umweltschädlichen Subventionen für das Klima aus, diese Mittel sollten umgeleitet werden, forderte WWF-Chef Christoph Heinrich. Neben dem Fonds solle die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzpaket, das sie am 20. September vorstellen will, eine CO2-Bepreisung, einen schnelleren Kohleausstieg bis 2030 und Maßnahmen für günstigere Bahntickets und teurere Flugtickets beschließen. Zudem müsse der Verbrauch von Fleisch und Milchprodukten ebenso wie der Tierbestand deutlich reduziert werden.

          Jugendliche unzufrieden mit Politik

          Die Unterstützung der „Fridays for Future“-Demonstranten dürfte den Verbänden dabei gewiss sein. Deren Einstellungen zum Klima- und Umweltschutz hat das Bundesumweltministerium gemeinsam mit dem Umweltbundesamt nun in einer repräsentativen Umfrage unter 14 bis 22 Jahre alten Jugendlichen untersucht.

          Darin kommen die Umweltverbände tatsächlich gut weg. 70 Prozent sind der Meinung, dass sie sich „genug“ oder „eher genug“ einsetzen. Unzufrieden sind sie dagegen mit den bisherigen Leistungen der Politik. Nur jeder Fünfte fand, dass die Bundesregierung genug für das Klima und die Umwelt tut.

          Doch nicht nur die Politik tue nicht genug, befanden die 14 bis 22 Jahre alten Befragten. Nur 15 Prozent sind mit dem bisherigen Einsatz der Industrie zufrieden. Auch der Einzelne müsse mehr tun. Nur 20 Prozent gaben an, „jeder und jede Einzelne“ tue genug. Durchgeführt wurde die repräsentative Umfrage unter mehr als 1000 Jugendliche vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt.

          Der Einzelne soll mehr tun

          Dabei sahen die Befragten – anders als von den Umweltverbänden gefordert – vor allem den Einzelnen in der Pflicht. 61 Prozent der Befragten gaben darin an, dass „jede und jeder Einzelne“ der wichtigste Akteur für den Klima- und Umweltschutz sei. Die Politik und die Industrie hält jeder Zweite der Befragten für zuvorderst verantwortlich. Anderen Akteuren – zur Auswahl standen noch die Medien, Schulen, Städte, Umweltverbände, Investoren oder die Wissenschaft – sprechen die Jugendlichen dagegen eine weniger wichtige Rolle zu. Drei Nennungen waren dabei erlaubt.

          Viele der Befragten sind dabei auch politisch für den Klimawandel aktiv. Jeder Vierte hat sich schon an „Fridays for Future“-Demonstrationen beteiligt, 46 Prozent wären offen dafür. Allerdings haben auch 20 Prozent noch nie von der Bewegung gehört.

          Der Klimaschutz rangiert dabei gemeinsam mit der Bildung und der sozialen Gerechtigkeit unter den Themen, die den Befragten am wichtigsten sind. Jeweils etwa vier von fünf Befragten gaben das an.

          Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüßte die Ergebnisse der Befragung: „Das macht Mut für die großen Aufgaben, die vor uns liegen“, sagte sie am Freitag in Berlin. Umwelt- und Klimaschutz liege jungen Menschen sehr am Herzen. Die Jugendlichen würden nun aber erwarten, dass die Klimaschutzziele auch entschlossen in Angriff genommen werden.

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