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Massentourismus : 3 bis 10 Euro Eintrittsgeld für Venedig

Ist ein Eintrittsgeld wert: Die Rialto-Brücke in Venedig Bild: ddp

Im nächsten Jahr zahlen die Touristen für den Tagesbesuch der Lagunenstadt. Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern sollen den Bürgern der Stadt zugutekommen und den Massentourismus einschränken.

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          Am Osterwochenende dieses Jahres ließ sich Marco Agos­tini zu einer Äußerung hinreißen, die als Kompetenzüberschreitung und als unziemlicher politischer Kommentar interpretiert werden konnte. Doch es ging aus Sicht des Polizeikommandanten von Venedig nicht an­ders. „Es ist das Delirium, wir sind am Limit“, klagte Agostini öffentlich. An drei Tagen waren fast eine halbe Million Menschen in das kleine Venedig mit seinen rund 50 000 Einwohnern geströmt. Der Markusplatz überfüllt, die Rialto-Brücke ein einziges Menschenknäuel, überall verstopfte Verkehrsknotenpunkte und Warteschlangen. Die Botschaft des Polizeikommandanten war klar: So kann es nicht weitergehen. In der Lagunenstadt diskutiert man seit Jahren über die Kontrolle der Besuchermassen, die nach der Pandemiepause wieder über die Stadt herfallen. Jetzt endlich will die Stadtverwaltung zur Tat schreiten, wenn auch nicht sofort. Wie der Stadtrat be­schlossen hat, will Venedig erstmals in seiner Geschichte vom 16. Januar 2023 an eine Eintrittsgebühr verlangen, um dem Massentourismus Herr zu werden. Tagestouristen müssen künftig eine Re­servierung für ihren Besuch vornehmen und dafür eine Gebühr von 3 bis 10 Euro bezahlen, abhängig vom Andrang am je­weiligen Tag.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          „Die Stadt wird nicht geschlossen sein. Wir starten ein weltweit einzigartiges Ex­periment zur Steuerung von Touristenströmen“, kündigt der Bürgermeister Luigi Brugnaro an. Zur Kasse gebeten werden nicht die Übernachtungsgäste, die, je nach Qualität der Unterbringung, eine Kurtaxe von bis 5 Euro pro Nacht bezahlen, sondern die Tagespendler. Kritik ernten in Venedig vor allem jene Touristen, die nur für ein paar Stunden in die Stadt kommen, vielleicht in einem Schnellimbiss-Restaurant essen und da­bei unter Umständen auch noch gedankenlos ihren Müll hinterlassen. Vor ein paar Tagen hatte der Präfekt Vittorio Zappalorto noch die „Entscheidungsschwierigkeiten“ der Stadt aufgrund des „starken Konflikts zwischen verschiedenen Interessen“ angeprangert. Dabei wer­de die Stadt zunehmend „entstellt“ und verliere ihre „Lebensqualität und Schönheit“. Das soll sich nun ändern. Domenico Stanziani, der in seinem Restaurant „Al Colombo“ am Corte del Teatro ein kulinarisches Angebot im oberen Preissegment bereithält und auch Präsident der örtlichen Gastronomie-Vereinigung ist, drückt es so aus: „Venedig ist ei­ne schöne Frau, sie darf sich nicht prostituieren.“ Er hält den Weg der Eintritts­gebühr für richtig. „Wir erhoffen uns davon eine andere Qualität des Tourismus.“ Massimo Milanese, Leiter des „Caffè Lavena“ am Markusplatz, hält da­gegen: „Venedig war immer eine offene Stadt, das sollte so bleiben. Und welche Gegenleistung bietet die Stadt eigentlich für die Eintrittsgebühr? Ich sehe keine“, sagt der Kaffeehauschef.

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