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Eintrittsgebühr : Venedig sehen – und zahlen

Der Luxus-Liner „MSC Divina“ fährt am Markusplatz in Venedig vorbei. Bild: dpa

Die Lagunenstadt will Touristenmassen steuern und Tagessätze kassieren. Doch sind 3 Euro dafür genug? Es gibt schon weitreichendere Pläne.

          Venedig bittet Tagesgäste der von Urlaubern zuweilen überlaufenen Stadt künftig zur Kasse. Der Stadtrat von Venedig hat nun endgültig eine lang umstrittene Eintrittsgebühr beschlossen. Vom 1.Mai bis zum Ende des Jahres muss jeder Besucher 3 Euro bezahlen. 2020 gelten dann gestaffelte Tarife: Neben der normalen Gebühr von 6 Euro gibt es dann einen ermäßigten Satz von 3 Euro in der Nebensaison. In der Hochsaison sollen 8 Euro fällig werden, zu besonderen Ereignissen, etwa dem Karneval, 10 Euro.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die Eintrittsgebühr war eines der Wahlversprechen des Bürgermeisters Luigi Brugnaro. Er hatte im Jahr 2015 die Wahl als Kandidat eines Mitte-Rechts-Bündnisses gewonnen, nachdem die Stadt zuvor von Kandidaten aus dem linken Spektrum regiert wurde, die das Thema nicht anpacken wollten.

          Nach den Worten von Brugnaro geht es nicht allein um die Einnahmen, sondern vor allem darum, mit einer Steuerung und Dämpfung der Touristenströme das Leben für die Einwohner Venedigs erträglicher zu machen. Schätzungen zufolge besuchen bis zu 30 Millionen Touristen im Jahr die Stadt – darunter viele Tagesgäste.

          Eintritt nur nach Reservierung? 

          Der Schritt von Venedig erregt besonderes Aufsehen, aber auch andere europäische Städte suchen Wege, um die Tourismusfolgen für die Einheimischen einzudämmen. So will Dubrovnik mit Kreuzfahrtreedereien Fahrpläne abstimmen, damit nicht zu viele Schiffe gleichzeitig ankommen. Amsterdam hat in der Innenstadt die Ansiedlung neuer Läden verboten, deren Angebot sich nur an Touristen richtet.

          Und während sich Hotelneubauten über nicht-erteilte Baugenehmigungen verhindern lassen, sind zahlreiche Städte auch in Deutschland dazu übergegangen, für Unterkünfte in Privatwohnungen, die unter anderem über Airbnb vermittelt werden, eine Obergrenze festzulegen, wie viele Nächte im Jahr sie angeboten werden dürfen. Eintrittsgebühren gegen einen Massenansturm sind hierzulande indes kein Thema. Kurorte erheben aber seit langem Kurtaxen – auch für die Benutzung von Parks und Stränden.

          Der Deutsche Reiseverband (DRV) äußerte sich wohlwollend zur Entscheidung in Venedig. „Das ist ein Mittel, um Urlaubströme zu steuern“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig der F.A.Z. mit Blick auf die künftig gestaffelten Gebühren. „Die Hauptverantwortung für solche Schritte liegt in den Destinationen, die können steuernd eingreifen.“ Allerdings keimen in der Reisebranche auch Zweifel, ob Tagessätze in einstelliger Euro-Höhe Reisende von einem Besuch abhalten – vor allem für Alleinreisende und Paare wäre die Belastung gering, nur für Familien mit Kindern höher. Fiebig sieht dennoch grundsätzlich einen Schritt in die richtige Richtung, es müsse in den nächsten Jahren weiter ausprobiert werden, wie sich Reisendenströme steuern ließen.

          Der Bürgermeister von Venedig erwartet derweil Einnahmen von 30 Millionen Euro, die für Stadtreinigung und mehr Kontrolle durch städtische Polizisten ausgegeben werden sollen. Von der Gebühr gibt es aber Ausnahmen. Einwohner von Venedig und der Region Veneto, alle, die in Venedig geboren sind, dort arbeiten oder zu einer Familie gehören, die in der Stadt Grundsteuer entrichtet, müssen nicht zahlen. Auch für Touristen, die in Venedig übernachten, wird die Gebühr nicht fällig, sie zahlen in der Unterkunft eine Abgabe von bis zu 5 Euro je Person.

          Die Lagunenstadt plant schon weitere Schritte. So könnten Touristen von 2022 an nur nach vorheriger Reservierung in die Stadt kommen dürfen. Für Gäste mit Autos wurde schon eine Gebührenzone eingerichtet, so dass nicht nur das teure Parkhaus, sondern auch die Zufahrt zu bezahlen ist.

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